reiseZeit: Drei Bremer in Sydney

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Sydney ist eine Hafenstadt, die Nähe zum Wasser ist den Bewohnern ein Bedürfnis. Und auch ich komme nicht an dem Blick ins Blaue vorbei: An der Harbour Bridge und der berühmten Oper kann man zwar die Augen schließen, das Wellenrauschen ist trotzdem nicht zu überhören. Meinen Lieblingsplatz finde ich schon am ersten Tag. Nach einem Spaziergang durch den Botanischen Garten, hinter dem die Hochhäuser des Finanzviertels emporragen, umrande ich die vom Wind umtoste Landzunge am Mrs Macquarie’s Chair und sehe sie – die Oper. Ich setze mich auf einen ausgewaschenen Sandsteinvorsprung und genieße den Wettstreit der bekanntesten Sehenswürdigkeiten – die Harbour Bridge scheint zu sagen: „Ich war zuerst da“. Das Konzerthaus hält mit weit aufgefächerten Segeln wie ein stolzer Pfau dagegen. Während der Bauphase war es ein Hassobjekt, seit 2005 wird es als Unesco-Weltkulturerbe verehrt und ist ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt.

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Betreten erwünscht

Der Blick über die gepflegten Grünflächen des Botanischen Gartens, in dessen Rasen Füße wie in einen Teppich versinken, macht die Gedanken frei. Auf Schildern steht: „Betreten unbedingt erwünscht und fühlen Sie sich frei, die Bäume zu umarmen“. Sydney ist meine heimliche Hauptstadt. Hätte mich vor einem halben Jahr jemand nach dieser gefragt, kämen mir Sydney und Melbourne zuerst in den Sinn und dann dieses merkwürdige Gefühl, dass das sechstgrößte Land von einer Stadt mit C aus regiert wird – ach ja, Canberra! Sydney jedoch kennt jeder. Hochhäuser und geschäftiges Treiben im Finanzbezirk erinnern dort an ein New York im Kleinformat. Stundenlang könnte ich auf die Oper sehen. Ich kann mich nicht entscheiden, ob die Architektur des Dänen Jørn Oberg Utzon eher an Muscheln oder Schiffssegel erinnert. Ein anderer Vergleich schießt mir aber sofort in den Kopf, als die Gästeführerin fragt: „Sind Hamburger unter uns?“ Ähnlich wie die Elbphilharmonie sollte das futuristische Gebäude, in dem INXS und Coldplay schon gespielt haben, sehr viel weniger kosten und eher fertig werden: aus sieben Millionen Australischen Dollar wurden 100 und die mit drei Jahren veranschlagte Konstruktionszeit verlängerte sich auf 16. Der Architekt wurde aus diesen Gründen noch vor der Fertigstellung aus dem Land gejagt. Den Klang in den zwei mit Holz verkleideten Hallen hat er nie gehört, seine ausgefeilte Anordnung der Kacheln, die dem Dach die außergewöhnliche 3-D-Struktur verleihen, nie gesehen. Dieser Fakt wirkt nach in mir – ich kann nicht nur durch die Säle schlendern, sondern ganz selbstverständlich im Programmheft blättern: Mozarts Zauberflöte steht dieser Tag an und die Oper Carmen. Außerdem gibt Diana Krall ein Konzert, die Frau von Elvis Costello.

Denis Fischer links und Carsten Sauer_©Annica Müllenberg_lowres

Wie wär’s heut‘ mit Revue?

Auf einen besonderen Auftritt freuen sich auch zwei Bremer: Denis Fischer und Carsten Sauer werden zwar nicht in der berühmten Oper singen, dafür aber an Bord der „MS Columbus 2“. Das Duo ist extra in die Hafenstadt gekommen, um auf dem Kreuzfahrtschiff Konzerte zu geben. Bevor ich den beiden jedoch mit einem Taschentuch nachwinke, wollen wir noch das Bier am anderen Ende der Welt testen. „Wir sind zum ersten Mal in Down Under“, sagt Fischer, der derzeit auch der künstlerische Leiter der Schwankhalle in der Neustadt ist. Schon zweimal durften sie mit dem Programm „Tonight: Harald“, in dem sie Lieder des Berliner Urgesteins Harald Juhnke performen, durch das Mittelmeer schippern. Dass die Show sie aber ans andere Ende der Welt bringen würde, davon war nicht auszugehen. „Wir haben es kurz vor Weihnachten erfahren. Es war das schönstes Geschenk“, erklärt Pianist Sauer. Sie haben eine Fahrt durch den Pazifik vor sich. Vorbei an den indonesischen Inseln bis nach Singapur, erzählen sie mir, während wir uns auf der Harbour Bridge vom Wind durchpusten lassen. Anschließend streunen wir durch das Viertel The Rocks – das älteste in Sydney. Zwischen alten Backsteinhäusern, einem Kolonialwarenladen und einer bayerischen Löwenbräu-Kneipe versteckt sich ein irischer Pub. An der Theke haben die Gäste die Qual der Wahl – sechs Sorten Gerstensaft oder Cider. „Schmeckt ganz ordentlich und ähnlich gut wie zu Hause“, lautet das Urteil der Musiker über das Bier. Ich lasse die beiden ziehen und setze mich wieder in den Botanischen Garten. Von dort sieht man allabendlich, wie sich die Passagierschiffe an den zerklüfteten Buchten vorbei ins offene Meer schieben. Einen Moment denke ich: „Jungs, kommt bald wieder“, erst dann wird mir klar, dass auch ich mich nicht im Heimathafen befinde – denn meine Reise geht noch weiter.

Denis Fischer und Carsten Sauer sind nicht nur für die Bürger von Welt unterwegs. Am Mittwoch, 2. April, starten sie in Bremen ab 20.00 Uhr im Moments ihre Deutschland-Tour der neuen Show „Club 27“. Zu hören sind dann Lieder von Kurt Cobain, Jimi Hendrix, Amy Winehouse und anderen Künstlern, die sich im Alter von 27 Jahren das Leben nahmen.

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Typisch für Sydney: Ein Mix aus alter und neuer Architektur.

 

Text und Fotos: Annica Müllenberg

 

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