Schreibe einen Kommentar

#sturmfrauen: Avantgarde in Berlin 1900 bis 1932

Schirn_Presse_STURMFRAUEN-web

STURM-Frauen, Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2015, Foto: Norbert Miguletz

Keiner stellte so viele KünstlerInnen aus wie Herwarth Walden in seiner Galerie „Der Sturm“ und keiner, abgesehen von der Galerie Arnold in Dresden, stellte – anteilig – so viele Künstlerinnen aus (1). Weit über 30, die genaue Zahl ist nicht bekannt, sind es zwischen 1912 und dem mutmaßlichen Ende der Galerie 1930. Die Galerie und die gleichnamige Zeitschrift (sie erscheint von 1910 bis 1932) sind einer der wichtigsten Knotenpunkte im weitgespannten Netzwerk avantgardistischer Kunst. Politisch sind die Akteure in der Regel auf der kulturellen Linken angesiedelt. Ein knappes Drittel der 170 Mitglieder der Novembergruppe, einer Künstlervereinigung, die sich zur Begleitung und Unterstützung der Novemberrevolution 1918/19 gründete, hat (später) auch im STURM ausgestellt. 48 dieser 49 Personen aus dem STURM waren allerdings Männer!

Schirn_Presse_STURM_Frauen_Delaunay_Portuguese_Market_1915_web

In ganzer Pracht: Sonia Delaunays Portuguese Market von 1915, Öl und Wachsfarbe auf Leinwand, 90.5 x 90.5 cm, Digital image, The Museum of Modern Art, New York/Scala, Firenze

Sonia Delaunay, Portugiesischer Markt, 1915, Öl und Wachsfarbe auf Leinwand, 90.5 x 90.5 cm, Digital image, The Museum of Modern Art, New York/Scala, Firenze

Sonia Delaunay, Portugiesischer Markt, 1915, Öl und Wachsfarbe auf Leinwand, 90.5 x 90.5 cm, Digital image, The Museum of Modern Art, New York/Scala, Firenze

Von Delaunay bis von Werefkin

Dies führt zum Gegenstand dieses großartigen Kataloges: Der Existenz und dem künstlerischen Tun von Frauen zwischen 1900 und 1933 und was darüber bekannt ist. Der Band stellt nach der Einleitung 18 Künstlerinnen näher vor, von denen Werke erhalten und zugänglich sind. Die durchweg von Frauen verfassten Artikel bestehen aus einem kürzeren Text und bis zu 12 großformatigen, hochwertigen Abbildungen. Vorgestellt werden bekannte Künstlerinnen wie Sonia Delaunay, Maria von Uhden (1892-1918, eine gute Freundin von Hanna Höch), Natalija Gontscharowa, Gabriele Münter (1877-1962), Marianne von Werefkin, Nell Walden und Elke Laske-Schüler. Eine interessante Biographie hat Hilla von Rebay (1890-1967). Sie geht 1925/26 in die USA und arbeitet dort für Salomon Guggenheim beim Aufbau von dessen Sammlung gegenstandsloser europäischer Kunst, wird Gründungsdirektorin des gleichnamigen, heute weltberühmten Museums in New York. Gleichzeitig ist sie ihr ganzes Leben selbst künstlerisch tätig und unterstützt viele Künstler in Europa. In einem zweiten Teil (ab S. 346) werden Informationen zu weiteren 21 Künstlerinnen veröffentlicht. Grundlage für die Ausstellung war das Buch von Karla Bilang von Ende 2013 (Rezension auf „Glucke Magazin“).

Schirn_Presse_STURM_Frauen_Donas_Tete_cubiste_1917_web

Marthe Donas, Kubistischer Kopf, 1917, Bleistift auf Papier, 27,5 x 22 / 60 x 65 cm, Privatsammlung © Foto Cedric Verhelst, VG Bild- Kunst, Bonn 2015

Isa Bickmann berichtet auf arthistoricum.net wie ein Raunen durch den Raum ging, als die Kuratorin bei der Pressekonferenz zur Ausstellung einiges zur Ausbildungs- und Ausstellungssituation von Künstlerinnen um die Jahrhundertwende berichtete; ganz so, als hätte es die – feministisch inspirierte – Aufklärungsarbeit der letzten 30 Jahre nie gegeben (Link zum Blogeintrag). Das Buch – es darf Standardwerk genannt werden und bietet sich als Weihnachtsgeschenk an – zeigt, dass noch viel zum Leben und Schaffen avantgardistischer Künstlerinnen zu erforschen wäre.

Schirn_Presse_Digitorial_Sturm-Frauen_web

Digitorial zur Ausstellung „STURM-Frauen“ © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2015

Ingrid Pfeiffer, Max Hollein (Hrsg.): STURM-FRAUEN. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910-1932; Wienand Verlag, Köln 2015, 354 Seiten, ca. 400 farbige Abb., 45 EUR

Die Ausstellung in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt/Main ist noch bis 7. Februar 2016 zu sehen.

Text: Bernd Hüttner

Mehr Informationen auch im Themenportal Herwarth Walden und DER STURM: http://www.arthistoricum.net/themen/portale/sturm/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.