#inklusion: Kulturprojekt Bunte Tore – wie geht´s weiter?

Sei kein Frosch! Inklusives Tanzprojekt mit der Tobias-Schule Bremen und tanzbar.

Mit der beeindruckenden Premiere zweier Tanzstücke vor einem übervollen Haus, wunderbarer Stimmung voller Bewegung, Spielfreude und viel Energie begannen die Abschlusstage für das inklusive Kulturprojekt „Bunte Tore“. Am Dienstagabend (vor dem epochalen Deutschlandspiel gegen Brasilien) tanzten und spielten SchülerInnen des Schulzentrums Neustadt sowie der Tobias-Schule Bremen in der Schwankhalle. Angelehnt an das Thema Märchen begeisterten die jungen Erwachsenen in „Sei kein Frosch!“ und „ZauberHaft und LiebesDornen“, ihren zusammen mit Corinna Mindt und Neele Buchholz von der tanzbar_bremen entwickelten Tanzstücke. Für mich nicht nur ein beeindruckendes Erlebnis voller Begeisterung, Talent und starkem Ausdruck, sondern auch der Beleg dafür, dass Menschen mit Beeinträchtigung auch im Kulturbereich eine berufliche Perspektive finden können und sollten.

Vielfältigere Berufswelt für Menschen mit Behinderung eröffnen

Was will ich werden und wie finde ich mein Lebensglück? Vor der Frage stehen alle Menschen, bei beeinträchtigten Jugendlichen gibt es aber nur wenig berufliche Möglichkeiten in den „klassischen“ Bereichen der Hauswirtschaft und Werkstätten. Eine Ausnahme in Bremen ist Neele Buchholz. Die junge Bremerin hat das Down Syndrom und ist als fest angestellte Tänzerin in Produktionen, aber auch als Anleitende in Workshops tätig. Und eben auch beim „Bunte Tore“-Projekt. Durch die Kooperation mit den Schulen konnten dadurch tatsächlich beeinträchtigten und nicht beeinträchtigten SchülerInnen, Lehrerinnen und TanzpädagogInnen Möglichkeiten geschaffen werden, damit sie gemeinsam arbeiten, gestalten und vermitteln können. So erhielten etwa 20 Junge Menschen mit Beeinträchtigung Einblick in verschiedene Berufsbilder beim (Tanz-)Theater und erlebten mit Neele Buchholz ein Vorbild in Aktion.

ZauberHaft und LiebesDornen –SchülerInnen der Werkstufe am Schulzentrum Neustadt interpretieren Märchen im Kooperationsprojekt Bunte Tore.

Unbedingt weitermachen!

Im Rahmen von „Bunte Tore“ enstand auch ein Dokumentarfilm über vier SchülerInnnen, die Lars Mindt seit Beginn der Kooperationsphasen mit der tanzbar_bremen begleitete. Auch darin ist gut zu sehen, wie positiv sich das Projekt auswirkt. Die Jugendlichen konnten die geforderten Skills für die Teilhabe am Berufsleben deutlich weiterentwickeln. Auch bei der Tanzaufführung zeigten die Tänzerinnen und Tänzer starke Präsenz und viel Können und Selbstbewusstsein. Im Rahmen der Abschlusstage zum Projekt „Bunte Tore“ wurde genau darüber viel diskutiert. Ob nach der Premiere, nach dem Doku-Film oder auch in einer Schulveranstaltung zusammen mit Menschen, die über die Zukunft Behinderter entscheiden. Wie hat sich das Projekt ausgewirkt? Welchen Nutzen können unterschiedliche Kompetenzen für die Umsetzung von Inklusion in der Schule und Ausbildung haben? Einig sind sich die Fachleute aus den beteiligten Ressorts der Bremer Behörden und Förderinstitutionen darin, dass die Kooperationen weitergehen sollen. Eine Finanzierung ist aber noch nicht geklärt. Auch noch nicht für das neue Modellprojekt der tanzbar_bremen, das unter dem Namen „Kompetanz“ Fortbildungen für Lehrer anbieten möchte und dabei das umsetzen will, was ein inklusives Berufsleben ausmacht: Die selbstverständliche, gemeinsame Arbeit von Menschen mit und ohne Behinderung in möglichst vielen Bereichen. Dass es auch oder gerade beim Tanztheater und hinter den Kulissen gelingen kann, belegten die „Bunten Tore“ allemal.

Mehr Infos und schöne Fotos

Heute Abend feiert sich das Projekt mit einem Abschlussfest im Martinsclub Bremen ab 19.00Uhr. Dort wird auch die Broschüre „Bunte Tore: Tanz!“ mit Tipps und Übungen zu inklusivem Tanz präsentiert. Weitere Infos gibt es auf tanzbarbremen.de. Und wer mehr über Neele Buchholz erfahren möchte, kann das auf www.neelebuchholz.de. Und auch die GLUCKE hat schon über Neele und Corinna berichtet: Tanztheaterfestival: Gar nicht eigenArtig

„Sei kein Frosch“: Mitwirkende/TänzerInnen: Svea Brandt, Neele Buchholz, Robin Claassen, Dustin Heuer, Jella Koch, Christina Schneider, Laura Solar, Merle Weiß | künstlerische Konzeption: Neele Buchholz, Corinna Mindt | Choreografie in Zusammenarbeit mit den TänzerInnen: Corinna Mindt |Lehrerin: Annette Dresselhaus (Tobias Schule Bremen) | Licht: Christoph Härtel |Musik: Collage Kronos Quartet, René Aubry, Alexander Balanescu, Pascal Comelade, Rachel Portman und andere.

„ZauberHaft und LiebesDornen“: Mitwirkende/TänzerInnen: Ahmed Gando, Trudi Richardson, Isabel Hellmers- Lopez, Mohamed Miri, Eva- Kathrin Obst, Lisa Janik, Palmira Dalgic, Philip Saathof, Alexandra Kurtz, Pascal Rüden, Franziska Eisermann, Jennifer Spewak, Anke Kruppa, Mehtab Caparlar, Neele Buchholz | künstlerische Konzeption: Neele Buchholz, Corinna Mindt | Choreografie in Zusammenarbeit mit den TänzerInnen: Corinna Mindt | Lehrerinnen/ Pädagogische Mitarbeiterinnen: Karin Kreuser, Anna Hilbig , Christina Lange, Anni Thüricke (Werkstufe des Schulzentrum Neustadt) | Licht: Christoph Härtel |Musik: Collage Kronos Quartet, René Aubry, Alexander Balanescu, Pascal Comelade, Rachel Portman und andere.

Und hier sind noch beeindruckende Fotos von der Premiere. Alle Fotos © Daniela Buchholz / danielabuchholz.de

Text: Heike Mühldorfer

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