#buchtipp: Gedichte von Marlies Blauth

Vor zwei Jahren arbeitete ich an Grafiken zu einem Gedichtband von Eberhard Pfleiderer zum Thema „UnZeit“. Nun begegnet mir wieder ein Gedichtband zum Thema „Zeit“ und „Erinnerungen“.
In dem handgebundenen und eigenhändig gesetzten Heft sind die Gedichte und Illustrationen von Marlies Blauth. Und gerade das macht es für mich zu einem Gesamtkunstwerk.

Die Gedichte sind sehr poetisch und leise. Zarte Erinnerungen, ein leichtes Anklopfen oder gar Wehmut an die Zeit sind in und zwischen den Zeilen und Worten zu spüren.
Bestimmte Worterfindungen haben mich besonders angesprochen und gefesselt, die ich sehr poetisch, liebevoll finde und die ich nicht kannte. Es sind Wortschöpfungen wie Glühbirnenlicht, Wortvorratsschränkchen, Dunkelzeit oder Müdegrau.
Diese Worte rufen bei mir Assoziationen hervor, wecken Erinnerungen und lassen sehr viel Spielraum für eigene Interpretationen.

Marlies Blauths Gedichte lassen sich nicht nur lesen. Die Worte sind nicht einfach aneinandergereiht. Man muss sehr genau lesen, manchmal auch mehrmals, um den Sinn zu verstehen. Sie benutzt Punkt-und Zeichensetzung, sowie die Groß-und Kleinschreibung sehr kreativ, so dass man oft erst mal in die Irre geführt wird. Hinzu kommen noch von Marlies Blauth selbst geschaffene Illustrationen. Alle Zeichnungen sind mit Pinsel und Kohlenstaub auf Leinwand gearbeitet. Sehr stimmungsvoll, überraschend, aber klar in Szene gesetzt, lassen sie viel Raum für Phantasie und ergänzen den Gedichtband wundervoll.

Der Gedichtband ist in drei Abschnitte unterteilt:
– zeiten
– bittertropfend
– zarte takte

Im hinteren Teil des Buches kann man ein Nachwort von Jutta Höfel lesen, in dem sie einen Einblick zum Verständnis der Gedichte gibt. Das hat mich zuerst etwas irritiert. Nach dem Lesen war es aber für mich sehr lehrreich und verschaffte mir einen neuen Blick auf die Gedichte .
Ich möchte mit dem Gedicht „ein mantel“ neugierig machen auf mehr:

ein mantel
der kaum wärmt
staubmantel
umbragrau
der keinem passt
eng wird
und löcher hat

aber die seele
trägt ihn
über dem arm

den mantel
des vergessens

Die Künstlerin Marlies Blauth wurde 1957 in Düsseldorf geboren und studierte in Wuppertal bei Anna Oppermann, Wil Sensen und Bazon Brock. Es folgten Lehraufträge für Holzschnitt, Freie Grafik und Gestaltungsgrundlagen.
Blauth hatte zahlreiche Ausstellungen und seit 2006 veröffentlicht sie Lyrik und Kurzprosa. 2013 erhielt sie den Dorstener Lyrikpreis.

Der Gedichtband „zarte takte tröpfelt die zeit“ ist im Nordpark-Verlag erschienen und kostet 6,50€.