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#NepalTrekking: Langtang – unbekannte Schöne unter den Himalaya-Treks

Vier Wochen Nepal! Zeit genug für ausgiebiges Trekking auf bislang unerreichten Höhen (und mit Blick auf die höchsten Berge der Erde), Yoga und Meditation, viel Kultur und unglaublich freundliche Menschen, die auch mit den schwierigsten Lebensbedingungen zurecht kommen. Heike berichtet von ihrem Once-in-a-Lifetime-Erlebnis. Teil I: Trekking in Nepal 

Es sollte ein gemäßigtes Nepal Trekking werden. Keines der Himmelsstürmer-Vorhaben rund um den höchsten Berg der Erde, den Mount Everest mit seinen 8.848 Metern. Und auch keine der völlig überlaufenen Routen im beliebten Annapurna-Massiv. Der eher unbekannte Langtang-Trail mit einer zu erklimmenden Gipfelhöhe von knapp 5.000 m über dem Meeresspiegel klang machbar. Dabei geht er weit über alles von mir bisher Eroberte in den deutschen und österreichischen Alpen hinaus.

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Das Zentrum des fatalen Erdbebens in Nepal in 2015 lag nördlich von Kathmandu. Auch die Helambu-und Langtang-Region waren betroffen. Noch heute sieht man völlig zerstörte Häuser wie hier in Chisopani. Foto: Heike Mühldorfer

Außerdem war diese Region besonders durch das schwere Erdbeben im Jahr 2015 betroffen. Das ganze Dorf Langtang war damals unter einer Eis-Geröll-Lawine verschwunden und auch in den Bergdörfern kaum ein Haus ohne schwere Schäden geblieben. Seit 2017 sind die Trekking-Routen jedoch wieder geöffnet, sodass eine Entscheidung für den Langtang-Trek tatsächlich den Menschen vor Ort direkt zugute kommt. Schon vor der Naturkatastrophe galt dieser Trek zu den weniger besuchten Routen – vielleicht auch weil hier die spektakulären Extrem-Höhenmeter der anderen Gebiete fehlen. Für mich noch ein Pluspunkt, dass frau die Wege nicht mit Horden von Menschen teilen muss. Außerdem liegt der Start ganz nah bei der Hauptstadt Kathmandu.

Steiler Aufstieg zum Start in den Langtang-Trek

Wir starten früh mit dem Mini-Van, drin sitzen sechs Deutsche, und sechs Nepali: ein Fahrer, zwei Guides und drei Träger, genannt Porter. Nach etwa 1 ½ Stunden Fahrt gelanten wir zum Startpunkt nahe dem Eingang des Sundarijal Nationalparks. Nach einem ersten steilen Anstieg treten wir durchs Tor und starten unser Abenteuer. Unser Ziel für diesen Tag Richtung Helambugebiet ist das kleine Dorf Chisopani – nepalesisch für kaltes Wasser – auf einer Höhe von 2.200 m. Der Aufstieg dorthin startet gleich mit vielen, steilen Passagen und wir steigen möglichst langsam Treppe um Treppe nach oben, schließlich sind mehr als 1.000 Höhenmeter zu bewältigen.

Die erste Mittagspause mit dem nepalesischen Nationalgericht Dhal baat, also Reis, Linsensuppe und einigen würzigen Gemüse-Currys, stimmt uns auf die Verpflegung der nächsten Tage ein: Denn diese Speisenkombination wird uns mit Energie und manchmal mehr, manchmal weniger Vitaminen versorgen. Dass Gemüse und Obst eher Mangelware sind ist kein Wunder, denn viele der Bergdörfer sind ohne Straßenzugang und jede Kartoffel und jeder Apfel muss von Trägern in den traditionellen Körben und Säcken nach oben transportiert werden.

Porter helfen beim Tragen – zum Glück

Auch fürs Trekking setzen wir auf die Kraft und Ausdauer der Porter, die unser Hauptgepäck tragen, sodass wir „nur“ den Tagesrucksack mit Wasser, Tee und dem ein oder anderen Energieriegel tragen müssen. Der lange Aufstieg wird immer wieder unterbrochen durch den Blick ins Kathmandu-Tal, das leider unter einer Smogdecke verhüllt liegt. Ein kurzer Abstieg bringt uns zum Etappenziel. Das Dorf Chisopani begrüßt uns mit einem windschiefen, extrem einsturzgefährdeten Haus (s. Foto oben). Wahrscheinlich steht es nur noch, weil die Antennen für Mobilfunk auf seinem Dach befestigt sind (zumindest vermuten wir das in unserer kleinen Truppe ;-).

