#diekreative: Irene Maria Borgardt und ihre Glasmanufaktur in Bremen

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Ein kleiner Klettermax mit Rucksack, zwei Busenfreundinnen im Vintage-Badeanzug oder eine kleine Nixe, daneben fragile Kugeln mit farbigem Innenleben, lustige, fein gearbeitete Eierbecher auf Hühnerbeinen oder  außergewöhnliche Halsketten – jedes Stück ist ein kleines Kunstwerk, jedes detailgetreu und meisterlich gearbeitet aus einem anspruchsvollen Werkstoff – aus Glas. Irene Maria Borgardt ist Glasbläserin und erstellt all diese filigranen Unikate und natürlich auch Wein- und andere Trinkgläser in ihrer Glasmanufaktur in der Bremer Neustadt. So gelingt es ihr tatsächlich, Gebrauchsgegenständen eine ästhetische Ebene zu geben und Glaskunst ins praktische Leben zu heben. Gerade feiert sie den 20. Geburtstag ihres kleinen Unternehmens, mit dem sie sich in Bremen und umzu und auch auf vielen Kunsthandwerker-Märkten in ganz Deutschland einen Namen gemacht hat.

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Feine, farbige Glasstäbe in der großen, klaren Glaskugel. Ein Objekt, das mit filigranem Charme begeistert. (C) Glasmanufaktur Bremen

20 Jahre Glasmanufaktur Borgardt

Angefangen hat alles mit einem kleinen Geschäft im Schnoor, das Irene Maria Borgardt 1994 übernimmt. Die gelernte Glasapparatebauerin, die nach der Lehre technische Gläser für Forschungsinstitute hergestellt hatte, konnte sich endlich ihrer wahren Leidenschaft widmen, nämlich den künstlerischen Möglichkeiten des harten, und doch so empfindlichen Materials. Schnell  etablierte sich der kleine Laden als beliebtes Ziel von Touristen und Einheimischen. Zur Bekanntheit trug auch bei, dass die Glasbläserin prompt auf dem Bremer Weihnachtsmarkt verkaufen kann, auch bekannte Galerien in Worpswede holen sich seither die einzigartigen Werkstücke in ihre Ausstellungen. 1999 erfolgte dann der Umzug in die Bremer Neustadt, um die Anforderungen von Beruf und Familie – Sohn Luis wurde 1996 geboren – besser zu bewältigen.

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Die riesigen Absauganlagen sorgen für gute Luft in der Glasmanufaktur im Buntentorsteinweg. (C) Glasmanufaktur Borgardt

Seit 2002 zeigt die Glasbläserin ihre Kunstwerke auch in Galerien, öffentlichen Räumen und Ausstellungen. Gerade hat Irene Maria Borgardt gemeinsam mit Künsterkollegin Astrid Schlamann (astridschlamann.de) zum zweiten Mal den Frauenkunstmarkt LaWeser auf die Beine gestellt mit den Werken von 17 Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen. Zu sehen waren Gemälde, Skulpturen in Stein und Holz, Goldschmiedearbeiten, textile Schätzen, Holz und Keramik und natürlich auch ihre Glaskunst. „Es war eine tolle Veranstaltung, bei der die Mischung von Kunst mit Kunsthandwerk auf hohem Niveau die Luft zum Knistern brachte“, zieht Borgardt begeistert ihr Resumee.

20 Jahre, 20 Wegbegleiter

So inspirierend soll es jetzt auch werden, wenn in ihren Verkaufsräumen im Buntentorsteinweg 20 Menschen, die sie auf ihrem Lebens- und Berufsweg begleitet haben und ebenfalls künstlerisch tätig sind, besondere Stücke in alten Weinkisten präsentieren. Da ist die Chefin Helga Wohlgemuth, in deren Glasmanufaktur in der Böttcherstraße Borgardt ihre ersten Kugeln fertigte. Die heute 76-Jährige steuert kleine Eulen und Bären aus Glas sowie einige Karaffen und Flacons ihres verstorbenen Mannes bei. Oder Ronald Vetter, ehemaliger Mitschüler und Teil ihrer Fahrgemeinschaft zur Berufsschule. Er ist noch immer im technischen Bereich tätig und lebt seine Liebe zur kunstvollen Metamorphose des transpartenten Materials bei der Herstellung extra großer Murmeln mit besonderem Innenleben aus – zum Beispiel einem Saphir. Noch aus Schnoorzeiten kennt Borgardt die Bremer Goldschmiedin Maike Eisenhauer, die zur Ausstellung ihre wunderschönen Insekten aus Naturmaterialien und Feinsilber mitbringt. Dann gibt es u.a. noch wunderbare Schneiderkunst, Gemälde, Schmuck, Keramik und Drucke und vieles mehr zu sehen – und zu kaufen.

