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#Buchtipp: Wegweiser zur freien Stadt der Zukunft

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Mainhattan – Stadt der Zukunft? Von wegen! sagt Niels Boeing. Foto ©: Makrodepcher / pixelio.de

Sein Engagement im Recht-auf-Stadt-Netzwerk verband Niels Boeing von Anfang an mit konsequenter Kapitalismuskritik und konkreten Alternativentwürfen. In diesem schmalen Band vereinen sich alle drei Aspekte auf gut lesbare Weise. Boeings Position ist klar: der Kampf um die Städte muss geführt werden, »um der Zukunft willen«, um dem sich gerade etablierenden, grün verbrämten, autoritären Hightech-Kapitalismus etwas entgegenzusetzen.

Konkrete Beispiele für die Stadt der Zukunft

Nachdem Boeing die aktuelle Situation skizziert, folgen abwechselnd jeweils ein Kapitel, in dem er ein theoretisches Konzept erklärt und Beispiele konkreter Aktionen und Initiativen, die dieses Konzept illustrieren. Der Autor räumt dabei mit so mancher romantischer Vorstellung auf. So wies etwa die Stadt von Beginn an autoritäre Charakterzüge auf, sie war nie ein für alle gleichermaßen zugänglicher Lebensraum. Ebenso werden die aktuelle Eigentumsordnung und die parlamentarische Demokratie in Frage gestellt.

Das erste Kapitel behandelt den Kapitalismus, als Praxisbeispiel dient der von Henri Lefèbvre eingeführte Begriff »Recht auf Stadt«. Dieses Konzept habe nichts von seiner Aktualität verloren, denn »die Stadt ist für den Kapitalismus mehr denn je Terrain, Ressource und Produkt in einem«.

Von Selbstverwaltung bis Occupy

Auf das Kapitel über die »Multitude« folgt eines über verschiedene Versuche der Selbstverwaltung von der Pariser Commune über die Occupy Bewegung und aktuelle Widerstandsbewegungen in Spanien. Nach den Ausführungen zu »Staat und Kapital« geht es um steigende Mietpreise, Zwangsräumungen, um Gentrifizierung und Hausbesetzungen. Dem Thema »Kapital« folgt der Aufruf, die Frage nach der Produktion wieder mehr zu thematisieren, was er dann gleich am Beispiel der Fab Labs selbst umsetzt. »Nachhaltigkeit« sowie »Gemeinschaft und Gesellschaft« sind weitere Ideen, die kurz erläutert und an konkreten Beispielen kapitalismuskritisch gewendet werden.

Am Ende steht die Botschaft: »Die freie Stadt der Zukunft wird nicht zuerst aus der Wut auf die Mächtigen entstehen, sondern aus einer heiter-entschlossenen Selbstermächtigung ihrer Bewohner, die begriffen haben, dass sie ein Ziel eint: ein gutes Leben für alle.« Anstatt durch individuellen Konsumverzicht einen neuen Puritanismus zu praktizieren, gelte es, die »Zweck-Entfremdung« der Stadt wieder zu entdecken.

Das Buch nimmt eine Metaebene ein und kann deshalb die Vielfalt der Initiativen, die im globalen Kampf um die Städte entstanden und immer wieder neu entstehen, zueinander in Beziehung setzen. Was von konkreten Menschen aus konkreten Anlässen getan wird, bekommt einen Platz in einem größeren Bild, wird zum Symbol für gesamtgesellschaftliche Prozesse und zu einem Wegweiser zu einer Gesellschaft jenseits des Kapitalismus, in der Städte eine wichtige Rolle einnehmen werden.

Text: Brigitte Kratzwald, Graz. Brigitte schrieb Ende März 2014 in „die glucke“ über Commons (mehr)

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Niels Boeing: Von wegen. Überlegungen zur freien Stadt der Zukunft, Verlag Edition Nautilus, Hamburg 2015, 14,90 EUR

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