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#Subkultur: Geniale Dilletanten. Bands der 1980er

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Beitragsbild: 1/10 Sekunde vor der Warschauer Brücke, 1978, gemalt für ein Konzert im SO 36. Größe 24 x 3 Meter. Copyright dieses Fotos und der Ausstellungsansicht: Michaela Hille.

Die Sonderausstellung im altehrwürdigen Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Wer den Raum im zweiten Stock betritt, befindet sich in einer mit Musik unterlegten, begehbaren Installation. Diese kreist um acht bekanntere Bandprojekte der beginnenden 1980er Jahre, u.a. D.A.F., Einstürzende Neubauten, Die tödliche Doris, Der Plan oder F.S.K. Die Bands und ihr Umfeld (Vertriebe, Fanzines, Buchhandlungen und andere Orte etc.) werden mit dokumentarischen Fotos und Filmen und durch künstlerische Bilder und andere Objekte, etwa selbstgebaute Möbel, vorgestellt. Die Ausstellung versteht sich nicht als Musik- oder als Punk-Ausstellung, sondern möchte einige avantgardistische Splitter herauslösen. Produziert wurde sie vom quasi-staatlichen Goethe-Institut. Sie wird vor allem als Tourneeausstellung im In- und Ausland eingesetzt, bisher war sie in Minsk und München zu sehen und ist aktuell auch in Melbourne zu Gast. In Hamburg wird sie in einer erweiterten Fassung mit zusätzlichem Material gezeigt.

Von Einstürzende Neubauten bis D.A.F.

Die musikalische und ästhetische Produktion jener Jahre beruhte auf billigen Mieten in Wohnungen mit Kohlenheizung und Außentoiletten, auf einem kreativen Umgang mit dem Urheberrecht und selbstverständlich auf auch heute wieder angesagten Prinzipien wie Kollaboration, Bricolage, DIY und Kreativität, befeuert vom Wunsch nach Selbstbestimmung und Freiheit. Diese Szene hatte mit der damaligen Alternativ- und Ökopax-Bewegung wenig zu tun und mehr Schnittmengen zum Punk. Bevor aus der Neuen Deutschen Welle kommerziell erfolgreiche Popmusik wurde, war es diese Musik, die darunter zusammengefasst wurde.

Die Ausstellung zeigt nun Objekte und Dokumente, die in einer traditionellen Zuordnung der Musik, der Malerei, dem Design, der Videoproduktion entstammen. Sie vermag es, die Stimmung jener Zeit gut zu transportieren.

Mein Extra-Tipp: „GENIALE DILLETANTEN“ in Hamburg bei Google Maps – Die laufend erweiterte Karte zeigt rund 60 Orte in Hamburg, die für die Subkultur der frühen 1980er Jahre von besonderer Bedeutung waren: ehemalige und noch existierende Konzert-Locations, Platten- und Buchläden, Kneipen und Cafés, Theater und Galerien, Musik-Studios und -Verlage werden verortet und ausführlich kommentiert.

Wem das alles zu viel ist, kann sich ja wiedermal „Tanz Debil“ von den Neubauten anhören oder in seinen/ihren alten Cassetten oder Platten stöbern! Oder vor Ort im MKG in der jetzt bis zum 28. Februar verlängerten Ausstellung zum Jugendstil (Kritik auf glucke-magazin.de) nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten dieser Jugend- und Kulturbewegungen fahnden.

Geniale Dilletanten, noch bis 30. April 2016. MKG Hamburg, Steintorplatz 1, 20099 Hamburg (mehr)

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