#muttour: Zu Wasser, zu Pferde und im Sattel gegen Depression

Wer Sebastian Burger, Ideengeber der Mut-Tour, derzeit anruft, erwischt ihn garantiert im Sattel. Dank Freisprechanlage ist ein Gespräch dennoch möglich. „Wir sind kurz vor dem Ökodorf Gadebusch in Mecklenburg-Vorpommern“, dringt es etwas außer Atem durch den Hörer.

Unterwegs in Leipzig.

Unterwegs in Leipzig.

Seit knapp drei Monaten ist der Bremer unterwegs, wechselnde Weggefährten begleiten ihn. Zum dritten Mal kreuzt das rollende Aktionsprogramm Mut-Tour durch die Republik und macht Stimmung gegen das Stigma der Depression. In diesem Jahr neu: Es sind nicht nur Betroffene und Nichtbetroffene auf Tandems unterwegs, sondern auch auf dem Wasser im Kajak und zu Fuß mit Pferden.

Auf der Mut-Tour entdecken die Teilnehmer die Natur und so manche Überraschung.

Auf der Mut-Tour entdecken die Teilnehmer die Natur und so manche Überraschung.

Volkskrankheit Depression immer noch Tabuthema

Wer in Bewegung ist, kann der Volkskrankheit am besten die Stirn bieten – darüber reden hilft anderen hoffentlich dabei, ihre Ängste zu verlieren und zeigt Außenstehenden, dass Depression kein Tabuthema sein sollte und Betroffene in keiner Lebenslage ausgegrenzt werden dürfen. Dass zur Mut-Tour durchaus eine gehörige Portion Mumm gehört, machen die Erzählungen deutlich, die Sebastian Burger auf einem Streckenkilometer ins Handy erzählt.

Bei Tag und Nacht draußen und zusammen, da bedarf es eines besonderen Unterhaltungsprogramms.

Bei Tag und Nacht draußen und zusammen, Action gegen Depression.

Seit rund drei Monaten schläft er jede Nacht an einem neuen Platz auf der Isomatte unter dem Zeltdach. Das Wetter meinte es nicht immer gut mit den Radlern: „Es war oft sehr kalt, teilweise 8 Grad. Dazu kam der Regen. Wir sind häufig in Kirchen untergekommen“, erzählt der Bremer. Im Gedächtnis bleiben jedoch die schönsten Bilder der Natur. „In der Nähe des Spreewalds haben wir einen wunderschönen gefluteten See entdeckt in einem ehemaligen Tagebau. Zwar war der Zugang mit den Rädern durch eine enge Felswand schwierig, aber es hat sich gelohnt“, schwärmt der erfahrene Tourenradler, der bereits durch Südamerika und bis China mit dem Tandem radelte. Menschlich sei es am beeindruckendsten in Fürstenberg gewesen. Dort fuhr man den Mut-Tourern sechs Kilometer hinterher, um sie zum Übernachten einzuladen.

Begegnungen beim Zähneputzen.

Begegnungen beim Zähneputzen.

Mini-Frösche und Cat-Content

Ein anderes Mal durften sie die Zelte auf der Ziegenwiese eines Jägers aufschlagen. „Er erzählte von seiner Jagdvergangenheit, zeigte uns einen ausgestopften Büffel. Jetzt interessiert er sich für lebendige Tiere.“ Zu Letzteren gab es während der Exkursion gehäuft Kontakt: Mini-Frösche tobten sich auf Burgers Hand aus und ein freches Kätzchen schaute den Radlern beim Zeltab- und -aufbau zu. Genächtigt wird jeweils im schönsten Naturwohnzimmer am Wegesrand. Immer mal wieder sind auch Privatgrundstücke dabei, wenn die Besitzer das Projekt unterstützen wollen.

Ein echter Fan auf vier Pfoten.

Cat-Content: Ein echter Fan auf vier Pfoten.

Muskelkater hat Burger nicht mehr in den Waden, denn das tägliche Treten in die Pedale gehört mittlerweile dazu. Worauf er sich freut? „Auf einen geregelten Tag am Schreibtisch“, scherzt er. Das heimische Büro und das eigene Bett sind aber erst am 3. September in greifbarer Nähe.

Mut-Tour by night in der Nähe von Lostau, Sachsen-Anhalt.

Mut-Tour by night in der Nähe von Lostau, Sachsen-Anhalt.

Am Samstag, 3. September, endet die Mut-Tour 2016 mit einem fulminanten Abschluss in Bremen. Von dort gibt es Mitmachaktionen für jedermann auf dem Rad, zu Wasser und zu Fuß. Interessierte, Rad-Begeisterte und Firmen- oder Vereins-Teams sind herzlich eingeladen, mitzumachen. Teilnehmer setzen ein sichtbares Zeichen gegen die Ausgrenzung und Stigmatisierung psychisch Erkrankter.

– 8 Uhr starten die Paddler an der Einlassstelle Campingplatz (Boller 1, Riede)

– 10 Uhr starten die Radler vom Marktplatz Bremen in Richtung Dammsiel und zurück. Weitere Radsammelpunkte aus Oldenburg, Hude und Ganderkesee auf der Internetseite http://mut-tour.de/aktionstage-2016/03-september-bremen-delmenhorst-oldenburg.html

– 10 Uhr starten die Wanderer vom südlichen Eingang des Rhododendronpark.

– 12.30 Uhr Ansprachen und Aktionen auf dem Marktplatz

– 12.45 Uhr Die Brassband Lockenkind spielt

– 13 Uhr Ankunft aller vier Teams

Weitere Infos zur Mut-Tour 2016 unter http://mut-tour.de

Text von Annica Müllenberg, Fotos: Sebastian Burger