bremerKultur: Pilgerreisen gestern und heute

„Ich bin dann mal weg“, der Titel des Buches, in dem der deutsche Komiker Hape Kerkeling über seine Erfahrungen als Pilger auf dem Jakobsweg berichtete, hat sich nicht nur zum stehenden Begriff entwickelt, sondern drückt das aus, was viele Menschen unserer Zeit dazu bringt, auf Pilgerreise zu gehen: Sie klinken sich für eine bestimmte Zeit aus dem Alltagstrott aus und machen sich auf den Weg zu sich selbst. Auslöser für eine solche Entscheidung gibt es viele, Ausgebranntsein, Schicksalsschläge oder auch das Beispiel anderer. Es geht dabei sehr oft um die Suche nach Orientierung im Leben, nach spirituellen Erfahrungen und Begegnung mit dem Ich. Das ist definitv keine moderne Marotte, sondern ein seit Jahrhunderten begangenes Ritual quer durch alle Glaubensgemeinschaften auf der Suche nach einer göttlichen Kraft. Denn Pilgern ist kein rein christliches Phänomen, auch Moslems, Juden, Hinduisten und Buddhisten machen sich auf den Weg, um mit ihrem Gott Verbindung aufzunehmen.

„Unterwegs fürs Seelenheil?!“

Zurzeit zeigt eine Ausstellung im Bremer Focke Museum die Pilgertradition der fünf Religionen und lädt die BesucherInnen auf eine informative Reise samt sinnlichem Vergnügen und breitem Veranstaltungsprogramm ganz ohne Strapazen ein. Mit Düften und Gesängen, einer Lichtinstallation, die den Zauber vieler Kerzen erahnen lässt und einem „Wunschbaum“, der Erwartungen und Hoffnungen vieler Pilger symbolisiert. Multimedia- und Filmstationen bieten darüber hinaus Eindrücke von Erlebnissen der Pilgerreisenden in Vergangenheit und Gegenwart. Außerdem gibt es so genannte Pilgerzeichen zu sehen: Das Focke-Museum verfügt als eines von wenigen Museen über eine umfangreiche Sammlung dieser Spuren der Pilger auf ihren Reisen. Inhaltlich geht die Ausstellung von der Entwicklung des Wallfahrens im Christentum aus und beleuchtet exemplarisch große Pilgerereignisse im Judentum, im Islam, im Hinduismus und im Buddhismus, berichtet über bekannte Pilgerorte und -wege, typische Reiseabläufe und Reiseerlebnisse. Sie befasst sich aber auch mit den logistischen Infrastrukturen, die für große Pilgerfahrten notwendig waren und sind, Stichwort Unterbringung oder Verkehr.

Was bringt eine Pilgerreise mit sich?

Ob als Auffrischung und Ergänzung zu bereits gemachten Pilgererfahrungen oder als Anregung oder Entscheidungshilfe für die eigene Tour, in jedem Fall wissen die Pilger, dass sie ein Abenteuer erwartet. Einen kleinen Appetithappen erlebt, wer sich auf die Mini-Pilgertouren durch Bremen einlässt am Sonntag, den 6. Oktober um 15.00 Uhr entlang des Jakobswegs in Bremen mit Ulla Frantzen und Sabine Kuper (Treffpunkt: Propsteikirche St. Johann) oder am 19. Oktober um 12.12 Uhr unter dem Motto „Aufbrechen – Reisen – Auf der Suche sein“ – Ein Pilgerweg durch die Bremer Innenstadt mit Pastor Henner Flüggerund Ottmar Hinz (Treffpunkt: Bibelgarten St. Petri Dom). Aus der Vielzahl der Veranstaltungen möchte dieGlucke noch auf diverse Vorträge hinweisen, die ganz aktuell Fußball mit Pilgertum verbinden oder die historische Dimensionen aufzeigen oder sich als satirische Führung „Pilgern mit Pago“ dem Thema annähern. Das komplette Programm findet sich auf der Homepage des Focke Museums. Und wer sich gemütlich zuhause einen Eindruck verschaffen möchte über Erfahrungen verschiedener Menschen mit dem Camino, wie der Jakobsweg unter Insidern genannt wird, dem sei oben zitierter Bericht von Hape Kerkeling, aber auch der seiner Wanderschwester Anne Butterfield empfohlen (dieGlucke hat über sie und ihr Buch berichtet).

Unterwegs fürs Seelenheil?! Pilgerreisen gestern und heute Sonderausstellung im Focke-Museum, Schwachhauser Heerstr. 240, vom 2. Oktober 2013 bis 23. Februar 2014 in Kooperation mit der Bremischen Evangelischen Kirche.

Aufbrechen – unterwegs sein im AtriumKirche, Hohe Straße 7 vom 1. bis 31. Oktober 2013.