#shakespeare: Jetzt kommen die Damen

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Wie es Will gefällt mit seinen Damen. Foto: © M. Menke

Shakespeare mal anders: Es gibt mehr zu fragen als „Sein oder Nichtsein“. Zum Beispiel, warum Ophelia, Hamlets Geliebte, nur gerade einmal 0,57 Prozent des Textes in dem Rachedrama zustehen. Warum darf der dänische Prinz sich seit Jahrhunderten als Held rühmen, wenn er doch eigentlich ein waschlappig-zarter Zauderer ist – ständig im Zwiegespräch mit einem Totenschädel?

Polternde, laute und nörgelnde Heldinnen

Im Stück „Wie es Will gefällt“, das anlässlich des Geburtstags des Briten von Jessica Swale geschrieben wurde, geht es nicht blumig-poetisch zu. Polternd, laut und nörgelnd verschaffen sich die verkannten Heldinnen Gehör. „Shakespeare ist ein Chauvinist gewesen“, krakeelen Ophelia (Petra-Janina Schultz), Julia, Katharina und andere. Ein Showlauf der Eitelkeiten beginnt: Die Frauenfiguren behaupten von sich, verkannte Hauptcharaktere zu sein. Dabei fing alles ganz harmlos an. Eigentlich wollte der Literaturexperte Lewis Parish (Peter Lüchinger) in einem Vortrag auf die Glanzleistungen des Dichters hinweisen, sein „bestes Stück“ analysieren. Doch der rebellierende Mob macht ihm einen Strich durch die Rechnung: kleinkariert werden zahlenreiche Statistiken aufgestellt. Sie sollen beweisen, dass der Zögerer Hamlet sich in vielen Tausend Zeilen Wortschwallen hingeben darf, die nicht viel aussagen.

Theatrale Abrechnung mit Shakespeare

Ist „Hamlet“ das beliebteste Werk oder nicht – das ist die entscheidende Frage. Auf ein Wort bittet in dieser Diskussion auch Christopher Marlowe (Tim D. Lee). Eine Riege von Literaturwissenschaftlern vermutet, dieser habe die Dramen und Komödien geschrieben, Shakespare schmücke sich also mit fremden Federn. Im Theater am Leibnizplatz hat Marlowe nun seinen großen Auftritt und erzählt, wie es wirklich war – beispielsweise mit Romeo und Julia.

Der britische Regisseur Raz Shaw behauptet, Shakespeare früher gehasst zu haben, spätestens jetzt ist er ausgesöhnt mit dem Dichter. Die laute Komödie ist eine Abrechnung mit dem großen Dichter. Lacher und viele Anekdoten über den Meister sind garantiert. Es gibt eben noch mehr als „Sein oder Nichtsein“.

Nächste Aufführung: „Wie es Will gefällt“ wird wieder am Freitag, 23. Mai, ab 19.30 Uhr in der Bremer Shakespeare Company aufgeführt. Weitere Termininfos im Internet unter www.shakespeare-company.com.

Text: Annica Müllenberg