#tatort: Ein bisschen Hollywood in Bremen

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Tatort „Der hundertste Affe“: Heute gedreht und im Mai 2016 ausgestrahlt. © Foto: Heike Mühldorfer

Der nächste Bremer Tatort lässt es so richtig krachen… wenn es nach den Infos geht, die am ersten Drehtag im Stadionbad schon mal vorab ausgeplaudert wurden: Es wird ein Katastrophenthriller, ein Erpresser bedroht die ganze Stadt mit einem Anschlag. 24, die Krimiserie in Echtzeit aus Hollywood, ist quasi Vorbild. In der Bremer Variante geht es genauso atemlos zu und der Fall wird an einem Tag gelöst. Außerdem gibt es mal wieder eine Liebesgeschichte. Doch auf meine erste Leiche am Set muss ich weiterhin warten. Diese Szene ist nämlich im Stadionbad bereits abgedreht, die Schauspielerin schon beim Mittagessen, als ich den Tatort im Pulk mit Bremer Medienleuten betrete. Auch die Komparsen, die bei knackigen 14 Grad in Bikini und Badehose bestimmt viel Spaß hatten, durften sich schon ihre warmen Bademäntel überziehen. Bremer Sommer halt!

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Florian Baxmeyer am ersten Tag der Dreharbeiten zum Tatort „Der hunderste Affe“ im Bremer Stadionbad. © Foto: Heike Mühldorfer

Doch den dramatischen, wolkenverhangenen Himmel findet Regisseur Florian Baxmeyer eigentlich ganz passend zum Bedrohungsszenario. Die Leiche in der Außendusche wird tatsächlich ziemlich am Anfang gefunden und läutet damit eine „atemlose Jagd auf einen Erpresser ein“. Baxmeyer dreht bereits seinen elften Tatort, aktuell den siebten in Folge, auch den packenden „Brüder“-Tatort um die kriminellen Verstrickungen eines (libanesischen) Familien-Clans in der Hansestadt hat er in Szene gesetzt. Genauso den jüngsten Öko-Fall „Wer Wind sät, wird Sturm ernten“, den Hauptkommissarin Inga Lürsen und Hauptkommissar Stedefreund gerade lösen konnten.

Im aktuellen Fall geht es wieder um Polit-Ökoaspekte – gentechnisch verändertes Saatgut –, und ums Freipressen eines inhaftierten Biochemikers. Das Druckmittel ist ein verheerender Anschlag auf die ganze Stadt. Deshalb bekommt das Bremer Ermittlerteam Unterstützung von Bundeskriminalamt (BKA) und Spezialeinheiten, „auch wenn wir den Fall allein auch gelöst hätten“, wie Sabine Postel meint. Dann aber könnte es ja nicht zur Begegnung ihres Filmkollegen mit Linda Selb kommen.

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Oliver Mommsen, Sabine Postel, Luise Wolfram und Matthias Brenner im Bremer Sommer. © Foto: Heike Mühldorfer

Luise Wolfram spielt die taffe, clevere Frau vom BKA

Das neue Gesicht im Tatort ist Schauspielerin Luise Wolfram, die mit ihren gerade mal 27 Jahren auf eine lange Liste anspruchsvoller Film- und Theaterrollen blicken kann. Schon als 7-Jährige spielte sie im Kinofilm „Engelchen“ mit, als 15-Jährige dann zum ersten Mal einen Krimi, eine Rolle im Polizeiruf 110. Im neuen Tatort gibt sie die taffe BKA-Ermittlerin, Hackerin und Chemikerin Linda Selb, sie ist körperlich topfit, doch sie darf auch Gefühle zeigen. Nämlich für Stedefreund. „Man fragt sich, warum sie sich gut finden, aber es findet tatsächlich statt“, so ihre knappe Analyse dieser Beziehung. Besonders freut sich Wolfram darüber, dass sie diese fürs (deutsche) Fernsehen so untypische Frauenrolle spielen darf. „Sie kann sehr viel und es geht um ihren Job, nicht um Kinder, Familie oder Muttersein.“ Überhaupt ist dieser Tatort mit viel Frauenpower ausgestattet, auch Lürsens Tochter Helen Reinders (gespielt von Camilla Renschke) ist wieder im Einsatz. „Das ist doch gut, oder?“, kommentiert Sabine Postel und sieht die Entwicklung der deutschen Tatort-Besetzungen ziemlich gleichberechtigt.

Bremen ≠ Hollywood

Damit wären wir beim großen Unterschied zu aktuellen Hollywood-Produktionen, wo eher die Kerle Fälle lösen und die Frauen hübsches Beiwerk abgeben. Das steht Bremen gut zu Gesicht, wie ich finde. Und auch wenn für mich beim Fototermin im Stadionbad ein Hauch von Hollywood in der Luft hing, so gehört Bremen wohl eher zu den untypischen Filmstädten. Denn unaufgeregt bremisch ging es danach weiter: Ohne Absperrungen, völlig entspannt und ohne großen Auflauf von Fans oder Schaulustigen wurde die nächste Szene am Deich neben dem Stadionbad gedreht. Dreharbeiten in Bremen? Das Normalste der Welt. Wahrscheinlich weil die Stars so sympathisch und unprätentiös auftreten wie Postel und Mommsen. Und irgendwie gehören ihre Alter egos Lürsen und Stedefreund ganz einfach zu Bremen dazu.

Noch bis Mitte Juli wird in Bremen am neuen Tatort „Der hundertste Affe“ (Buch: Christian Jeltsch) gedreht, gezeigt wird er dann voraussichtlich am Pfingstsonntag, den 15. Mai 2016.

Text und Fotos: Heike Mühldorfer

4 Kommentare

    • Heike Mühldorfer sagt

      Aha, das ist ja klasse! Dann wird es besonders interessant, dass der Fall bis nach Afrika reicht!

  1. „Sie kann sehr viel und es geht um ihren Job, nicht um Kinder, Familie oder Muttersein.“ sagt Luise Wolfram über ihre Rolle. Verzeihen kann ich Frau Wolfram diesen Spruch nur, weil ich selbst in sehr sehr jungem Alter auch sowas hätte von mir geben können.
    Da antworte ich doch mit einem meiner Lieblingsmänner:
    „A (wo)man who views the world the same at fifty as he did at twenty has wasted thirty years of his life“ Muhammad Ali

    • Heike Mühldorfer sagt

      Ich verstehe ihre Aussage so, dass sie entgegen all der anderen stereotypen Frauenrollen im Fernsehen die Facette zeigen kann, die sonst nur Männern zugestanden wird. Da kann ich ihr nur zustimmen.

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