#Wohnzimmerkonzert: John Elliott über seine Musik und „Double Dank“

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John Elliot in Aktion war nicht immer so „sensitive“, manchmal wurde es richtig rockig. Foto: © Kathrin Truhart

Der Mann mit der Gitarre hatte auf jeden Fall echtes Showtalent: John Elliott sucht sich sein Plätzchen, legt los und hat seine Zuhörer in wenigen Minuten an der Angel. Beim kleinen, aber feinen Wohnzimmerkonzert* in der neuen Büroküche der Glucke (ja, wir sind umgezogen: Postalische Liebesbriefe jetzt bitte in die Westerstraße 93 schicken) schnappte sich John einen Stuhl, plauderte und legte nach kurzem Geplänkel und „Hi allerseits – nice to be here“ los: volle, ausdrucksstarke Stimme, 1A-Gittarenskills und eine locker acht Wohnzimmer füllende Präsenz hat der Mann dabei. Da nimmt’s ihm wirklich keiner übel, dass er beim Stuhl zurechtrücken in Johnny Cash-Manier sein Glas Zitronenlimo an der frisch renovierten Wand verteilt hat. Janina hat ihn lieber nach seiner Musik gefragt.

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Singer/Songwriter mit politischer Botschaft und sehr sympathisch obendrein: John Elliott aus San Francisco bei seinem Wohnzimmerkonzert in Bremen. Foto: © Kathrin Truhart

Textkostprobe:
when you crashed your car and reached your death the angels all have whiskey breath in heaven – well they don’t have no hangovers in heaven, no headaches; no hangovers in heaven in heaven: go to bed, wake up feeling like a saint instead…take a shower an go to work in heaven
(Auszug aus „Everybody Drinks und Drives in Heaven“ by John Elliott)

John, du bist Singer/Songwriter – ich persönlich höre auch Country-Einschläge heraus. Wie würdest du deine Musik beschreiben?

Eine höllenschwierige Frage. Also im Teenie-Alter habe ich alles von Heavy Metall, über Rock bis Rap gehört. All das hat mich beeinflusst. Klar, dass sagen immer alle Künstler. Ich bin schon klassisch Singer/Songwriter und meine Songs bekommen dann teilweise eine Stileinfärbung. Im Fall von „Everybody drinks and drives in Heaven“ war´s Country.

Du hast sehr unterschiedliche Texte dabei gehabt. In einem deiner Songs singst du „I don’t like you New York City“ und endest aber mit „New York City you are number one“…

Ja, und ich hoffe das kommt jetzt in keinem Fall falsch rüber. 9/11 hat mich zu diesem Song inspiriert und ich habe auch eine persönliche Beziehung zu New York, weil ich dort fünf Monate gelebt habe. Seit 9/11 beschäftigt mich, wie Amerika mit den Terroranschlägen umgegangen ist. Sie wirken nach und die Antwort meiner Heimat gefällt mir nicht. All das ist in den Text eingeflossen.

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Gemütlichkeit ist oberstes Gebot, hier hält sich der drittjüngste Zuhörer dran. Foto: © Heike Mühldorfer

Du hast vorhin Scherze über eine international immer wieder falsch mitgesungene Zeile gemacht…

Ja, richtig. Ich frage mein Publikum gerne nach Support und hier geht’s darum schnell und mit Druck dahinter die Zeile „I got my feet to the fire“ als Sing-a-long. Wir Amerikaner sagen damit sowas wie „Tell me, or I will stick your feet to the fire…“ (in etwa für gegrillt/geröstet warden). Die meisten Europäer singen die Zeile “happy” ohne drohende Betonung mit.

Wie lange spielst du eigentlich schon Gitarre?

Puh, ich kann mich gar nicht richtig erinnern. Ich habe schon als 7-Jähriger Gitarre gespielt und spätestens mit 21, 22 Jahren war es mir ernst, mit dem Musiker werden. Verdammt lange Zeit (lacht). Am College habe ich noch Theater studiert und so.

Ein paar Fetzen Deutsch kannst du und  hast dich vorhin so nett mit „Double Dank“ bedankt.

Ja, euer Dankeschön ist zu schwer und ich mag die Idee noch mehr „Dank“ auszudrücken, wenn ich ein nettes Publikum habe. Die Osloer waren auch nett, aber hier hatte ich heute eine super Zeit.

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Oslo also, und davor? Hattest du nicht erwähnt, dass du in San Francisco wohnst?

Jepp, ähm. Ich bin aus San Fransico nach Deutschland, Dänemark und Norwegen gereist. Ich hatte jetzt zwei Wochen eine echt schöne Zeit und stand unter anderem in Hamburg, Münster, Aachen, Göttingen und Köln auf der Bühne. Hier heute Abend bin ich gelandet, weil ich vor vier Jahren schon mit einem Kumpel „Stephan Honig“ auf Tour war. Mein Freund und auch Musiker „Robert Blake“ ist auch gerade in Deutschland unterwegs und wird vom gleichen Mensch betreut, der unsere Gigs damals organisiert hat. Robert hat mir eine Mail geschrieben, ob er mir mit ein paar weiteren Gigs helfen soll. Und er hat mir dann die Adresse von netten Menschen, die hier heute Abend im Publikum dabei waren, gegeben. Wir haben gemailt und es hat gepasst. Ich bin auch ein bisschen traurig, dass heute mein letzter Tag hier ist. Bevor’s zurück nach Amerika geht, schaue ich aber noch bei Freunden in Nizza vorbei.

Double Dank einen guten Rückflug!

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Der erste Sticker auf dem Büro-Kühlschrank plus Autogramm. Weitere (Wohnzimmerkonzerte) sollen folgen. © Heike Mühldorfer


John Elliott wurde in Minnesota geboren und lebt jetzt in Californien. Seine Musik findet ihr auf seiner Webseite: thehereafterishere.com

Und so klingt John Elliot:

*Wohnzimmerkonzert – was ist das?

Mega-Konzerte sind out, Wohnzimmerkonzerte sind im Trend! Dank Promotionsagenturen für in Europa eher unbekannte Singer-/Songwriter wie die Bremer Songs-and Whispersyouareawesome oder durch private Kontakte (so wie in unserem Fall) gibt es auch in Bremen immer öfter feine Konzerte im kleinsten Rahmen (von Wohnzimmer über Büroküche bis Ein-Raum-Kneipe). Die KünstlerInnen überzeugen quasi hautnah von ihren Qualitäten, erhalten keine feste Gage sondern das, was am Konzertende im Hut liegt und bauen natürlich darauf, dass sie per Mundpropaganda bekannter werden.

Zu den genannten „netten Leuten“ in der Bürogemeinschaft FÜNFFOURFÜNF in der Westerstraße gehören außerdem herrboettger und seine Agentur für Print und Web, Illustratorin Sabrina Krämer und ihre binenschmiede, Kinderbuchautorin und Journalistin  Anna Tollkötter aka Anna Lott sowie Fotografin Kathrin Truhart, die uns – herzlichen Dank dafür! – zwei tolle Porträts des Sängers zur Verfügung gestellt hat. Die restlichen Fotos sind von Heike Mühldorfer.

Interview: Janina Weinhold