#comictag: Kleine Bildchen – grosse Wirkung

Gratiscomictag Jan Albin

Jan Albin vom Comic Café hält schon die heißbegehrte Ware in den Händen.

Wenn er an den Gratiscomictag denkt, beginnt Lothar Bachmanns Herz schon Monate vorher nervös zu pochen. In sechs Jahren hat sich das Bild immer mehr gefüllt, dass ihm dabei in den Sinn kommt: Lange Schlangen, schon bevor der Laden öffnet und unzählige Menschen, die sich über die Exemplare hermachen. Bachmann – ein Comic-Urgestein – steht seit 31 Jahren hinter der Theke des Shops Comic Café in der Neustadt. Am Sonnabend, 9. Mai, wird er seinen letzten Gratiscomictag bestreiten, danach geht er in den Ruhestand und liest die Strips nur noch in seiner Freizeit. „Es wird mir auf jeden Fall schwer fallen, den Laden zu verlassen. Schließlich habe ich mein halbes Leben damit verbracht, die Hefte zu verkaufen“, sagt der 60-Jährige. Über die Jahre interessieren sich immer mehr für die Bildgeschichten und Sprechblasenkunst. In seiner Jugend war das noch anders. „Die Kioskverkäuferin schaute mich immer ganz schräg an, wenn ich als Junge einen Comic verlangte“, erinnert sich Bachmann. Die franko-belgischen Exemplare von Asterix hatten es ihm angetan. Besondere Liebhaberstücke musste er damals wochenlang auf dem Flohmarkt suchen.

Schnell sein und zugreifen – am Gratiscomictag gibt es Sonderdrucke gratis.

Schnell sein und zugreifen – am Gratiscomictag gibt es Sonderdrucke gratis.

Heute ist es einfacher, die ganze Bandbreite der Comic-Kunst zu entdecken – beispielsweise beim Gratiscomictag. Am 9. Mai liegen in beteiligten Shops republikweit kostenlose Vordrucke fast aller deutschen Verlage aus. 34 Titel sind es in diesem Jahr. Vom Donald Duck-Klassiker bis zum zeitgenössischen Flüchtlingsdrama wird zeichnerisch und erzählerisch eine breite Palette geboten.

In Bremen sind auch die Logbuch KG und die Bremer Comic Mafia dabei. Erstmals beteiligt sich die Stadtbibliothek Am Wall an der Action.

Alte Freunde: Jan Albin arbeitet schon lange im Comic Café, sein "Kollege" Marsupilami.

Alte Freunde: Jan Albin arbeitet schon lange im Comic Café, sein „Kollege“ Marsupilami.

Das Comic Café bietet ein besonderes Schmankerl: „Als einziger der drei Läden geben wir auch amerikanische Hefte aus“, sagt Jan Albin. Er ist langjähriger Mitarbeiter im Comic Café, Liebhaber der Bildgeschichten und wird den Laden weiter führen, wenn Bachmann sich zurückzieht. Wer glaubt, die bunten Hefte wären nur etwas für Kinder, täuscht sich gewaltig. Das Publikum im Comic Café hat sich in den vergangenen Jahre gewandelt – der Bestand auch. Es kommen sehr viel mehr Mädchen und Erwachsene. Mittlerweile gibt es unter der Bezeichnung Graphic Novel auch abgeschlossene gezeichnete Romane, Biografien, Reportagen und Klassiker.

Albins Favoriten sind in diesem Jahr „Terrible Lizard“ – eine Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem Mädchen und einem Dinosaurier; der Thriller „Outcast“ aus der Feder des „The Walking Dead“-Erfinders Robert Kirkman. Klassiker wie Simpsons, Pokémon und Donald Duck laufen bei den Kindern sowieso. Empfehlenswert ist auch Reinhard Kleists gezeichnete Reportage aus einem Flüchtlingscamp im Nord Irak. Der Zeichner ist für seine politischen und sozialen Themen bekannt. Für die Recherche hat Kleist sich selbst im Camp aufgehalten und mit den Kindern gezeichnet.

Checkliste für den Gratiscomictag: Freie Hände, leere Taschen und vor allem frühzeitiges Erscheinen. Die Schlange ist meist schon vor Ladenöffnung lang.

Der sechste Gratiscomictag findet am Sonnabend, 9. Mai, in den Shops Comic Café, Langemarckstraße 73, Bremer Comic Mafia, Friedrich-Ebert-Straße 18, Logbuch KG, Konsul-Smidt-Straße 8q, sowie in der Stadtbibliothek Am Wall in der Zeit von 10 bis 14 Uhr statt. Weitere Infos unter www.gratiscomictag.de.

Fotos: Annica Müllenberg