women@Work: Mehr Frauen auf die Bühne!

Warum gibt es eigentlich so wenig bekannte Frauen in vielen künstlerischen Bereichen? Der Frage ging schon im März 2013 das female:pressure-Netzwerk nach, das untersuchte, wie groß der Anteil von Frauen auf der Bühne von Musik- und Kunstfestivals ist. Bei der renommierten Ars Electronica wurden im vergangenen Jahr 95 Künstler, aber nur 32 Künstlerinnen gezählt (sowie drei Projekte mit gemischtgeschlechtlicher Beteiligung). Das bekannte Mutek-Festival in Montréal zeigte 2012 46 männliche und vier weibliche Acts (plus sechs gemischte). Die Liste der angeführten Beispiele aus Europa und Übersee ist ellenlang, die Aussage immer ähnlich: Frauen sind eindeutig unterrepräsentiert mit gerade mal zehn Prozent der Auftritte (die gemischten Gruppen liegen etwas höher). Und genauso sieht es bei internationalen Musiklabels aus, die vom Netzwerk ebenso akribisch aufgeführt wurden. Wie die taz gerade berichtete, hat sich Mitte September in Berlin das „Perspectives Festival“ mit diesem Phänomen beschäftigt und unter anderem auch mit der Gründerin des female:pressure-Netzwerks, der Wiener Musikproduzentin und Techno-DJane Susanne Kirchmayr aka Electric Indigo, über dieses heiße Eisen der strukturellen Diskriminierung von Frauen in der Musikszene diskutiert.

Männer holen am liebsten andere Männer auf die Festivals

Das Fazit erinnert an die Debatten um die Frauenquote im unternehmerischen Bereich: Solange Männerzirkel über das Line-up auf Festivals entscheiden, haben Künstlerinnen es extrem schwer eingeladen zu werden und zu performen, was zu einer geringeren Bekanntheit führt und wiederum zu einer geringen Berücksichtigung bei den nächsten Festivals und so weiter und so fort. Deshalb loben wir heute ausdrücklich die Bremer Schwankhalle, die am Sonntag zwei Frauen die Bühne bei ihrem Jubiläumskonzert zu drei Jahre Cake & Tunes, der Live-und-unplugged-Musikreihe bei Kaffee und Kuchen überlässt. 

Deine Cousine trifft Kiss & Drive 

Deine Cousine ist Sängerin, Composerin und Wahlhamburgerin, die ihre Musik als deutschsprachigen Indiepop bezeichnet. Mal melancholisch, mal frech, oft mit Band aber dieses Mal nur mit dem Cello. Mit dem eigensinnigen Spiel, dem authentischen Auftreten und ihren persönlichen Texten unterstreicht Deine Cousine, “irgendwie neu und doch so vertraut zu sein“, wie es in einer Familie so üblich ist. Hinter Kiss & Drive steht Elisabetta Spada, eine italienische Künstlerin, die seit sechs Jahren in Brüssel lebt und Folkpop mit in die Schwankhalle bringt. Die Songwriterin und Sängerin findet, dass ihre Folkmusik elektronischer sein könnte und ihr Pop-Sound symphonischer. Nichts desto trotz: Ihre klaren Songs, ihre samtige Stimme, ihre sympathische und lustige Persönlichkeit kreieren unmittelbar Magie. Im Sommer 2012 spielten Kiss & Drive über 50 Festivalgigs und seit diesem Jahr steht Elisabetta zusammen mit zwei weiteren Musikern auf der Bühne: Raphaël Dodemont und Daniel Vincke. Das unplugged-Doppel-Konzert findet statt am Sonntag, den 22. September ab 15.00 Uhr im Foyer der Schwankhalle und ist gratis. Dazu gibt es wie immer lecker Kaffee und Kuchen.

© Fotos: Schwankhalle

Hintergrundinfo zu female:pressure:

1998 gründete Susanne Kirchmayr (auch bekannt als Electric Indigo) das Netzwerk und eine internationale Datenbank von Frauen, die im Bereich elektronischer Musik und digitaler Kunst arbeiten, um den üblichen Kommentaren „es gäbe so wenig Frauen in der Szene“ das Gegenteil zu beweisen. Vertreten sind DJs, Musikerinnen und Produzentinnen, Vokalistinnen, bildende Künstlerinnen und Performance-Künstlerinnen sowie Bookerinnen und Labelbetreiberinnen, aber auch Journalistinnen und Wissenschaftlerinnen, die sich mit der Materie beschäftigen. Derzeit umfassen Datenbank und Netzwerk rund 1.300 Mitglieder in 56 Ländern, viele der Künstlerinnen sind professionell und international tätig (Quelle: diestandard.at).