bremerKultur: Girls can tell – Feminismus in der Kunst

Die Bundestagswahl 2013 wurde von den Frauen entschieden, mit 44 Prozent der WählerInnenstimmen trugen sie zum fulminanten Wahlsieg der Union bei, quer durch alle Generationen. Und das, obwohl eine Umfrage der aktuellen Politik gerade bescheinigte, dass sie die Interessen der Frauen nur unzureichend berücksichtigt*. Obwohl mehr als jede Zweite sagt, dass die Gleichberechtigung nicht wirklich voranschreitet, vor allem wenn es um Lohngerechtigkeit, Karrierechancen und Kindererziehung geht. In einer Zeit, in der sich die Frauen demnach wieder vermehrt selbst organisieren, um ihre Lebenssituation zu verbessern. Das bietet somit, so meint dieGlucke, einen ziemlich guten Zeitpunkt, den Blick mal wieder auf die Fragestellungen des Feminismus zu richten. Ganz ohne Theorie, umgesetzt in zeitgenössischer Kunst, quer durch Malerei, Fotografie, Zeichnung, Installation, Readymade, Film und Skulptur. Bremens Gesellschaft für aktuelle Kunst GAK hat sich des Themas angenommen und zeigt Girls can tell. Und was können die Mädels uns denn erzählen? Und wie tun sie es? Zu sehen sind Arbeiten einer Generation von nach 1970 geborenen KünstlerInnen, die exemplarisch für einen veränderten Umgang mit feministischen Themensetzungen in der Kunst stehen. Dabei ist die Darstellung eher subtil, äußert sich in der Verwendung von Materialien und Techniken und nutzt eine Eleganz der Formen und Leichtigkeit der Ästhetik.

Frauenbild und Frauenrolle

Die GAK verrät schon im Vorfeld einiges über die ausgestellten Werke: „Juliette Blightman (lässt) ein rosafarbenes Kleidchen mit verspielter Blumenborte eine lächelnde Fratze schneiden und Probleme der weiblichen Adoleszenz wie auch Gewalt gegen Frauen dahinter aufscheinen. Shannon Bool pendelt zwischen den Kontexten von Kunstgeschichte und Alltagskultur und legt dabei Verschiebungen gesellschaftlicher Frauenbilder offen. Kajsa Dahlberg führt ein Interview mit einer feministischen Aktivistin und setzt deren Verneinung klassischer Zuordnungen formal in sich entziehenden Bildern um. Nina Hoffmann und Jeremy Shaw stellen die Frage nach der Gültigkeit herkömmlichen Geschlechterzuschreibungen. Maria Loboda baut eine verführerisch formschöne Bombe und verknüpft sie über den Titel mit Vorstellungen von modernen, selbstbewussten und gebildeten Frauen. Verena Issel zeichnet in metaphorischen Bildern die Geschichte reisender Frauen oder die Schwierigkeiten weiblicher Berufskarrieren nach. Anna Ostoya führt die männlich dominierte Rezeption der Kunstgeschichte vor. In seiner Suche nach dem bildnerischen Ausdruck für gesellschaftlich repressive Systeme hält Seb Patane die Gedanken und Gefühle viktorianischer Frauen in einem Netz schwarzer Linien zurück. Und Susanne M. Winterling inszeniert ein psychisches Duell zweier unterschiedlicher Frauenbilder mit offenem Ausgang.“ dieGlucke meint: Ein vielversprechender Parcours, der bis Februar zum Rundgang einlädt! Und dazu gibt es Veranstaltungen und Vorträge immer donnerstags, mehr dazu auf der Homepage der GAK.

Die Ausstellung wird am 27. September um 19.00 Uhr eröffnet und ist bis zum 2.Februar 2014 in der GAK, Teerhof 21, zugänglich.

Fotos: Marlo Pascual / Saatchi Collection, London, UK, Verena Issel, Nina Hoffmann, Maria Loboda / © SCHLEICHER/LANGE, Susanne M. Winterling

*Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach für die Zeitschrift Emma