#Kulturtipp: Gratis-Comic-Tag. Empfehlungen für Bremen

Drei Empfehlungen zum Gratis-Comic-Tag aus Holland, Frankreich und Deutschland. Foto: Annica Müllenberg

Comics mausern sich seit ein paar Jahren zu erst zu nehmender Literatur. Längst nicht mehr nur Kinder greifen zu den kunstvoll gestalteten Bänden, die alle Genres abdecken. Ein guter Anlass, mehr über neue Erscheinungen zu erfahren, ist der Gratis-Comic-Tag am Samstag, 12. Mai 2018. In beteiligten Buchläden und der Stadtbibliothek Bremen werden Hefte rausgegeben, die noch unveröffentlichte Storys anreißen. 

Leseproben zur Hand nehmen

Drei aktuelle Highlight-Comics, die auf ganz unterschiedliche Weise den Zeitgeist, die Vielfalt und die wachsende europäische Szene widerspiegeln, sind: „Gérard“ von Mathieu Sapin, „Zen ohne Meister“ von Frenk Meeuwsen und „IKON“ von Simon Schwartz.

Mathieu Sapin klebte fünf Jahre am Rockzipfel von Depardieu, so lässt er es schon im Untertitel auf dem Cover wissen. Die intensive Recherche und der Arbeitsaufwand haben sich gelohnt. Der französische Comicautor zeichnet ein scharfes Porträt des Schauspielers. Raubeinig, roh, ruppig, aber durchaus mit ambitioniertem Feinsinn für Künstler.

Mathieu Sapin und Gérard Depardieu -Zwei Künstler: der eine groß, der andere übergroß. Foto: avant-Verlag und Mathieu Sapin

Wie in einem Gemischtwarenladen sammelt er scheinbar ziellos Gemälde, Plastiken und Co. Sapin profitiert von diesem Interesse. Er pirscht sich an den Franzosen wie ein Jäger an ein wildes Tier, wird hin und wieder zurückgebissen, nur um dann umso näher an ihn heranzukommen. Grandios meistert Sapin den Balanceakt, den hass-geliebten Depardieu in seiner Theatralik, Großmäuligkeit, Widersprüchlichkeit zwischen Größenwahn und dezenter Großzügigkeit zu porträtieren.

„IKON“: Scharfe Striche im expressionistischem Stil. Foto: avant-Verlag und Simon Schwartz

Simon Schwartz ist ein vielversprechendes Talent der deutschen Gaphic-Novel-Szene. In seinem neuen Werk „IKON“ holt der Illustrator zu einer Dreifach-Biografie aus. Mit rohen, rasiermesserscharfen Strichen skizziert er die Geschichte der falschen russischen Zarentochter, Anastasia, dem Sohn des Zarenarztes, Gleb Botkin, und der Ikonen-Malerei. Dank der genialen Dramaturgie zieht es den Leser quasi per Slow-Motion-Effekt in einen Bild-Film, der sich in expressionistischer Optik zeigt.

Die innere Mitte finden. Foto: Frenk Meeuwsen

Frenk Meeuwsen widmet sich in seinem Graphic-Novel-Debüt „Zen ohne Meister“ der eigenen Faszination für die fernöstliche Kultur im Allgemeinen und im Speziellen dem Zen-Buddhismus. Mit dynamisch-schnörkellosem Strich porträtiert er seine innere Suche. Zwischen die Rückblenden in die eigene Kindheit werden Szenen aus Reisen nach Asien eingestreut. 

Comics zum Hören

Wer mehr lesen, hören und sehen will, sollte folgende Events nicht verpassen:

Gratis-Comic-Tag am Samstag, 12. Mai, in den Shops Bremer Comic Mafia und Comic Café Bremen sowie in den Buchhandlungen Logbuch, Golden Shop Thalia in der Obernstraße und der Zentralbibliothek am Wall.

Simon Schwartz liest am Montag, 14. Mai, ab 19 Uhr, in der Zentralbibliothek, Am Wall 201, aus seiner Graphic Novel „IKON“. Der Eintritt ist frei.

Der deutsche Titanic-Cartoonist Jean La Fleur stellt pünktlich vor der Fußballweltmeisterschaft sein neues Werk „Hund – Ein Fussballepos“ und weitere Arbeiten vor: Freitag, 25. Mai, 19.30 Uhr, Logbuchladen in Walle, Eintritt: 10 Euro.