#stadtmachen: Rückblick auf 8 Jahre Zwischennutzung in Bremen

Pretty in Pink: Das Buch der Zwischenzeitzentrale ZZZ Bremen über die Rolle der Zwischennutzung in der Stadtentwicklung. Cover: © zzz bremen

Der weiter rasant voranschreitende neoliberale Umbau der Städte lässt auch Risse und Nischen entstehen, die gefüllt werden können. Seit 2009 bringt die ZwischenZeitZentrale (ZZZ) in Bremen Raumpotentiale, sprich temporäre oder dauerhafte Leerstände und Raumwünsche durch Zwischennutzung zusammen. In einem ersten Buch hatte sie 2012 über ihre Erfahrungen berichtet. Im neuen, von Silke Nachtigahl außergewöhnlich (mit viel Rosa) gestalteten Buch „Entstehungsorte schaffen – Building Platforms“ (Jovis Verlag), geht es nun um den Zeitraum von 2012 bis 2016.

Zwischennutzung als gezieltes Experiment

Im Buch finden sich neben Texten, die Zwischennutzung beschreiben und (theoretisch) reflektieren, auf einem Drittel des Umfangs fast 60 konkrete Beispiele aus Bremen, vom NOON über Die Komplette Palette  bis zum WurstCase (beide in Hemelingen). Sie zeigen zum einen, dass jede Zwischennutzung einzigartig ist, was die Räume oder aktiven Menschen angeht. Gleichzeitig prallt in nahezu allen Fällen die informelle und improvisierende Logik der GründerInnen und KulturproduzentInnen, die sich in den temporären Räumen dem Widerspruch des gezielten Experimentierens aussetzen, auf die formale Logik der EigentümerInnen und der auf Steuerung und Rechtssicherheit setzenden Verwaltung. Die ZZZ versteht sich als Übersetzerin in beide Richtungen. Primär ist ihr Ziel die Erneuerung der Stadtgesellschaft in und durch kleine urbane Labore. Was die anstehende „Integration“ der Geflüchteten für die Idee der Zwischennutzung bedeutet, – diese Debatte steht erst am Anfang. Sie wird im Buch auch angeschnitten und – nicht weiter überraschend – als Argument für die verstärkte Förderung von Zwischennutzungen diskutiert.

Rosa Wolken symbolisieren: Träume können wahr werden. Foto: aus „Entstehungsorte schaffen“, © jovis Verlag

Das Potential von Zwischennutzungen ist jedenfalls, selbst wenn man die Absicht der Selbstlegitimation der AutorInnen in Rechnung stellt, noch längst nicht ausgeschöpft. Dieses Buch zeigt: Zwischennutzung, welche ursprünglich das Fehlen von Stadtplanung nutzte, wird zusehends zu einem anerkannten und wirksamen Instrument der Stadtplanung und -entwicklung. Aktuell hat die ZZZ eine Finanzierung bis 2020.

Oliver Hasemann, Daniel Schnier, Anne Angenendt, Sarah Oßwald / ZZZ ZwischenZeitZentrale Bremen (Hg.): Building Platforms: Entstehungsorte schaffen, Jovis Verlag, Berlin 2017, 304 Seiten, ca. 100 farb. Abb., Deutsch/Englisch, ISBN 978-3-86859-450-8, 32 EUR

Text: Bernd Hüttner