#Underground: Publikationen in der Weserburg

11_Radikalinski-Nr.-7-webAb Anfang der 1960er Jahre kommt es im Zuge des gesellschaftlichen Aufbruchs zu einer Vielzahl von kleinen und unabhängigen Publikationen. Die Weserburg zeigt eine Auswahl dieser Underground-Hefte.

Sie hießen Peng, Linkeck oder Ulcus Molle Info. Ihre Themen, in der unübersichtlichen Schnittmenge von „Politik“ und „Kultur“ (und ja: auch Pornografie) angesiedelt, waren die der Gegenkultur jener Tage: Drogen, Sexualität, Freiheit, Transzendenz, Kritik des Spießertums, Antifaschismus. Um das Copyright kümmerten sie sich kaum. Sie wurden im Zeitgeist des „Alles ist möglich“ hergestellt, in einer Geste und im Modus der ästhetischen Selbstaneignung und Selbstproduktion. Publiziert wurde mit den gegebenen technischen Mitteln (mit Schere und Schreibmaschine, ohne Computer!!) im DIY-Verfahren. In diesem Prozess formte man sich eine eigene Identität. Die Summe dieser Medien schuf dann, wie die Ausstellungsmacher_innen richtig schreiben, erst die Gemeinschaft, die sie beschwörte.

Politische und ästhetische Prinzipien

5 Peng Nr. 3

Peng! Titelbild der 3. Ausgabe. © Sammlung Jan-Frederik Bandel.

Die Ausstellung vermittelt einen Eindruck von den gestalterischen, aber auch ästhetischen und politischen Prinzipien dieser bunten Bewegung. Sie zeigt auch ansatzweise, welche Strukturen (Verlage, Vertriebe) damals entstanden und die später dann unter dem Schlagwort „Alternativpresse“ behandelt werden sollten: Eine große Rolle spielte das Vorbild der US-„Gegenkultur“ mit ihrer Lifestyle-Revolte und ihren gestalterisch überbordenden Zeitungen und Zeitschriften.

Leider eine Ausstellung unter Plexiglas

Das Ganze ist dann unter Plexiglas eingesperrt, was sehr schmerzhaft ist, laden doch die Hefte zum Blättern und entdecken ein. Nach dem Besuch fragt man sich: Was genau bedeutete Underground? Was hat das alles mit der Gegenwart zu tun? Die Ausstellungsmacher_innen ziehen eine Linie von damals zu den zeitgenössischen Independent-Produktionen. Die Grundstimmung der Ausstellung ist: Nostalgie. Denn die imaginären postmodernen Gemeinschaften konstituieren sich heute ja – wenn es überhaupt noch welche gibt – nicht über gedruckte Medien!

Mehr Info zu Ausstellung und Begleitprogramm hier.

Unter dem Radar. Underground- und Selbstpublikationen 1965 – 1975; Studienzentrum für Künstlerpublikationen/Weserburg
Noch bis 14. Februar 2016. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr. Donnerstag 11-20 Uhr. Eintritt: Erwachsene 8 EUR 8, ermäßigt 5 EUR. Ein umfangreiches Buch (angekündigt sind 350 Seiten!!) zur Ausstellung erscheint im Frühjahr 2016 bei Spector Books (ISBN 978-3-95905-032-6).

Illustrationen: Cover von Peng Nr. 3 (Wuppertal 1968) und Radikalinski Nr. 7 (Berlin 1969)
© Sammlung Jan-Frederik Bandel.

Text: Bernd Hüttner.