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#Bremenbaut: Bolzplatz oder Kita?

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Buddeln macht Spaß! Anscheinend auch den Bremer Stadtplanern. Foto: privat

Bremen baut. Es scheint, freie Flächen bleiben in der Hansestadt nur dann frei, wenn sie unbeobachtet vor sich hin dümpeln. Bis die Begehrlichkeiten der so genannten Stadtentwicklung zuschlagen. Ganz aktuell: Eine geplante Kita-Ansiedlung in der Bremer Neustadt. An sich ein wichtiges und richtiges Unterfangen, mehr Betreuungsplätze für kleine Kinder zu schaffen. Dumm nur, wenn dabei ein beliebter Spiel- und Bolzplatz verplant und verbaut wird. Und damit eine der letzten großen echten Freiflächen für Kinder der Neustadt – nachdem schon der Huckelrieder Spielplatz im Rahmen der Sanierung von über 5.000 auf unter 1.760 Quadratmeter zusammengestaucht wurde.

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So viel Platz für wilde Bauten gibt es nicht oft in der Stadt. Prädikat: Erhaltenswert! Foto: privat

Es geht um den Spielplatz an der Tieckstraße/Kornstraße, der bis zur Hardenbergstraße reicht. Auf großzügigen 4.000 Quadratmetern toben sich den ganzen Tag über sowohl Klein- als auch Tagespflegekinder aus, die Grundschulkinder der Buntentors-Grundschule (die selbst nur einen begrenzten Schulhof hat) nutzen ihn regelmäßig und selbst Jugendliche sind hier glücklich. Im Winter wird am Minihügel gerodelt und im Sommer gibt es Freestyle-Soccer-Events mit Eltern, Kindern und Jugendlichen aller Nationalitäten. Kindergeburtstage werden hier gefeiert und Schätze gesucht, Schaukeln und Klettergerüst sind dauerbesetzt. Die Fläche gilt außerdem als Ausgleichsfläche fürs Wohnungsneubauprojekt am Deichschart (bei REWE).

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Platz genug zum Toben und Rennen. Foto: privat

4.000 Quadratmeter bieten nun mal viel Freiraum und viele wilde Ecken, der Zugang von zwei Seiten ermöglicht hier das traute Zusammensein von ganz kleinen, jungen sowie älteren Kindern und Jugendlichen. Das sieht auch das Amt für Soziale Dienste so und hat deshalb Gelder im Haushalt für eine notwendige Sanierung bereitgestellt. Im Herbst 2015 fand schon eine Planungsparty mit Kindern und Eltern statt, um das Gelände nach den Wünschen aller neu zu gestalten.

Kita und/oder Bolzplatz?

Doch die Bitte um finanzielle Unterstützung an den Beirat hat der Umsetzung erstmal einen klaren Riegel vorgeschoben. 4.000 unbebaute Quadratmeter sorgen für viel stadtplanerische Fantasie. Noch dazu vor dem Hintergrund, dass bis zum Jahr 2020 400 Plätze für Klein- und Vorschulkinder in der Neustadt neu installiert werden sollen, das erfordert den Neubau von vier Kitas. Die Idee des Beirats nach Besichtigung: Lasst uns doch eine öffentlich zugängliche Kita auf der einen Hälfte der Fläche bauen und die andere als Spielfläche gestalten. Klingt erst einmal vernünftig und pragmatisch. Doch Eltern sind entsetzt, eine Petition wurde gestartet, das Amt für Soziale Dienste spricht sich dringend für den Erhalt und Alternativflächen für die Kita aus, gute Gründe gegen den Vorschlag gibt es zuhauf.

Gerade in diesem Teil der Neustadt gibt es bereits viele Kindergruppen: die Kindertagesstätten Kornstraße, Arche (Buntentorsteinweg und Kirchweg), Hardenbergstraße, die Trotzköpfe, Kodakistan, Weserkrabben, KiTa Sternchen und Kindergruppen von Tagesmüttern. All diese Kindergruppen nutzen den öffentlichen Spielplatz als Außenfläche. Außerdem ist die Verkehrssituation an der Hardenbergstraße jetzt schon extrem angespannt.

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Bolzplatz für alle Altersklassen, aber vor allem mal Platz für Jugendliches. Foto: privat

Unterm Strich befürchten Eltern und Sozialbehörde, dass durch einen Neubau die Kids auf der Strecke bleiben. Vor allem die Jugendlichen. Auf dem schmalen Grundstück bleibt durch einen Neubau nicht genug freier Platz, um allen Altersstufen gerecht zu werden. Der Bolzplatz wäre wahrscheinlich das erste Opfer der Bebauung. Auch  das unkomplizierte Neben- und Miteinander von jungen Kindern und Jugendlichen wird durch eine abgesperrte und nur teilweise nutzbare Kita-Gelände zerstört. Denn öffentlich zugänglich ist das Gelände nur nach den Öffnungszeiten, was vor allem in den Ferien die Nutzung stark einschränkt. Die pure Spielfläche im Stadtteil verringert sich weiter, schon jetzt gibt es in der Neustadt gerade mal 50 Prozent der eigentlich notwendigen Spielflächen, wie Sozialzentrumsleiter Peter Wührmann in seinem Brief an den Beirat formuliert.

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Mal wieder ein Runder Tisch

Und nun? Beiratssprecher für Soziales Rainer Müller bedauert das späte Agieren und lässt gerade eine Skizze erstellen, „aus der hervorgeht, ob die Nutzung dieses Grundstücks für einen Spielplatz und eine Kita möglich ist“. Dann wird er zu einem Runden Tisch mit allen am Prozess Beteiligten einladen. Und der Ausgang dieser Art von Bürgerbeteiligung ist wie immer – offen. Bleibt zu hoffen, dass beim Blick aufs Ganze die Belange der Schwächsten – nämlich der Kinder und Jugendlichen – berücksichtigt und nicht gegeneinander ausgespielt werden. Und dass die Nachbarschaft um den Spielplatz, die sich so für diese Fläche einsetzt, nicht noch mehr vor den Kopf gestoßen wird. Denn nur mit engagierten BürgerInnen bleibt Bremen lebenswert.

Text: Heike Mühldorfer; Fotos: privat

Stadtplanung in Bremen ist immer mal Thema im GLUCKE Magazin: #Werdersee: Mit schönen Formulierungen zum Neubaudesaster

 

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