#buchtipp: Die Rosa-Hellblau-Falle

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Im Freundeskreis und in den Medien wird viel über einen Backlash bei den Geschlechterrollen debattiert, gerade unter Kindern: Rosa Prinzessinnen, Sterne und ähnliches für die Mädchen, Actionfiguren und Roboter für die Jungs scheinen sich immer weiter zu auszubreiten. Almut Schnerring und Sascha Verlan wollen mit ihrem Buch diesem Trend entgegenwirken. Ihre These lautet: Es gibt keine geschlechterneutrale Wirklichkeit, aber sehr wohl eine geschlechtergerechte Erziehung. Diese sei dringend notwendig, erfordere allerdings Know-How.

„Das sind die Gene!“ zählt nicht

Nützliches Know-How geben die beiden, die selbst drei jüngere Kinder haben, auch wenn die gewählte Sprache teilweise etwas akademisch ist. Sie meinen, man kann sehr wohl Einfluss nehmen oder „Nein“ sagen. Sie geben zu bedenken, dass Kinder sich kaum „frei entscheiden“ können, wenn sie in Schule, Elternhaus, Medien und durch ihr Spielzeug von Klischees umgeben sind.Sie setzen sich auch differenziert und ausführlich mit den gängigen Argumenten auseinander, die in diesen Debatten immer wieder zu hören sind: „Das sind die Gene“ oder das ist doch angeboren, oder „mein/e [Name des Kindes einsetzen] will es ja so, da kann ich nicht machen“. Sie entlarven zum Beispiel die These „Mädchen können schlechter Mathe“ in wenigen Sätzen. Wenn Mädchen Mathe weniger zugetraut wird, fühlen sie sich bei diesem Fach unwohl. Sie verwenden viel ihrer Kraft darauf, trotzdem zu funktionieren und ihre Angst zu unterdrücken, und machen deswegen Fehler. Resultat: Mädchen haben schlechtere Noten in Mathematik.

Geschlechterverhältnisse sind änderbar

Solche sehr konkreten Beispiele, sowie zuweilen skurrile und lustige aus dem Leben der AutorInnen und ihrer Kinder, finden sich zuhauf in diesem Buch und machen es dadurch gut handhabbar. Es ist lesenswert für alle, die sich privat – und erst recht beruflich – mit Kindern auseinandersetzen. Es zeigt, dass Geschlecht durch Denken, Reden und Handeln – immer wieder – hergestellt wird. Geschlechter sind also weniger von der Natur, sondern von sozialen Handlungen bestimmt – und deswegen sind Geschlechterverhältnisse auch änderbar.

Mein Fazit: Ein gutes Buch zu einem eminent wichtigen Thema.

P.S.: Und ganz aktuell passt dazu die Diskussion um Tchibo-Kinderbettwäsche, die mit ihrer Astronauten- bzw. Prinzessinnenwäsche in den Fokus von Pinkstinks geraten ist. Die Kampagne der Hamburgerin Soziologin Stevie Schmiedel richtet sich gegen Produkte, Werbeinhalte und Marketingstrategien, die Mädchen – und auch Jungs – eine limitierende Geschlechterrolle zuweisen. Mehr Infos dazu auf ihrer Homepage pinkstinks.de

Almut Schnerring/ Sascha Verlan: Die Rosa-Hellblau-Falle, 256 Seiten, 16,95 EUR, Verlag Antje Kunstmann, München 2014

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Text: Bernd Hüttner