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#kulturtipp: Auf nach Emden zur Lyonel-Feininger-Ausstellung

Feininger_Marine

Der 1871 in den USA geborene Lyonel Feininger ist Sohn deutscher Eltern und sehr musikalisch begabt. Ab 1887 lebt er in Deutschland. Er arbeitet unter anderem als Comiczeichner. 1907 beginnt er zu malen, ist 1913 Teil des berühmten ersten deutscher Herbstsalon des STURM und hat 1917 – im Alter von 46 Jahren – seine erste Einzelausstellung in der STURM-Galerie. 1919 wird er als erster Künstler an das Bauhaus in Weimar berufen. 1921 bis 1925 ist er dort Leiter der Druckwerkstatt. Nach dem Umzug des Bauhaus´ nach Dessau arbeitet er ohne Lehrverpflichtung weiter. 1936 geht er erstmals in die USA und im darauffolgenden Jahr emigriert er endgültig in die USA, wo er 1956 in New York stirbt. Für die Nazis zählen seine Werk zur „Entarteten Kunst“.

Holzschnitte und Gemälde im Kontrast

Die Kunsthalle in Emden zeigt nun noch bis 11. Mai ungefähr 60 der zwischen 1918 und Ende 1920 entstandenen Holzschnitte Feiningers – und kontrastiert sie mit elf seiner Gemälde. Die Holzschnitte zeigen vor allem Motive wie Kirchen, Dörfer, Städte, Häfen, Schiffe und Küsten. Es sind aber auch Skizzen zu sehen oder die Gründungserklärung des Bauhaus´ mit der berühmten, von Feininger gestalteten Kathedrale als Titelmotiv.

Die Holzschnitte leben zum einen vom Hell-Dunkel-Kontrast, der eine erstaunliche Feingliedrigkeit und Ausdrucksstärke ermöglicht. Sie illustrieren aber auch das Prinzip des Bauhaus´ (zumindest der damaligen, anfänglichen Phase), dass Kunst nicht lehrbar sei, aber wohl das Handwerk: Feininger brachte sich die komplizierte Technik des Holzschnittes selbst bei. Gerade die Dörfer und Kirchenansichten wirken wie nachgezeichnete Kindheitserinnerungen, wie die Visualisierung einer (verlorenen) Heimat, einer Heimat, wie in Anlehnung an den Philosophen Bloch gesagt werden kann, in der noch niemand war(*). 1954 schreibt Feininger in einem Brief an den Bildhauer Gerhard Marcks: „Ich träume von krummen staubigen Thüringer Dörfern, die ich vor einigen 30 Jahren per Rad aufsuchte und zeichnete.“ Über seinen Wohnort New York sagt er im Herbst 1953, knapp drei Jahre vor seinem Tod: „New York enthält zu wenig von meinen inneren Wünschen“.

Zuerst Feininger, dann die Dauerausstellung der Kunsthalle

Die Ausstellung ist eine veränderte Übernahme der Lyonel-Feininger-Galerie Quedlinburg. Die Dauerausstellung der Kunsthalle ist ebenfalls einen Besuch wert. Sie enthält viel moderne Kunst, aber auch sehenswerte Werke expressionistischer Künstler, etwa Otto Mueller, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff, oder Emil Nolde. Drei der berühmten Charakterköpfe von Alexej Jawlensky sind auch zu sehen, wirken aber eher schwach.

Kunsthalle Emden, Hinter dem Rahmen 13, 26721 Emden, Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag 10 – 17 Uhr, Sa, So, Feiertage 11 – 17 Uhr, Montag geschlossen, Eintritt 8 EUR, ermäßigt 6 EUR, Kinder bis 15 Jahre frei. Die Kunsthalle liegt 5 Gehminuten vom Bahnhof Emden entfernt. Die Ausstellungsräume sind bis auf minimale Ausnahmen barrierefrei.

Ausstellungspublikation // Björn Egging (Hrsg.): Auf dem Weg zum Bauhaus-Künstler. Lyonel Feininger. Holzschnitte,272 S.,  Kerber Verlag, Bielefeld 2013 (Buchhandel: 54 EUR, in der Ausstellung 29,90)

 

(*) Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat. (Bloch, Prinzip Hoffnung)

 

 Illustration: Lyonel Feininger, Marine, 1919, (c) VG Bild-Kunst Bonn (via Kunsthalle Emden)

Text: Bernd Hüttner

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