#Interview: Fischkai57 in Bremerhaven

Conny Wischhusen, Bremer Künstlerin und Glucke-Redakteurin, hat in Bremerhaven die erste Ausstellung im neuen Kultur- und Kreativzentrum „Fischkai57“ kuratiert. Weil Conny aktuell richtig viel um die Ohren hat, hat Janina sie schnell interviewt. Bei einer Tasse Kaffee hat Conny uns alles zur Ausstellung „Zum Leben erweckt“ und zur Location erzählt. Schnell lesen und ab zur Finissage, am Sonntag (17.04.)…

Portrait von Conny Wischhusen, Kuratorin der ersten Ausstellung im Fischkai57

Auf einen Kaffee mit Conny Wischhusen: Diesmal nicht als Redaktuerin, sondern als Künstlerin, gebürtige Bremerhavenerin und Kuratorin der ersten Ausstellung im Fischkai57. © Foto: Janina Weinhold

Conny, Du warst schon da, als Kuratorin, Künstlerin und geborene Bremerhavenerin. Wie muss ich mir DIE neue Kunst- und Kulturadresse in Bremerhaven vorstellen?

Conny Wischhusen: Wenn du am Bremerhavener Schaufenster Fischereihafen vorbei läufst und ganz bis zum Ende der Straße „Fischkai“ gehst, stehst du vor dem Fischkai57, einer alten ehemaligen Industriehalle für Motorenentwicklung, mit einem Shed-Dach. Diese zackigen Dächer mit Oberlichtfenstern. Früher wurden hier mal Motoren von Fischkuttern zusammengebaut oder repariert. Ich liebe leicht morbide, alt und verfallen wirkende Gebäude mit Geschichte. Der Fischkai57 ist genau so eine tolle, alte Halle mit Industriecharme und sollte eigentlich abgerissen werden.

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Fischkai57 „von der anderen Seite“. © Foto: Conny Wischhusen

Wieso steht die Halle noch?

CW: Zum Glück hat René Russell, Geschäftsführer des Fischkai, sich in die alten Hallen verliebt und sie restauriert und Instand gesetzt. Er hat etwa eine halbe Millionen Euro für ein neues Dach, gedämmte Wände und Co. in die Hand genommen. Zum Glück wurde er außerdem von der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung (BIS) mit einer Stange Geld gefördert.

Kulturzentrum in einer alten Lagerhalle klingt super. Was erwartet mich denn in der riesen Halle?

CW: Unten am Kai findest du das Café Grete‘s von René Russell und seiner Frau. Dort gibt es 1A selbstgebackenen  Kuchen  aus biologischen und regionalen Zutaten und eine tolle Aussicht. Außerdem hat René dort sein Büro, ein Yogastudio ist schon eingezogen und es gibt tolle neue Büroflächen, Ateliers und Werkstätten. Die Ateliers und Werkstätten können wie beim Co-Working Prinzip auch für kurze Projekte gemietet werden. Als Künstlerin finde ich es natürlich großartig, dass René Künstlern die Chance einräumt, in der Halle auch kostenlos auszustellen.

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© Foto: Conny Wischhusen

Du hast als Kuratorin die erste Gemeinschaftsausstellung „Zum Leben erweckt“ organisiert, die bis Sonntag (17.04) bei der Finissage noch zu sehen ist. Was erwartet kunstbegeisterte Menschen?

CW: Eine bunte Mischung aus Malereien, Druckgrafik, Fotografie und Holzobjekten zum Thema  „Fisch, Hafen und Meer“. Als René mich angesprochen hat, ob ich ausstellen möchte war mir eine Solo-Ausstellung meiner Werke zu kurzfristig. Also habe ich alle Künstler angesprochen, die mir spontan zum Thema eingefallen sind. 16 Künstler aus Bremen, Bremerhaven und umzu haben zugesagt. Die Ausstellung zeigt die Werke von Margitta Sündermann, Sven Willms, Ulrike Miesen-Schürmann, Ingeborg Rath. Ilona Tessmer, Hilke Sens, Barbara und Günter Röpke, Ernst Matzke (Einladungsfoto), Delia Nordhaus, Conny Wischhusen (gleichzeitig die Kuratorin), Christian Plep, Bärel Ricklefs-Bahr , Sonia Schadwinkel, Ruth E.E. Cordes und Alfredo Caranguejo.

Conny Wischhusen Linoldruck "Dinner for one"

Der berühmteste Fisch unter den Fisch-Linoldrucken von Conny Wischhusen: „Dinner for one“

Eine stolze Liste. Du selbst stellst auch aus…

CW: Ja, ich bin mit zwei Linoldrucken aus meiner Fisch-Serie aus dem Bremerhavener Kalenderprojekt „vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran“ vertreten und zeige ein Bild aus meiner Arbeit „Stangenware“.

Diese Arbeiten zielen nicht alle auf das Motto „Fisch, Hafen und Meer“. Verrätst Du, weshalb du dieses Bild ausgewählt hast?

CW: Es hängt direkt neben dem Eingang mit Blick auf das Meer. Weil mein Bild in blautönen gehalten ist, lässt es auch Assoziationen zu Meer und Schiffen zu. Du könntest also den Eindruck gewinnen, es sei eine Segelstange, die dir den Blick aufs Meer verstellt…

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© Foto: Conny Wischhusen

Immerhin hast du es als Kuratorin in die BILD Zeitung geschafft.

CW: Ja, das war ein etwas gruselig. Die Bild war völlig überraschend da und hat berichtet. Das Gespräch war erstaunlich nett, nur beim Fotomachen habe ich mich dafür rechtfertigen müssen, weshalb mein Bild über einer Heizung hängt. Mir gefällt es dort am Eingang mit Blick aufs Meer… Jedenfalls habe ich mir dann meine erste Bild gekauft – in einem Supermarkt, in dem ich sonst nie einkaufen gehe.

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© Foto: Conny Wischhusen

 Wie war das Echo bei der Vernissage? 

CW: Richtig toll. Es waren immerhin zwischen 200 und 300 Menschen zur Eröffnung da. Das wirklich bunt gemischte Publikum fand die Halle und die Bilder toll. Einzelne Besucher haben nach noch mehr Licht gefragt. Aber ich finde das gestreute Licht durch die Oberfenster und die alte Hallenatmosphäre gerade toll. – Bei so guter Ausleuchtung, wie in ein Museum würde der Charme ja verschwinden.

Danke für den Kaffee und deine Eindrücke, Conny.


 

Die gemeinschaftliche Eröffnungsausstellung ist noch bis diesen Sonntag (14.4.) zu sehen. Der Fischkai57 im Fischereihafen ist donnerstags bis sonntags täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet. (Hinweis der Redaktion: Wer  noch alle Kunstwerke sehen möchte, sollte möglichst etwas früher kommen. Leider muss Sonntag auch abgebaut werden.)
Die nächste Ausstellung kommt von Brigitte Wollert. Sie stellt ab dem 23. April chinesische Kalligrafie und Tuschemalerei aus.

Ein Video  von der aktuellen Ausstellung findet ihr bei Facebook

Und hier die Koordinaten: Fischkai 57, 27572 Bremerhaven

Und mehr über die Bremerhavener Kunstszene könnt ihr in den Beiträge von Conny Wischhusen im GLUCKE Magazin lesen.

Interview: Janina Weinhold, Fotos: Conny Wischhusen