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#Arbeitswelt: Schreibtisch-Flucht als Geschäftsmodell

Lena Felixberger (Gründerin) & Liza Meinhof (PR) von Descape beim Klub Dialog im Bremer Universum. Foto: J.Weinhold

Nachgefragt bei Lena Felixberger (Gründerin) & Liza Meinhof (PR) von Descape beim Klub Dialog im Bremer Universum. Foto: J.Weinhold

Das Startup „Descape“ bietet Schnupperausflüge in kreative und handwerkliche Jobs

Abends unter vier Augen ist der Stress im Büro schnell mal ein Thema. Viele Menschen träumen dann laut von einem anderen Job: „Wenn ich eine Schneider-Ausbildung hätte, könnte ich mein eigenes Atelier aufmachen“. Auch Lena Felixberger, Mitgründerin von Descape, hat solche Gespräche häufig geführt. Im vergangenen Jahr hat sie eine Geschäftsidee daraus gemacht: „Descape“ – eine Plattform für Kreative, die Schreibtischtätern einen Ausflug in ihre Jobs anbieten.

„Endlich mal was mit den Händen machen“

Die heutige Arbeitswelt kann aufreibend sein und nicht immer stiftet sie Sinn. Genau da liegt Lenas Marktlücke. Auf der Plattform „Descape“ vermittelt sie  Ausflüge in Traumjobs per Klick. Der Slogen lautet: „Entdecke deinen Traumjob. Ohne deinen echten Job zu kündigen“. Die Angebote kommen von Handwerkern oder Kreativen. Die Bremer Drehbuchautorin Annette Assmy bietet zum Beispiel einen Ausflug in ihr Metier an. Es geht aber auch exotischer als Wildhüter in Costa Rica. Die Schreibtisch-Fluchten kosten aber Geld.

Reinschnuppern jenseits vom Praktikum

Da müssen Lena und Kollegen schon mal mit kritischen Fragen rechnen: „Ihr vermittelt also Praktika, für die auch noch gezahlt werden muss?“ Auf solche Einwände reagiert sie gelassen und sagt: „Ich glaube, das geht an der Lebenswirklichkeit vorbei. Die meisten Leute haben ja einen Karriere-Pfad eingeschlagen und sehr viel in diesen Weg investiert. Wer mit Mitte 30 seinen Job kündigt um ein Praktikum zu machen, hat einen riesigen Prestigeverlust. Wer macht das schon?“ Die Möglichkeit gegen Geld risikolos und ohne Prestigeverlust mal was anderes zu erleben, sei deshalb eine Chance. Und die Suche nach Selbstverwirklichung und das Tauschprinzip lägen eben im Trend.

Erlebnisse sind schon länger ein Konsumgut

Plattformen wie „regiondo“und „mydays“ machen es vor mit Alltagsfluchten als Freizeiterlebnis. Der Anbieter „mydays“ hat mit Fallschirmspringen und Co. schon vor drei Jahren 60 Millionen Euro Gewinn gemacht. Die Freizeit-Erfahrung „Einmal Fallschirmspringen“ bieten Lena und ihre Mitstreiter jetzt auch für die Berufswelt an.

Neue Einnahmequelle für kreative Bremer

Auch in Bremen soll es, wenn es nach Lena geht, mehr Ausflüge in Werkstätten und kreative Jobs geben. Melden können sich Kreative, wie Illustratorinnen oder Tischler, die Lust haben, anderen Menschen ihren Job zu vermitteln. Der Beruf sollte sich außerdem innerhalb eines Tages erleben lasen. Problematisch sind eher Jobs mit hohen Sicherheitsvorgaben, wie etwa Fassadenkletterer. Die Vermittlungsprovision für ein Descape-Angebot liegt bei 20 Prozent. Der Rest bleibt beim Anbieter.

Träume testen, Kurz-Auszeiten suchen

Manchmal laufen bei Descape auch Anfragen ein, von Menschen die zum Beispiel von einer eigenen Konditorei träumen und neu anfangen wollen. Längere Wunschauszeiten vermittelt Descape auf Anfrage. Wirklich Unglückliche würde Lena eher zum Coach schicken. Immerhin können Jobwechsel-Willige aber ihren neuen Job vor der Kündigung austesten und damit die Probe aufs Exempel machen.

Descape ist eine clevere Idee. Sie zielt auf die heutige Sinnsuche in der Arbeitswelt ab und schafft Handwerkern und Kreative eine neue Einnahmequelle. Ob der Zeitgeist „Erlebnisse kaufen“ als Mittel gegen sinnentleerte Jobs taugt, bleibt ein anderes Thema.

Descape wurde 2014 von Lena Fuchsberger und Heiko Strubel (beide in de Kommunikationsbranche) gegründet.

Wer sich sonst noch beim Klub Dialog vorgestellt hat, seht ihr hier:

http://klub-dialog.de/

Text: Janina Weinhold

 

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