#Genuss: Kaffee mit viel Hingabe

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© Segovax / pixelio.de

Espresso, Latte macchiato oder klassischer Brühkaffee – ohne ihr Lieblingsgetränk ist der Tag für viele Deutsche kein guter Tag. Doch noch aromatischer und genusshafter wird er, wenn die Bohnen aus einer der kleinen, traditionell arbeitenden Röstereien kommen. Zum Glück gibt es davon einige auch in Bremen – und ich weiß wo.

Mit viel Zeit zum unvergleichlichen Aroma

Die Rückbesinnung aufs echte Handwerk setzt sich auch beim Kaffee wieder durch. Immer mehr Menschen erkennen, dass für einen wirklich guten, aromatischen Kaffee Herkunft und Qualität des Rohkaffees, aber auch mehr Zeit und vor allem weniger Temperatur bei der Herstellung Bedingung sind. Christian Ritschel von Lloyd Caffee, einer der traditionell arbeitenden Röstereien Bremens, weiß auch warum: „Wir rösten schonend und mit viel Zeit. Bei etwa 200 Grad werden störende Säuren abgebaut und es entwickelt sich die volle Aromenvielfalt.“

Bis zu 1.000 Aromen machen den besonderen Geschmack guten Kaffees aus. Eine Duft- und Geschmacksprobe davon bekommt, wer an einem Kaffeeseminar im kleinen Café der Rösterei am Holzhafen teilnimmt. Zwei Mal in der Woche wirft Ritschel live den Trommelröster an und erzählt viele Details aus der Welt des Kaffees.

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Röstmeister Christian Ritschel wartet auf den richtigen Zeitpunkt, um die Röstphase zu beenden. © Lloyd Caffee

Kaffeestadt Bremen mit Tradition

Es geht um Anbau und um die Haupt-Kaffeesorten Arabica und Robusta, man erfährt wie die Kaffeebohnen nach Deutschland kommen und warum Bremen die „Kaffeehauptstadt“ Deutschlands ist: 1673 hat der Niederländer Jan Jahns von Huisten  im heutigen Schütting das erste öffentliche Kaffeehaus eröffnet. Es war die Zeit, als Kaffee als Kostbarkeit nur für Reiche erschwinglich war. Danach gab es ein stetiges Auf und Ab durch die Epochen mit zuhause selbst geröstetem Kaffee und ersten professionellen Röstereien, bis zur Blütezeit in den 1920ern mit 250 Röstereien in Bremen.

Dem Niedergang nach dem Zweiten Weltkrieg folgte der Aufschwung in den Häfen bis heute, wo wieder jede zweite importierte Kaffeebohne in Bremen angelandet wird. Doch die Vielzahl der Röstereien ist Vergangenheit, ein Großteil des Rohkaffees wird  von den großen Industrieröstereien verarbeitet – zumeist  im Turbo-Verfahren innerhalb von maximal zwei Minuten bei 500 Grad. Kein Wunder, dass hier das Aroma zu kurz kommt.

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Aus unscheinbarem blassgrünen Rohkaffeebohnen wird durchs Rösten glänzender, sattbrauner Kaffee. © Lloyd Caffee

Besser als Starbucks und Konsorten

In Bremen wurde aber auch der entkoffeinierte Kaffee erfunden – vom Kaffeehändler und Kunstmäzenn Ludwig Roselius. In seiner heute denkmalgeschützten Kaffee Hag-Fabrik findet sich auch der berühmte MarmorsaalUnd hier, direkt im Holz- und Getreidehafen firmiert auch Lloyd Caffee mit einem kleinen Café und Ladengeschäft im pittoresken und wild-romantischen Hafenambiente. Auch ganz ohne Kaffeeseminar bietet sich ein Trip hierher nach Feierabend oder am Wochenende an. Auf der großen Holzterrasse schmecken Espresso und Co. besonders gut (und sicherlich besser als jede Starbucks-Kreation).

Aber auch in der Innenstadt gibt es Möglichkeiten, traditionell gerösteten Kaffee frisch aufgebrüht zu genießen: Die Kaffeebars von Büchlers Bester Bohne am Ende der Böttcherstraße und bei Contigo, direkt am Hanseatenhof. Hier kommt auch der klassische Brühkaffee wieder zu Ehren. Als eine der durchschnittlich 165 Tassen Kaffee, die jede/r Deutsche trinkt.

Bremer Traditionsröstereien und junge Überzeugungstäter

Lloyd Caffee vertreibt sortenreine Kaffees,  Mischungen und Espressi sowie umfangreiches Zubehör online und in Ladengeschäften im Holzhafen (mit Café) und in Vegesack. www.lloyd-caffee.de

Die zweite Privatrösterei mit langer Geschichte und die letzte in Familienbesitz ist Münchhausen Kaffee, die seit nunmehr 80 Jahren hochwertige Kaffees im Versand verkauft, heute über einen Online-Shop. Die Marke ist mit ihrer großen Auswahl auch besonderer Sorten im Bremer Feinkosthandel vertreten, Kaffeeverkostungen sind möglich. Mehr Info auf www.muenchhausen-kaffee.de

Seit 1951 verkauft die Rösterei Hemken am Rande des Steintorviertels Kaffeesorten von hoher Qualität anzubieten. Geröstet wird direkt im Laden ganz in der Tradition der vielen, heute nicht mehr existierenden, kleinen Kaffeeröster in Bremen. Vertrieb auch per Online-Shop. www.kaffee-tee-hemken.de

Cross Coffee ist wohl die jüngste Rösterei in Bremen, deren Konzept auf wechselnde Rohkaffees von Kaffeebauern setzt, die nach Direktimport aus den Herkunftsregionen in Bremen verarbeitet werden. Es gibt einige Verkaufsstellen in Bremen, einen Online-Vertrieb sowie Fabrikverkauf. www.crosscoffee.de. Die GLUCKE hat schon über die Jungunternehmer berichtet. Slowfood: Ein Hoch auf die Bohne

Auch Contigo führt mit seiner Kaffeerösterei und seiner Kaffeebar die Tradition der Kaffeestadt Bremen fort und bietet fair gehandelte Kaffees im Laden direkt am Hanseatenhof. www.bremen.contigo.de

In Lilienthal legt sich de Koffiemann für traditionell gerösteten Kaffee ins Zeug. Ein junges Unternehmen, das seine Kaffeespezialitäten und Lagenkaffees im Online-Shop anbietet. www.de-koffiemann.de

Text: Heike Mühldorfer

5 Kommentare

  1. Danke, Heike! Als Coffein-Junkie freue ich mich über mein neues Wissen zur heimlichen Kaffee-Hauptstadt Bremen und habe Lust bekommen mehr kleine, feine Bremer Kaffeesorten zu testen. Mit einem Kaffee wäre ich jetzt fast restlos glücklich!

    • Heike Mühldorfer sagt

      Freut mich, Janina! Wie wär´s mit einer kleinen Probetour durch all die Kaffeebars und Cafés in Bremen?

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