#Halloween: Von Totenkult und Konsumterror

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Halloween für Hartgesottene: Mit Friedhof, Vampiren und viel Grusel. Foto: © Bernd Kasper / pixelio.de

Von „lustig und harmlos“, über „Augenzwinkern im Umgang mit dem Tod“ bis zu „geht gar nicht“ – auch in der GLUCKE Redaktion sind wir uns nicht einig, ob Halloween nun eine Bereicherung mit künstlerisch geschnitzten Kürbisse ist oder einfach nur als kritischer Kommerz abgetan werden muss. Kerstin und Conny haben sich über die moderne Variante des Allerheiligen mit „Süßes oder Saures“ ihre Gedanken gemacht. Und wie haltet ihr es mit Halloween?

Kerstin: Happy Halloween!

Ich mag Halloween.
Seit ich Tim Burtons „The Nightmare Before Christmas“ sah, habe ich ein Herz für Jack und das Fest am Abend vor Allerheiligen – davor hatte ich ehrlich gesagt noch keinen Bezug zu diesem Brauch. Vermutlich war 1993, als der Film in die Kinos kam, die Welle auch noch nicht über den großen Teich geschwappt. Wobei ich einschieben möchte, dass Halloween in der Form, wie wir es heute in Deutschland kennen, zwar aus den USA stammt, seinen eigentlichen Ursprung aber in Europa hat. Irische Einwanderer etablierten ihre Brauchtümer rund um den „All Hallows’ Eve“ in ihrer neuen Heimat und bauten diese dort aus.

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Kürbis schnitzen gehört zu Halloween dazu! Foto: © Heike Mühldorfer

Spannend: Totenschädel aus Zucker in Mexiko

Vielleicht ist das „amerikanische Halloween“ zudem auch von dem mexikanischen „Día de los Muertos“ (Tag der Toten) beeinflusst, einer der wichtigsten mexikanischen Feiertage, der nicht in stiller Trauer begangen wird, sonder einem bunten Volksfest gleicht. Statt roter Liebesäpfel gibt es dort Totenschädel aus Zucker oder Schokolade. Tja, andere Länder, andere Sitten.
Ich finde das spannend und bereichernd.

Der Tod gehört nun mal zum Leben. Es ist klasse, wenn unser Ableben nicht tabuisiert wird und Kinder lernen ganz offen damit umzugehen. Sich gruselig zu verkleiden nimmt ihnen vielleicht die Angst vor dem schweren Thema. Und ein kleiner Schabernack, wie Rasierschaum unter der Klinke, beim Haustür-Spiel „Trick or Treat“ belustigt mich – wobei ich den Kids auch gerne etwas Süßes gebe. Natürlich kann ich über böswillige Gemeinheiten und Vandalismus, von denen man immer wieder hört, auch nicht lachen. Aber das hat dann mit dem ursprünglichen Sinn des Festes nichts mehr zu tun und sollte nicht in einen Topf geschmissen werden.

Halloween statt Allerheiligen

Auch die Verkommerzialisierung sämtlicher unserer Feste und Bräuche sollte nicht dazu führen, dass wir unsere Feiertage weniger schätzen. Es liegt allein in unserer Hand wie wir Weihnachten, Muttertag und auch Halloween begehen.

Mein Fazit: Ich konnte als Kind mit dem bei uns zelebrierten Allerheiligen nichts anfangen. Wieso sollte ich in Stille irgendwelcher Heiligen gedenken?
Für mich, die ich immer Hummeln im Hintern hatte, wäre Halloween ein willkommenes Fest gewesen.

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Herbstdeko mit Kürbis … geht natürlich auch ohne Vampirgesicht. Foto: © Lilly Dippold / pixelio.de

Conny: Halloween- NEIN Danke!

Ich mag den Herbst!
Ich mag das bunte Laub und den Nebel morgens beim Aufwachen!
Ich mag Zierkürbisse und auch eine dezente Herbstdeko mit Früchten, Kastanien und anderen Kleinigkeiten  darf es sein!
Ich mag Fotos von Fliegenpilzen und Herbstlandschaften, auch wenn es manchmal zu viel sein kann!

Bitte kein Fasching im Herbst

Was ich aber nicht mag sind verkleidete Kinder und Erwachsene, die mir weismachen wollen, wie toll es ist gruselig auszusehen, nur weil es die Werbung verspricht und vormacht. Was ich nicht mag ist dieses Gedöns und Getue mit Halloween. Wir haben keinen Fasching im Herbst!
Warum müssen Kinder  mit ihren Eltern durch die Gegend laufen und an Haustüren klingeln und um Süßigkeiten betteln?
Ja, und wenn es ganz hart kommt auch erpressen? Nur weil ich keine Süßigkeiten im Haus habe (und auch wenn ich  welche hätte, ich würde sie den Kindern nicht geben), möchte ich keine matschigen Ravioli im Briefkasten haben und auch keinen Rasierschaum am Türgriff. Das alles habe ich erlebt!

Spannender Krimi statt Rasierschaum am Türgriff

Einzig und allein die Wirtschaft profitiert von den Umsätzen. Von Süßigkeiten in Skelettform, Verkleidungen, Deko und Grusel…..das ist für mich Konsumterror! Wenn ich in einen Laden gehe und nur noch von solchem Halloweenzeugs umgeben bin, dann ist das gezwungen und aufgesetzt.

Warum muss man es gleich übertreiben? Warum muss man alles mit machen?
Nein, sollen andere ihre Halloweenbräuche leben, ich genieße lieber die letzten warmen Sonnenstrahlen. Und wenn´s kalt wird, koche ich mir einen heißen Tee oder Kakao, besorge mir leckere Kekse und leg mich gemütlich mit meiner Kuscheldecke aufs  Sofa und lese einen spannenden Krimi. Der ist manchmal auch ganz schön gruselig!

Anmerkung der Redaktion: Und wer jetzt doch Lust auf Kürbis schnitzen bekommt, hier haben wir dazu recherchiert: Halloween: Last minute Kürbis schnitzen

Text: Kerstin Graf, Conny Wischhusen

 

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  1. Pingback: #halloween: Rezepte mit Kürbis. Plus Schnitzvorlage - glucke MAGAZIN

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