#buchtipp: Wie Frauen Dada prägten

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Von links nach rechts: Wieland Herzfelde, Eva Grosz (1895–1960, bildende Künstlerin, Modell/Muse, Berlin Dada), George Grosz, Rudolf Schlichter, John Heartfield, 1922 © courtesy Scheidegger & Spiess

1916 fand in Zürich der erste Abend der Bewegung statt, die unter dem Namen Dada bekannt werden sollte. Dada war eine Revolte gegen künstlerische und gesellschaftliche Traditionen, die auf Ironie, Satire und Lachen beruhte. Es ging darum, Kunst subversiv in den Alltag mitzunehmen, als sozialen, gesellschaftskritischen Auftrag. Dada als Kabarett, Theater oder bildende Kunst zu beschreiben, greift jeweils zu kurz. Und leider, leider war „die Deutungsmacht über Dada vorwiegend männlich“ wie Ina Boesch im Vorwort ihrer neuen Publikation „DIE DADA – Wie Frauen Dada prägten“ trocken bemerkt. Viele der Dadaisten seien, trotz ihrer Rebellion gegen künstlerische und gesellschaftliche Konventionen, Patriarchen geblieben, etwa indem sie die Rolle und Bedeutung von Frauen in Dada verschwiegen oder kleiner machten, als sie war.

Dada wird 100

Ina Boesch hat in ihrem spannenden Buch ein bisher wenig bekanntes Kapitel der westeuropäischen Kunstgeschichte ans Licht gebracht, nämlich die Rolle der Dada-Frauen. Es liefert viele, teilweise kleinteilige Informationen – und Einblicke in interessante Biographien. Boesch kann jedenfalls zeigen, dass Frauen in Dada sehr wohl präsent waren, auch wenn bislang nur Hannah Höch (1889-1978), Sophie Taeuber-Arp (1889-1943) und Sonia Delaunay-Terk (1885-1979) als eigenständige Künstlerinnen bekannter sind.

Ina Boesch porträtiert Malerinnen, Literatinnen, Tänzerinnen, Musikerinnen, Verlegerinnen und Mäzeninnen, die in Dada aktiv waren oder die Bewegung gefördert haben. Sie lebten in  Zürich, Berlin, die Niederlande, Paris und New York – meist als Lesben, Jüdinnen, Emigrantinnen – am Rand der Gesellschaft. Das ermöglichte ihnen aber vergleichsweise mehr Möglichkeiten sich und ihre Werke zu zeigen, als der klassische Kunstbetrieb jener Zeit.

Im letzten Drittel des Buches stellen dann fünf weitere ExpertInnen die Malerin Angelika Hoerle (1899-1923), die Schriftstellerin Celine Arnauld (1895-1952) und die Performerin Elsa von Freytag-Loringhoven (1874-1927) in eigenen Artikeln vor.

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Ina Boesch (Hrsg.): DIE DADA. Wie Frauen Dada prägten, Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich 2015, 164 Seiten, 29 EUR

Gleich nach der Sommerpause, am 26. September 2015 wird im Kunsthaus Stade eine Ausstellung zu Hannah Höch eröffnet.

Text: Bernd Hüttner