#outstanding: Frauengeschichten aus Bremen und BHV

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OUTSTANDING Bremerin gilt für alle Frauen Bremens, oder? © Martin Luther / Focke Museum

Outstanding – herausragend – sind sie alle, die Frauen und ihre Geschichten, die hier erzählt werden: Im gerade erschienenen Bremer Frauenlexikon und der dazu gehörigen Ausstellung „Bremer Frauen Geschichten“ des Bremer Focke Museums wird mit Artikeln, Anekdoten, Exponaten und Porträts (gemalt oder fotografiert) die Rolle bekannter und weniger bekannter Frauen der Hansestadt für ihre Stadtgeschichte gezeigt. Bis hin zu 24 jungen „Outstanding Bremerinnen“ im Foto-Porträt, die aktuelle weibliche Wege und Perspektiven aufzeigen. 

Es ist ein großer Bogen, der in den mehr als 300 Porträts im 600 Seiten starken Buch „Frauengeschichte(n) – Biografien und FrauenOrte aus Bremen und Bremerhaven“ geschlagen wird. Und auch die Ausstellung „Bremer Frauen Geschichten“ im Focke-Museum greift Aspekte des Lebens und Wirkens von Frauen in Bremen und Bremerhaven vergangener Jahrhunderte bis heute auf. Gezeigt werden Exponate und Porträts quer durch alle sozialen Schichten, von Künstlerinnen, Schriftstellerinnen, Chronistinnen, Mäzeninnen, Lehrerinnen, Frauenrechtlerinnen, Marktfrauen, Politikerinnen bis zu Hausfrauen: Marga Berck oder Mutter Cordes, bekannte Frauen wie Anna Lühring oder Gesche Gottfried, aber auch unbekannte wie Magda Koll oder Doris Focke. Und es gibt 24 Fotoporträts junger Frauen des heutigen Bremens, die von Selbstbestimmtheit und Selbstverwirklichung zeugen.

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300 Frauen und ihre Geschichten in Buch und Ausstellung. © Martin Luther / Focke Museum

Frauen und ihr Wirken sichtbar machen

Frauen und ihre Rolle in der und für die Gesellschaft werden nur selten sichtbar, – da macht die Stadt Bremen definitiv keine Ausnahme. Umso bemerkenswerter ist es, dass es im aktuellen Bremer Frauenlexikon Raum gibt für die Geschichte von bedeutenden, aber auch weniger bekannten Frauen aus Bremen und Bremerhaven in kürzeren und längeren Porträts, in Texten zu Orten, an denen Frauen gewirkt haben und über ihre Vereine und Organisationen. Editz Laudowicz, Vorsitzende des Bremer Frauenmuseums e.V. und Mit-Herausgeberin: „Wichtig war es uns, ein breites Spektrum von Frauen aus verschiedenen Jahrhunderten und verschiedenen sozialen Schichten in ihrem historischen Kontext darzustellen. Dies sind nicht nur bekannte Frauen wie Auguste Kirchhoff, Ottilie Hoffmann und Annemarie Mevissen, sondern auch bislang weitgehend unbekannte bzw. unbeachtete Frauen oder auch vergessene Frauen.“ 48 Autorinnen und Autoren haben die Beiträge verfasst.

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Auch die Ausstellung im Focke-Museum richtet bezeichnende Schlaglichter auf das Leben von Frauen in Bremen. Sie zeigen die moralischen und gesellschaftlichen Zwänge, denen Frauen als Töchter und Ehefrauen ausgesetzt waren, zeugen aber  auch von wirtschaftlicher Unabhängigkeit, sozialem Engagement und mutigen Taten. Dr. Karin Walter, Kuratorin der Ausstellung, berichtet von ihrer Spurensuche in den Archiven des Museums: „Von den etwa 300 im Bremer Frauenlexikon aufgeführten Frauen haben wir 61 ausgesucht, zu denen wir mit Objekten der Museumssammlung spannende Geschichten erzählen können.“ Dennoch ist die doch geringe Zahl selbst ein Zeichen, dass die Wahrnehmung von Frauen auch im Kulturbereich mangelhaft war, worauf das Museum selbstkritisch hinweist und sich vornimmt, die Geschichte bedeutender Bremerinnen künftig angemessen zu berücksichtigen.

Outstanding Bremerin

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Drei der acht Fotografinnen, die Outstanding Bremerinnen porträtiert haben. © Martin Luther / Focke Museum

Und dann gibt es noch die Ausstellung in der Ausstellung: Outstanding Bremerin nennt sich das in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Künste Bremen entstande Projekt, bei dem die Studentinnen Carolin Becker, Emilia Kepkowski, Neele Sakautzky, Julianna Kiss, Jil Kempa, Judith Ahlers, Johanna Raab und Lixing Zhang unter der Leitung der Künstlerin Sandy Volz 24 fotografische Porträts von jungen Bremer Frauen erarbeiteten. Deren „soziales, politisches, künstlerisches, sportliches oder berufliches Engagement zeigt aktuelle weibliche Wege und Perspektiven auf“. Darunter sind Food-Bloggerin Veronika Pachalka (carrotsforclaire.com) und Rotary-Stipendiatin Sevda Atik ( von der UNI-AG Refugees Welcome), die zeigen, wie Frauen ihre Ideen und deren Verwirklichung heute mit Hilfe der Social Media sichtbar machen können.

Den kompletten Blickwechsel auf die Bremer und Bremerhavener Stadtgeschichte der Frauen könnt ihr ab heute Abend (30. April 2016) um 18.00 Uhr im Fockemuseum (bis zum 21. August 2016) erleben, wo es auch das Bremer Frauenlexikon als Begleitkatalog zur Ausstellung Bremer Frauen Geschichten gibt.

Die offizielle Buchpremiere des Bremer Frauenlexikons findet am 2. Mai 2016 um 18.00 Uhr in der Zentralbibliothek statt. In einem Gastbeitrag im GLUCKE Magazin wird Edith Laudowicz demnächst das Buch und einige der Porträtierten vorstellen. Und hier gibt es den Infoflyer der Ausstellung zum Download.

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Frauen Geschichten – 300 Bremerinnen und Bremerhavenerinnen im Porträt. © Ausschnitt aus dem Infoflyer

Und hier ein kleiner Sneak-View in Exponate und auf Themen der Bremer Frauen Geschichten © Fotos Focke Museum, Bremer Frauenmuseum e.V..

„Frauen Geschichte(n) – Biografien und FrauenOrte aus Bremen und Bremerhaven“ , erschienen in der Edition Falkenberg, herausgegeben vom Vorstand des Bremer Frauenmuseum e.V (Edith Laudowicz, Regina Contzen und Romina Schmitter).

Text: Heike Mühldorfer