Immer wieder wunderbare Aussicht auf die Berge im Langtang-Nationalpark. Foto: Heike Mühldorfer

Die Ankunft in der sehr spartanischen „Lodge“ gibt schon mal einen Vorgeschmack auf das tägliche ‚O wie schön!‘ tagsüber und „Kann es noch schlichter gehen?“ abends in den Unterkünften. In den höheren Gefilden geht die nächtliche Kälte in den ungeheizten, oft nur durch Bretterwände voneinander getrennten Zimmern an die Substanz. Doch wer sich zur körperlichen Herausforderung Trekking in Nepal in ungewöhnten Höhen und einfachen Lodges entschieden hat, weiß, dass zur Ausstattung unbedingt Winterklamotten und ein dicker Schlafsack gehören.

Und falls das mitgebrachte Equipment doch nicht warm genug ist, können in den Hütten auch noch dicke Decken für ein paar Rupien ausgeliehen werden. Nichtsdestotrotz: Wie kalt die Nacht auch gewesen sein mag, jeder Morgen überrascht und begeistert mit einem spektakulären Sonnenaufgang und dem Blick auf schneebedeckte Gipfel wie den Manaslu, den Ganesh Himal oder den Langtang mit ihren gut 7.000 m.

Morgenstimmung mit Schnee. Blick aufs Langtangmassiv (rechts).

Natur mit Wiedererkennungseffekt

Zarte Blümchen und viel Grün begleiten uns auf jeder Etappe, viele kennen wir aus dem Blumenfenster unserer Kindheit: Weihnachtsstern, Ficus Benjaminus, außerdem typische Bergblumen wie Enzian, Schlüsselblume (in zartem Lila) und immer wieder viele Meter hohe Rhododendron-Pflanzen, mehr Wald als Gebüsch. Im Frühling muss es wunderschön sein, wenn alle diese Riesengewächse mit Blüten übersät sind.

Auch oberhalb der Baumgrenze von 4.000 Meter gibt es viel zu sehen. Foto: Heike Mühldorfer

Auch Bambus und Kiefernarten sehen wir, manche so riesig, sie müssen uralt sein. Mit mehr als 1.000 Pflanzenarten, 150 Vogelarten und vielen anderen oft seltenen Säugetieren wie z.B. dem Roten Panda bietet das Langtang-Tal eine immense Artenvielfalt, die seit 1976 als Nationalpark geschützt ist. Alles wächst hier so viel größer als in Europa, die Baumgrenze ist weit nach oben gerutscht auf ca. 4.000 m, denn das subtropische Klima mit warmen Tagen und mäßig kalten Nächten und die zweimonatige Monsunzeit tragen dazu bei.

So werden selbst in hohen Höhen noch Reis- oder Hirseterrassen bewirtschaftet, die weit in unterschiedlichstem Grün leuchten. Dazwischen finden sich kleine wie große Tempel mit vielen Gebetsfahnen geschmückt, geduckte Not-Hütten aus Wellblech und bereits liebevoll wieder aufgebaute Häuschen, vor denen Kinder spielen. Immer dazwischen Ziegen, Büffel und völlig entspannte Hunde.

Ziegen versorgen in abgelegenen Bergdörfern mit Milch. Foto: Heike Mühldorfer

Trekking ist Auf und Ab

Wir schrauben uns in den nächsten Tagen immer wieder höher, dann wieder runter ins nächste Tal, bevor wir wieder neue Höhen erklimmen. Täglich sechs bis acht Stunden Auf und Ab. Die körperliche Anstrengung ist dank viel Radfahren, Treppensteigen und mehreren Bergtouren vorab, täglichem Magnesiumpulver und mitgebrachter Energieriegel kein Problem. Nur die Höhe zehrt durch schlechte, durchwachte Nächte (wegen des sinkenden Sauerstoffangebots) und sorgt bei der ein oder anderen für Kopfschmerzen und dann doch Kräftemangel nach stundenlangem Auf- und Abstieg.

Trekking ist Auf und Ab .. steile Anstieg auf den Laurebina Pass. Foto: Heike Mühldorfer

Zum Glück helfen die Porter aus. Sie kommen, nachdem sie unser Hauptgepäck zur Hütte gebracht haben, bei den härtesten Etappen mit heißem Tee wieder. Nach der Pause übernehmen sie unsere Rucksäcke, sodass wir den Anstieg ohne Last und mit frischer Energie bewältigen. Die brauchen wir auch am 5.Tag.

