#PlacesToGo: Marie Weser, eine Stadtteilküche für Huckelriede

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Marie Weser heißt das Familienrestaurant von Luka Lübke im Quartierszentrum Huckelriede.

Marie Weser* – ein poetischer Name, den sich Bremens bekannte Köchin Luka Lübke für die neue Stadtteilküche im nicht gerade angesagten Huckelriede ausgedacht hat. Im neu eröffneten Quartierszentrum des Betreiber-Trios Martinsclub Bremen, SOS-Kinderdorf Bremen und Amt für Soziale Dienste will sie mit „Echtem Essen für alle“ die Menschen aus dem Quartier begeistern.

Marie Weser: Echtes Essen für alle

15 Jahre lang hat Luka Lübke Bremer Gourmets in und um Schwachhausen und an der Schlachte mit ihren Kreationen überrascht, jetzt sorgt sie am östlichsten Ende Bremens, in Huckelriede für kulinarische High-Lights im neuen Familienrestaurant Marie Weser. Dort will sie „echtes Essen“ für die Menschen im Stadtteil anbieten: Es gibt das, was gerade Saison hat, die Zutaten kommen von Bauern und Fleischern aus Butenbremen, die sie kennt und denen sie vertraut, alles wird im kleinen Team selbst gekocht.

Luka Lübke legt im Gespräch eine starke Betonung auf alles und selbst: „Bei mir regiert der Slow-Food-Gedanke. Pudding-Pulver oder Ketchup aus der Flasche gibt es nicht, aus den Schalen und Abschnitten von Gemüse wird Brühe gekocht“ sagt sie. Dennoch soll alles bezahlbar sein, mittags wird es immer mindestens ein Gericht für etwa 4 Euro geben. Wie das geht? „Es gibt keine feste Speisekarte, wir nutzen das, was wächst und Produkte, die auch unsere Urgroßmütter als Lebensmittel erkannt hätten. Außerdem gibt es nur wenig Fleisch, die Zutaten holen wir direkt beim Erzeuger, verarbeitet wird von „nose to tail“, also das komplette Tier und nicht nur das Filet.“

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Die Kita des SOS Kinderdorf Kinder- und Familienzentrums ist schon im August gestartet. Foto: Heike Mühldorfer

Für die Kita und alle Menschen in Huckelriede

Marie Weser kocht auch für die 50 Kinder in SOS-Kinderdorf-Kita und -Kleinkindkrippen, die bereits im August ins QZ gezogen sind. Dabei gibt sie viele ihrer Kenntnisse über Lebensmittel und ihre Herkunft weiter. Lübke will den instinktiven Zugang der Menschen zum Essen stärken, „modern kochen wie früher“ nennt sie das. Die international-bunte Mischung der Nachbarn in Huckelriede wird sich auch auf der Speisekarte spiegeln. Darüberhinaus gibt es ein durchgängiges offenes Angebot für alle: montags bis freitags ab 7.30 Uhr können Kaffee, Frühstück, Snacks, Salate, Suppen und Rohkost im kleinen Bistro genossen oder mit zur Arbeit genommen werden. Mittagessen für alle gibt es zwischen 12.00 und 14.00 Uhr im großen Speisesaal, dann wieder Bistrobetrieb bis 17.30 Uhr. Zu Weihnachten gibt es spezielle kulinarische Angebote auch abends, Näheres dazu auf der Facebook-Seite.

Arbeit und Wohnungen für Behinderte

Im kleinen Team um Lübke werden auch beeinträchtigte Menschen mitarbeiten, denn Marie Weser ist die zweite integrative Küche des Martinsclub Bremen. 40 Prozent der Mitarbeiter werden als schwerbehindert eingestuft sein. Auch das soll dazu beitragen, Inklusion zu leben und den Zusammenhalt im Stadtteil zu stärken. Denn in den Neubau am Niedersachsendamm hat der Martinsclub sieben Wohnungen eingerichtet, in die noch vor Weihnachten die BewohnerInnen des Wohnheims Haus Huckelriede einziehen. Hier können sie in einer WG oder ambulant betreut und eigenständiger als bislang inmitten der Gesellschaft leben. (Daneben bietet die GEWOBA 41 geförderte Mietwohnungen an).

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Marie Weser meets SOS Kinderdorf – ab sofort im Quartierszentrum Huckelriede. Foto: © Heike Mühldorfer

Angebote für junge Familien und Nachbarschaftstreff

Nachbarschaftstreffpunkt, Kita und Krippe, Förderung für Kleinkinder, Unterstützung für junge Mütter und Familien, ein integratives Restaurant, bezahlbares Wohnen und inklusiv-orientiertes Wohnen – die MacherInnen haben sich einiges vorgenommen. Unterstützung für Schwangere und junge Familien bietet eine Frühberatungsstelle, die das Amt für Soziale Dienste in Kooperation mit dem SOS-Kinderdorf betreibt. Ergänzend wird das Haus der Familie Obervieland Seminare und Beratungen für Eltern und Alleinerziehende anbieten. Auch sind Sprechstunden des Jugendamts sowie der Sozialberatung geplant. Darüberhinaus können zwei Räume und der Speisesaal für Veranstaltungen oder Tagungen genutzt werden, was genau passieren wird, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Alles in allem könnte der Plan aufgehen, dass sich das QZ Huckelriede zum integrativen Mittelpunkt entwickelt in einem Stadtteil, der seit ein paar Jahren versucht, aufzuholen und weg zu kommen vom tristen Image. Der sich dank Fördermittel Schritt für Schritt aufhübscht und in dem einiges passiert, um innerhalb der Hansestadt nicht mehr nur als  Umsteige-Haltestelle zu IKEA bekannt zu sein. Das Marie Weser kann dabei eine wichtige Rolle spielen, sodass sich das bunte Volk im Quartier näher kommt  und auch Menschen von der anderen Seite der Weser die neuen Qualitäten Huckelriedes erkennen. Ich freu mich drauf!

*: Marie Weser setzt sich übrigens aus dem Vornamen von Luka Lübkes Urgroßmutter, der gleichzeitig beliebtester Mädchenname der vergangenen zehn Jahre ist, und dem Fluss Weser als Symbol für Natur und die Region zusammen.

 


Offiziell eröffnet wurde das QZ bereits am 25.Oktober 2016 von den SenatorInnen Anja Stahmann und Joachim Lohse und GEWOBA-Vorstand Peter Stubbe. Das Familienrestaurant Marie Weser startet am Dienstag, den 15. November 2016. In den Neubau investierte die GEWOBA rund 13 Millionen Euro, 2,46 Millionen Euro davon stellte das Land Bremen aus dem 1. Wohnraumförderungsprogramm bereit. Der Ausbau des Quartierszentrums wurde mit rund 800.000 Euro aus dem Bund-Länderprogramm „Stadtumbau West“ gefördert.

Hier ein paar Impressionen vom Eröffnung des Quartierzentrums Huckelriede am 25. Oktober 2016:

 

Text und Fotos: Heike Mühldorfer