#tagdesmeeres: Was Bremen mit dem Great Barrier Riff zu tun hat

Olive ridley sea turtle, Ostional, Costa Rica

Sechs der sieben vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröten sind auf den Lebensraum im Great Barrier Reef angewiesen. Foto: © WWF

Seit 2009 feiert Europa den Tag des Meeres, dieses Jahr am 18. Mai in Bremen mit einem großen Fest entlang der Schlachte: Auf 1,5 Kilometern von Martinianleger bis Weser Tower reihen sich Attraktionen in fünf maritimen Zonen und mit drei Bühnen für Musik und Theater, es gibt Geschichtenerzähler, Artisten, Spielstationen, eine Forscher- und Entdecker-Rallye, Papierschiffbastelaktionen, eine Einführung in die Kunst des Knotenmachens oder sogar Schnuppersegeln für Klein und Groß – alles ganz maritim! Neben all der heiteren Unterhaltung – hier geht´s zum Programm – gibt es aber auch unangenehme Fakten über die Bedrohung der Meere. Dazu gehören Infos zur Überfischung, über Quadratkilometer große Plastikteppiche, Meeresverschmutzung durch Ölunfälle oder durch Klimawande bedingte Meereserwärmung. Und ganz aktuell zur Bedrohung des bedeutendsten Riffes der Erde: das Great Barrier Reef vor der australischen Ostküste. Mit involviert – die Deutsche Bank.

Mega-Kohlehafen am Weltnaturerbe Great Barrier Reef?

Das etwa 350.000 Quadratkilometer große Great Barrier Reef gehört zu den faszinierendsten Ökosystemen der Erde und ist aus gutem Grund Weltnaturerbe der UNESCO. Es setzt sich aus 2.900 Einzelriffen und mehr als 900 Inseln zusammen. Sie sind die Heimat von über 400 Korallen- sowie mehr als 30 Wal- und Delfinarten, 240 Vogelarten und 1.500 Fischarten. Sechs von sieben bedrohten Meeresschildkrötenarten leben hier. Doch seit 1987  hat sich die Korallenbedeckung des Riffs bereits um 50 Prozent verringert. Grund dafür sind unter anderem Meeresverschmutzung und der Klimawandel. Und aktuell wird dieses einzigartige und sensible Ökosystem durch ein gigantisches Hafenprojekt bedroht: Sechs Häfen sollen ausgebaut werden oder neu entstehen, außerdem eine neue Kohlemine erschlossen und eine Bahnstrecke zwischen Mine und Hafen gebaut werden. Entscheidend fürs Megaprojekt ist die Erweiterung des Kohleverladehafens Abbot Point. In seinem derzeitigen Kernbereich greift der Schutz des Great Barrier Reef Marine Parks nicht, doch das weitere Hafengebiet liegt innerhalb des Schutzgebietes.

Und was hat das mit der Deutschen Bank zu tun?

Schon beim Ankauf von Flächen im Hafen durch den indischen Kohlekonzern Adani hat die Deutsche Bank bei der Finanzierung geholfen und bis zu einer halben Milliarde US-Dollar organisiert. Jetzt wollen die Aktivisten von campact.de und WWF verhindern, dass die Deutsche Bank auch in der zweiten Projektphase, dem eigentlichen Ausbau, Adani bei der Aufnahme von weiteren 8 bis 10 Milliarden US-Dollar hilft. Wie Campact mitteilt, hat die Bank ein mögliches Engagement bis jetzt nicht ausgeschlossen und würde nur von unverbindlichen „Richtlinien“ schreiben, die ein weiteres Engagement in dem Projekt möglicherweise ausschließen würden. Die Campaigner hoffen jetzt auf die imageschädigende Wirkung eines solchen Engagements und fordert deshalb auf, einen Appell an Deutsche Bank-Chefs Fitschen und Jain zu richten. Fast 170.000 Menschen haben sich schon beteiligt, ich habe auch gerade die Online-Aktion mitgezeichnet.

Foto © JÜrgen Freund / WWF Canon

Foto © JÜrgen Freund / WWF Canon

Ökologisch fatal, ökonomisch unsinnig

Übrigens: Langfristig sollen über Abbot Point 120 Millionen Tonnen Kohle jährlich, weit mehr als das Doppelte der heutigen Menge verschifft werden, damit wäre Abbot Point einer der größten Kohlehäfen der Welt mit einer erwarteten Zahl von mehr als 7.000 Schiffen pro Jahr bis 2020. Und das mitten in einem der weltweit schutzbedürftigsten und wertvollsten Region. Neben den direkten ökologischen Risiken entsteht eine klimaschädliche Kohle-Infrastruktur, die auf mindestens 100 Jahre angelegt ist. Wird der Hafen erst einmal in Betrieb genommen, wird auch die Kohle, die in der australischen Erde lagert, gewonnen und verbrannt – und der Klimawandel forciert. Unter Investmentbankern gilt laut Campact eine Investition in dieses Projekt als hochriskant. Der weltgrößte Fonds-Manager – die BlackRock Inc., größter Anteilseigner der Deutschen Bank, – hat davon abgeraten, in das Projekt einzusteigen. Die Rating-Agentur Moody’s hat für die Unternehmensanleihe zur Finanzierung von Abbot Point das Rating „Baa3“ vergeben – eine Note nur knapp über dem berüchtigten „Ramsch-Niveau“.

Weitere Infos und ein Video über den geplanten Hafen gibt es bei campact.de und beim WWF.

Und hier ist der Plan fürs Bürgerfest heute an der Schlachte:

Schlachteplan_mit_Pendelverkehr_ohne_Rahmen_CityInitiative