Geschafft! Der Laurebina-Pass mit 4.610 m über dem Meeresspiegel fordert uns so einiges ab. Umso größer die Freude! Foto: Heike Mühldorfer

Dann geht es hoch auf 4.610 m über Meeresspiegel zum Laurebina-Pass. Euphorisch feiern wir diesen Etappensieg, nach einem sehr harten Aufstieg. Danach steigen wir ab auf 3.800 m, wo die heiligen Gosainkund-Seen liegen, die von Hindus wie Buddhisten verehrt werden. Tatsächlich strahlen sie eine Ruhe und Würde aus, sodass mich ihr Anblick sehr bewegt. Wir waschen traditionell unsere Hände im heiligen Wasser und verweilen ein paar Minuten in stiller Andacht.

Selbst auf der entlegenen Route finden sich immer wieder Tempel und die allgegenwärtigen Gebetsfahnen. Foto: Heike Mühldorfer

Höhenkrankheit sucks

Bis dahin machte sich für mich die Höhe hauptsächlich durch Nebeneffekte wie kurze Schlafphasen bemerkbar, doch jetzt zeigen sich die Symptome, vor denen wir gewarnt waren: mir ist plötzlich übel, das angebotene Essen mag ich nicht mal angucken, der Kopf schmerzt, ich fühle mich so schlapp und würde am liebsten nur noch sitzenbleiben. Da hilft nur: Abstieg um ein paar hundert Höhenmeter, möglichst unter 3.800m. Ich zwinge mich, einen der mitgebrachten Energy-Gels herunterzuschlucken und schaffe es dank dieses Powerboosts, mich weiter zu bewegen.

Nepal Trekking Gosainkund Seen

Selbst für unsere nepalesischen Begleiter eine Überraschung: Schnee im Oktober. Foto: Heike Mühldorfer

Mittlerweile hat es angefangen zu schneien (!), sodass wir im Dämmer und bei Schneegestöber gerade noch vor dem frühen Sonnenuntergang unsere Lodge erreichen. Dennoch wird es mit jedem Schritt besser, die körperliche Krise ist erstmal überstanden.

Die folgende Nacht ist kalt, kurz und durchwacht. Wir fragen uns, wie viel Schnee am Morgen liegt und ob wir den Abstieg fortführen können. Doch der Tag beginnt mit herrlichem Sonnenschein und dem fantastischen Blick auf das frisch mit Schnee bestäubte Langtang-Massiv und einige Gipfel des Annapurna-Massivs. Wir frühstücken draußen mit den Wintermützen auf dem Kopf (die uns auch in der Nacht schlafen ließen) und einem unglaublichen Blick – einem der Highlights meines Langtang-Trekkings.

Eines meiner High-Lights beim Nepal- Trekking: Frühstück mit Blick aufs Annapurna Massiv mit seinen über 7.000 Meter hohen Gipfeln. Foto: Heike Mühldorfer

Weiterlaufen oder abbrechen? Keine leichte Entscheidung

Der Abstieg zum nächsten Ziel ist wunderbar entspannend und belohnt mit faszinierenden Ausblicken, dichtem Dschungel, kleinen Tempeln und einer frisch gebackenen Zimtschnecke. Die Ankunft in Thula Syabru auf 2.200 m in einer hübschen Lodge mit heißer Dusche und sehr fürsorglichen Gastgebern passt zum entspannten Tag. Doch ich mache mir so meine Gedanken, wie es für mich weitergehen kann. Denn auch wenn die meisten Symptome der Höhenkrankheit überwunden sind, der Blick am Morgen in den Spiegel zeigen Ödeme an Lidern und Nasenwurzel. Eindeutiges Zeichen, dass meinem Körper die Adaption an die niedrige Sauerstoffsättigung nicht vollständig gelungen ist.

Der Langtangfluss und ein kleiner Zipfel des Langtangs. Foto: Heike Mühldorfer

Da der zweite Teil des Trekkings wieder bis auf Höhen über 3.800 m führt (und einem optionalen Aufstieg auf den höchsten Gipfel der Tour mit 4.950m), entscheide ich mich gegen diese erneute Herausforderung und dafür, abzusteigen. Während die kleine Truppe den Fluss entlang Richtung Langtang loszieht, laufe ich schweren Herzens zusammen mit meiner Schwester und Bijay, unserem Guide, ins nächste Dorf. Von dort geht es mit dem Jeep zurück in die Zivilisation. (Die Fahrt nach Kathmandu gehört zu den abenteuerlichsten Episoden meines Nepalaufenthaltes. Das ist aber ein extra Kapitel.)

