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#Ausstellung: Mittenmang – Alleinerziehend in Bremen

23 Frauen berichten aus ihrem Leben als Alleinerziehende. Neben einer besseren Wohnsituation fehlt es oft an gut bezahlter Arbeit und Wertschätzung. Foto: Heike Mühldorfer

Alleinerziehend in Bremen. Was das für die 17.000 Frauen und (davon 10 %) Männer bedeutet und wie sie zu ihrer persönlichen Situation stehen – die kleine, berührende Ausstellung „Mittenmang“ mit Porträts und Interviews alleinerziehender Frauen bietet einen ehrlichen und nachdenklich machenden Blick hinter die Kulissen dieser immer häufiger werdenden Familienform. Wie gelingt der Spagat im Alltag zwischen Kindererziehung, Beruf und Betreuungsknappheit? Wie die Finanzierung ohne finanzielle und aktive Unterstützung des Vaters (mehr als die Hälfte zahlt nicht oder nur unregelmäßig). Wie gelingt es, einen Arbeitgeber zu finden, der Alleinerziehende nicht als Risiko einschätzt? Wie fühlt es sich an, allein verantwortlich zu sein für das Wohl der Kinder in allen Bereichen und wie sieht das in der Praxis aus? Was wünschen sich die Frauen und Männer von Politik und Gesellschaft?

Alleinerziehend: Interviews und Porträts

Die ehrlichen Statements der 23 Frauen decken sich mit den Aussagen einer aktuellen Studie* zur Situation von Alleinerziehenden in Bremen. In einer Befragung von 1.300 Alleinerziehenden finden sich ähnliche Antworten auf existenzielle Fragen wie Unterhalt, Wohnen, Gesundheit, Kinderbetreuung, soziale Teilhabe und Wertschätzung. „Vor allem aber geht es um berufliche Qualifizierung als Basis für eine gutexistenzsichernde Arbeit. Auch für Alleinerziehende muss gelten, dass sie von ihrem Job leben können müssen ohne dauerhafte Abhängigkeit von Grundsicherungsleistungen“, so die Studie der Arbeitnehmerkammer Bremen. Demnach ist die Armutsgefährdungsquote auf 53,6 Prozent im Jahr 2014 gestiegen. Zum Vergleich: Für kinderreiche Paare liegt sie bei 45,7 Prozent. Zum Vergleich: Paare ohne Kind 9,9 Prozent, Paare mit einem Kind 19,6 Prozent, Paare mit zwei Kindern 20,4 Prozent und Einpersonenhaushalte 33,2 Prozent.

Neben den oft schwierigen Lebensbedingungen für die allein erziehenden Mütter und Väter leiden vor allem viele Kinder in Bremen unter der wirtschaftlich schwierigen Situation: Knapp jedes dritte Kind in Bremen lebt bei nur einem Elternteil, deutschlandweit ist es jedes fünfte. Mehr als die Hälfte der Ein-Eltern-Familien in Bremen und Bremerhaven ist auf Arbeitslosengeld II angewiesen oder muss aufstocken. Zudem rangiert der Anteil der arbeitslosen Alleinerziehenden ohne Berufsabschluss in Bremen mit 69,2 Prozent im Vergleich der Bundesländer an erster Stelle. „Arm trotz Arbeit gilt für Alleinerziehende in besonderer Weise,“ sagt Dr. Esther Schröder, Referentin der Arbeitnehmerkammer Bremen und verantwortlich für die Studie. Von den Alleinerziehenden-Haushalten mit zwei und mehr Kindern beziehen nahezu 70 Prozent Arbeitslosengeld II. Bremen liegt auch bei diesem Negativrekord weit vorne im bundesweiten Vergleich.

3 von 23 Frauen, die erzählen, wie sie das Leben als Alleinerziehende meistern. Foto: Heike Mühldorfer


Die Ausstellung Mittenmang – alleinerziehend in Bremen  ist im Kapitel 8, Domsheide 8, noch bis zum – 26. Januar zu sehen. Fotografin Silke Nachtigahl porträtiert darin alleinerziehende Frauen aus dem Land Bremen. Entstanden sind die Fotografien bei MITTENMANG, einem Projekt des Vereins Arbeit und Zukunft e. V.

Öffnungszeiten montags bis freitags von 11-17 Uhr und samstags von 11-14 Uhr

 

Ergänzend dazu empfehle ich einen Blick in die Studie „Alleinerziehend – ein Kaleidoskop von Lebens- und Arbeitssituationen“, 126 Seiten, im Download unter https://www.arbeitnehmerkammer.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Politik/Familie_Soziales/Alleinerziehend_Ein_Kaleidoskop_2017-09_web.pdf

 

 

Text: Heike Mühldorfer

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