#Ausstellung: Gerhard Marcks und 99 Jahre Bauhaus

Blick in die Ausstellung. Wolfgang Tümpel, Gartenstuhl, 1950er-Jahre, Metallrohr, weiß lackiert, Plastikbespannung, Privatbesitz. Im Hintergrund: Johannes Driesch, Töpfer und Schutzengel, 1929, Öl auf Leinwand, © Sammlung Driesch, Köln

Das Jubiläum der hundertjährigen Gründung des bauhaus im übernächsten Jahr wirft seine Schatten voraus. In Bremen ist nun eine Ausstellung zu sehen, die sich dem Bildhauer Gerhard Marcks (1889-1981) widmet. Sie wurde von der Klassik Stiftung Weimar und dem Gerhard Marcks Haus Bremen erstellt und zeigt weit über 150 Werke von Marcks und 20 weiteren KünstlerInnen (von SchülerInnen, wie etwa des früh verstorbenen Johannes Driesch – oder aus seinem Freundeskreises, wie etwa Oskar Schlemmer, Otto Lindig oder Marguerite Friedländer-Wildenhain).

Gerhard Marcks und das bauhaus

Marcks war einer der ersten Lehrer, die ans bauhaus berufen wurden, und arbeitet bis 1925 an dessen Keramikwerkstatt im 30 Kilometer von Weimar entfernten Dornburg. Die relative Abgeschiedenheit hat Vor- und Nachteile, und in Dornburg entsteht eine kleine, verschworene Gemeinschaft. Ab 1923 verändert sich das bauhaus unter der neuen Maxime „Kunst und Technik – eine neue Einheit“ in Richtung einer auf die Industrie konzentrierten Produktion von Prototypen und die daran ausgerichtete Ausbildung. Marcks kritisiert diese Entwicklung. Er favorisiert eine gute, auf handwerkliches Können gründende Ausbildung der bauhaus-SchülerInnen. Er wollte nicht, dass „Künstler zu Ingenieuren“ werden, war aber der Überzeugung, dass die Tätigkeit des Designs für die industrielle Produktion nur auf einer individuellen Künstlerpersönlichkeit beruhen könne und müsse. Ironischerweise sind es eben just die „Produkte“ der Keramikwerkstatt des bauhaus, die als erste industrielle Verwendung finden.

Gerhard Marcks, Jüngling, 1921, Holz vergoldet, Privatbesitz, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017. Im Hintergrund eine Reproduktion des Gründungsmanifestes des bauhaus. Rechts: Oskar Schlemmer, Abstrakte Figur, 1921 (1962), Bronzeguss vernickelt, © mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien.

Von 1925 bis 1933 arbeitet Marcks als Lehrer für Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle, ist dort von 1928 bis 33 sogar Direktor. Nach 1946-1950 lehrt er noch kurz an der Landeskunstschule in Hamburg, wo er ebenso wie in Halle, SchülerInnen aus Dornburg als DozentInnen unterbringt.

Sehenswerter Überblick

Die großzügig gestaltete Ausstellung umfasst das ganze Erdgeschoss des Hauses. Sie zeigt Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen, Keramiken, Metallarbeiten und Möbel von verschiedener Hand aus dieser Zeit. Aus den Dornburger Skizzenbüchern, die mein persönlicher Favorit aus dem Werk von Marcks sind, finden sich einige Exponate. Es fällt auch auf, dass Marcks stets figurativ arbeitet, während andere am bauhaus, wie etwa Kandinsky, Moholy-Nagy, aber auch Klee längst abstrakt arbeiten. Als das bauhaus 1925 in Dessau an seinem zweiten Standort eröffnet wird, gibt es keine Keramikwerkstatt mehr. In einer beeindruckenden Medienstation werden in der Bremer Ausstellung die vielen Fäden des ideellen und materiellen Netzwerkes von Marcks visualisiert. Dieses ist ein Ergebnis des Forschungsprojektes „Bewegte Netze, Bauhausangehörige und ihre Beziehungs-Netzwerke in den 1930er und 1940er Jahren“ (mehr).

Mit der Ausstellung gibt das Marcks-Haus einen sehenswerten und grundlegenden Überblick über das Werk seines  Namensgebers und die darum entstandenen persönlichen Beziehungen.

Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und seine Freunde, Gerhard Marcks Haus Bremen, Am Wall 208, noch bis 4. März 2018

[Katalog] Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis, 288 S., ISBN 978-3-7443-0305-7

Text: Bernd Hüttner