#KleeKandinsky: Die Kumpels vom Bauhaus

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Kumpels Kandinsky und Klee in Dessau um 1927. Foto: Nina Kandinsky © Bibliotheque Kandinsky

Paul Klee (1879­-1940) und Wassily Kandinsky (1866­-1944) stehen für die künstlerische Avantgarde des angehenden 20. Jahrhunderts, haben Blauer Reiter und Bauhaus begründet (Kandinsky) bzw. stark geprägt, gelten als Schrittmacher für die abstrakte Kunst. In beinahe 30 Jahren als Nachbarn und Freunde haben sie eine konzentrierte künstlerische Auseinandersetzung mit vielen Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschieden und Konkurrenzen erlebt.

Über 190 Bilder aus dieser langen Zeit des künstlerischen Austauschs und der Entwicklung sind zurzeit im Kunstbau des Münchener Lenbachhauses bei „Klee & Kandinsky. Nachbarn. Freunde. Konkurrenten“ zu sehen. Auch aus etlichen großformatigen Fotografien gemeinsamer Treffen ist zu sehen: Klee und Kandinsky stellten eines der großen Freundespaare in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Wer also in München ist: Unbedingt hingehen und auch gleich die großartige Ausstellung zum Blauen Reiter im Lenbachhaus ansehen.

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Im Blau von Wassily Kandinsky. 1925. © Lenbachhaus

Jahrhundertwende bis Zeitenwende

Die Ausstellung ist in sieben Sektionen unterteilt, die beide Künstler in den verschiedenen Schaffensphasen zeigen. Während Kandinsky Ende des Jahrzehnts mit seinen expressiven Murnauer Landschaftsbildern einen Durchbruch erlebt, bleibt der Autodidakt Klee mit seinen eher graphischen Werken noch unentdeckt. Dann folgt die Phase des von Kandinsky (mit Franz Marc gegründeten berühmten Almanachs und der) Ausstellungsserie Blauer Reiter, bei der auch Klee ab der zweiten Ausstellung mit dabei ist. Eine weitere Station ist der gemeinsamen Leidenschaft für Musik gewidmet, die auch ihren Ausdruck in der Malerei findet, z.B. mit Kandinskys Bühnenbildern für Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“.

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Rosengarten von Paul Klee. 1920. © Lenbachhaus

Nach dem ersten Weltkrieg trafen beide zu Beginn der 1920er Jahre im Bauhaus aufeinander, die gegenseitige künstlerische Annäherung ist hier wohl am stärksten zu erkennen und geht soweit, dass manche Zeitgenossen ihre Werke verwechselten. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verlieren beide ihre Dozentenstellen, ihre Werke gelten als „entartet“ und die existenzielle Bedrohung schlägt auch in ihren Werken nieder. Teils mit Sarkasmus, wie bei Klee, aber vor allem mit düsterer Farbgebung. Ganz anders dann im Exil: Hier finden beide wieder zur Farbigkeit. „Kandinsky erhebt in seinem Pariser Schaffen ab 1934 den Neubeginn zum Programm. Klee braucht für eine künstlerische Neuorientierung auch wegen seiner schweren Erkrankung mehr Zeit, er schafft jedoch nach einer letzten Begegnung mit Kandinsky in der Schweiz 1937 ein äußerst produktives Spätwerk.“ Paul Klee stirbt 1940, Kandinsky überlebt ihn um weitere vier Jahre.

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Harmonie von Paul Klee. © Lenbachhaus

Zur Ausstellung gibt es einen umfangreichen Katalog mit 360 Seiten und über 300 farbigen Abbildungen im Prestel Verlag, hrsg. von Michael Baumgartner, Annegret Hoberg und Christine Hopfengart. Der Katalog ist im Museumsshop für 32 Euro erhältlich.

Text: Heike Mühldorfer.

Fotos: Dank an das Lenbachhaus.