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Busenfreundinnen in der Weinkiste – wunderbar weiblich im Retro-Badeanzug. (C) Glasmanufaktur Borgardt

Kunstvoll gefertigte Glas-Skulpturen

Und natürlich gibt die Ausstellung auch Gelegenheit die transparenten Schönheiten in Glas ausgiebig zu bewundern. Besonders gerne lässt sich Irene Maria Borgardt auf die Produktion der so lebendig wirkenden Figurinen ein. Dabei macht ihr gerade das Erkennen und Formen der Körper Spaß. „Ich sehe gleich beim Zusammenschieben der heißen Glasmasse, was es wird“, so Borgardt. Die zart wirkenden Skulpturen sind aus dem harten Borosilikatglas, das bei 1.700 ° verarbeitet wird. Auch für das zweite, etwas jüngere Steckenpferd der Glaskünstlerin wird es eingesetzt: Schmuck. Es sind die ausgefalleneren Modelle, die Irene Maria Borgardt hier am liebsten realisiert, z.b. in Kombination mit Metall oder gestricktem Nylongarn. Auch hiervon wird das ein oder andere Stück zu sehen sein. Die fragilen Kugeln, kleine Blumen und Vasen dagegen sind aus Natron-Kalkglas, das zwar weniger heiß verarbeitet wird, aber auch besonders empfindlich z.B. auf Zugluft reagiert. Und dann gibt es noch die originellen Stücke aus Recyclingglas – Lampen oder Glasobjekte in Grün.

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Aus Glasröhren, Glasstäben und farbigem Glas entsteht so manches Kunstwerk. (C) Glasmanufaktur Borgardt

Und wer jetzt glaubt, dass Gläser nur Alltagsgegenstände sind, wird spätestens beim Bewundern der kleinen schiefen Schnapsgläser und der wunderschönen  Wasser-, Wein- und Schnapsgläser eines besseren belehrt. Denn das sind genaugesehen Kunstwerke. Auch die farbigen Stiele arbeitet Irene Maria Borgardt mit künstlerischem Anspruch: Keines ist wie das andere, selbst wenn mehrere auf Bestellung und mit vorgegebener Farbgebung produziert werden, bleibt jedes für sich einzigartig. Faszinierend und beeindruckend, was die sympathische Glaskünstlerin aus Glasröhren und -stäben und etwas farbigem Glas erschafft. Und gut zu wissen, dass diese Gläser keine reinen Kunstobjekte sind, sondern auch den Alltag gut überstehen inklusive der  Reinigung in der Spülmaschine.

„20 Jahre, 20 Menschen, 20 Kisten“ – die Ausstellung beginnt am Samstag 25. Oktober und endet am 31. Januar 2015. Vernissage ab 18.00 Uhr in der Glasmanufaktur Borgardt, Buntentorsteinweg 252. Straßenbahnhaltestelle Werdersee (Linie 4).

Weitere Infos und einen Online-Shop gibt es auf www.glasmanufaktur.de

Öffnungszeiten :
Di. von 10 bis 14 Uhr, Mi. u. Do. von 10 bis 18 Uhr

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Keines ist wie das andere: Gläsersortiment mit farbigem Stiel. Handgefertigt. (C) Glasmanufaktur Borgardt

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Glasbläserin am Werk: Irene Maria Borgardt an ihrem Arbeitsplatz. (C) Glasmanufaktur Borgardt

Text: Heike Mühldorfer Fotos: Glasmanufaktur Borgardt

Wir freuen uns sehr, die Glasmanufaktur im Rahmen einer Medienkooperation unterstützen zu können!

 

4 Kommentare

    • Liebe Kerstin, vielen dank für die guten Wünsche, jetzt bin ich ja schon ein wenig aufgeregt !!
      Ich hoffe, es geht alles gut über die Bühne ! Grüße Irene

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