Nepal Trekking in Deutschland organisieren oder vor Ort buchen?

Im Nachhinein kann ich sagen: Es ist völlig unproblematisch vor Ort ein Nepal Trekking zu buchen. Es gibt so viele Veranstalter, die seit Jahren verlässlich alle möglichen Gruppen-Touren in den bekannten Regionen wie Mount Everest, Annapurna oder eben auch im Langtang-Nationalpark anbieten. Es ist aber auch ganz einfach, einen Guide und einen Porter zu buchen, und die Tour nach den persönlichen Vorlieben sprich im ureigenen Tempo zu planen. Das hat den Vorteil, dass der Aufstieg so langsam geplant werden kann, dass der Körper genug Zeit hat, sich an die ungewohnte Höhe samt Sauerstoffmangel zu gewöhnen. Experten raten nämlich dazu, nicht mehr als 300 Meter Höhenunterschied zwischen den Nachtlagern zu überschreiten. Wer von Deutschland aus bucht, tut gut daran, sich die Route vor allem im Hinblick auf die Tagesetappen und die geplanten Höhenmeter bei Auf- und Abstieg genau anzuschauen. Denn Fitness allein ist nicht entscheidend, wie gut der Körper mit den Herausforderungen großer Höhen zurecht kommt.

Staunen über die „Langnasen“. Foto: Heike Mühldorfer

Mir hätte auch ein Pausentag gefallen, um die Erlebnisse und Eindrücke etwas zu verarbeiten. Denn Trekking ist auch mental Höchstleistung. Ob ich wieder in der Gruppe laufen würde, kann ich nicht eindeutig beantworten. Es hat auf jeden Fall den Vorteil, dass alles schon vorab geklärt und gebucht ist und man wirklich abschalten kann während der Tour. Denn das ist für mich auch ganz klar geworden: Herausforderungen und solch einmalige Erlebnisse wie bei einem Nepaltrekking sollte man/frau am besten im Gespann mit lieben Menschen annehmen – weil das Teilen mindestens so schön ist, wie das Erleben selbst.


Mein Nepal-Trekking in Etappen:

Tag 1: Gute Stunde Fahrt durchs Kathmandutal Richtung Norden, nach Sundarijal, durch den Nationalpark ins Helambugebiet, Aufstieg 1150 m, Abstieg 350 m, Übernachten auf 2.200m in Chisopani

Tag 2: Blick auf die Gosainkund-Kette und den Langtang (Sonnenaufgang!) plus Ganesh Himal und Minaslu, Weg nach Chipling (2.150m), hoch auf 2.500 m, dann wieder Abstieg nach Gul Bhanjyang /2.150m) Lodge in Kutumsang. Aufstieg 1.200 m, Abstieg 950m

Tag 3: Durch den Wald mit Riesenrhododenren, die im Frühjahr wunderbar blühen. Jetzt beeindrucken die großen Gewächse und viele kleine Gebirgsblümchen. Aufstieg 1.200 m, Absiteg 150, Ziel ist auf 3.500 m Thare Pati.

Tag 4: Stetiges Auf und Ab zur Hochalm nach Ghopte (3.450m), dann Anstieg zum Basislager bei Phedi (3.650 m), Aufstieg 800m, Abstieg 650m.

Tag 5: Laurebina Pass und Gosainkund Seen. Mit 4.610 m höchster Gipfel, langer Anstieg, langsam und stetig. Danach Abstieg zu den Seen, weiter hinab nach Laurebina Yak auf 3.900 m). Aufstieg 1000m, Abstieg 700m

Tag 6: Abstieg nach Thula Syabru (2.200m) durch wunderschöne Wälder und kleine Dörfer. Aufstieg: 100m, Abstieg 1800m

Tag 7: Abstieg nach Syabru Bensi auf 1.450 m, dann Fahrt nach Kathmandu.

Buchtipp: Reiseführer Nepal, Stefan Loose Travel Handbücher
531 Seiten, mit vielen Informationen für die individuelle Reiseplanung und selbst geplanten Trekking-Touren, Rafting, Mountainbiking sowie Tipps zu Unterkünften, Restaurants und Transport, Yoga, Meditation und Ayurveda.

Text und Fotos: Heike Mühldorfer

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