#Achtsamkeit: WOLF Männermagazin als sanftes Lämmlein

Achtsamkeit auch für Männer: WOLF, das Schwestermagazin der FLOW, seit Dezember neu am Kiosk. Cover: wolf-mag.de

WOLF heißt das Pendent zum bereits etablierten FLOW, dem Achtsamkeit-Magazin für Frauen. Bernd hat es sich mal angeguckt und hält es (vorerst) für ein sanftes Lämmlein.

Der Aufstieg des Islamismus und der der AfD und zuletzt die Wahl von Donald Trump haben die Diskussion um die ganz normalen Männer befördert. Standen bisher die neuen Väter oder die Generation Y im Scheinwerfer der Medien, geraten nun die sich abgehängt fühlenden Männer in den Blick. WOLF hingegen spricht die Männer zwischen 25 und 45 an, die anscheinend „always on“, weil am Arbeiten und Netzwerken, sind und an der Entgrenzung von Arbeit und Freizeit leiden: Spannender Beruf, tolle Kinder, Super-Sex, viele Freundschaften, gesunde Ernährung, attraktiver Körper, aufregende Hobbies, einen großen Freundeskreis. Und das alles gleichzeitig. WOLF richtet sich an den vermeintlich genderfreundlichen Typ Mann, der versucht, sich auf allen Feldern zwischen Kind und Karriere durch-zu-optimieren, eben mit Hilfe der Achtsamkeit.

WOLF: Achtsamkeit für Männer

Hei, endlich können nun auch Männer an dem scheitern, an dem schon die Frauen gescheitert sind. Der moderne, urbane Mann von heute soll sich also jetzt auch mit sinnstiftenden Freizeit-Aktivitäten entspannen. Die WOLF versteht darunter: DIY-Burger-Rezepte, Tipps zum Thema „Ausmisten“, ein Artikel über bärtige Hipster, die Vinylplatten kaufen oder, na klar, einen Garten, in dem „immer ein Feuer brennt“ ihr Eigen nennen. Natürlich gehört auch ein persönlicher Bericht von einem Achtsamkeits-Seminar dazu. Gewürzt wird das Ganze mit einem guten Artikel über das 1919 gegründete Bauhaus, einem Set mit Autosammelkarten oder anderen, eher nostalgischen Texten.

Kaufempfehlung zur Entspannung

In der Zeitschrift habe ich leider keinen einzigen neuen, oder originellen Gedanken gefunden. Die meisten „Entspannungstipps“ für einen achtsameren Männer-Alltag waren letzten Endes eine Kaufempfehlung. Zumindest dürfte der Kauf von Vinyl-Platten oder das Besorgen der „richtigen Burger-Zutaten“ nicht automatisch entspannter machen. Schlussendlich geht es um die Fortsetzung des durch Konsum vermittelten Zwangs zur Selbstverwirklichung und Individualität auf einem neuen Level. Besser ist da die Idee, weiterhin z.B. einfach mehr Chinakohl zu essen, mehr zu Fuß oder „spazieren“ (!) zu gehen, in einem Chor zu singen oder weiterhin keine MP3s zu benutzen. Aber das kostet ja nahezu nichts und daraus lässt sich kein hippes Magazin machen, das schlussendlich auch von Anzeigen lebt.

Das Heft ist Ausdruck der Krise einer Form von Männlichkeit und deswegen interessant. Es zeigt, wie ausgebrannt und kaputt sich viele dieser Männer fühlen, und wie einsam sie schlussendlich in ihren wie Karriereleitern aussehenden Hamsterrädern sind.

In der inhaltlichen Umsetzung ist das Heft leider ein sanftes Lämmlein, kein mitreißender Wolf. Falls Heft 2 noch erscheinen sollte, werde ich es aber kaufen.

WOLF, ein Männermagazin zu Achtsamkeit der Verlagsgruppe Deutsche Medien-Manufaktur (DMM).

WOLF. Das Männermagazin fürs Wesentliche; Heft 1 (Dezember 2016), Verlag Gruner und Jahr, 138 Seiten, 8,50 EUR, www.wolf-mag.de

 

Text: Bernd Hüttner (Danke für comments an Janina Weinhold!)