kulturAktuell: Kaboom! in der Weserburg

Comics als Kunst? Es hat lange gedauert, bis Cartoons und Comicstrips mit der britischen und amerikanischen Pop Art des Roy Lichtenstein, Öyvind Fahlström oder Evelyn Axell oder Niki de Saint Phalle Einzug in die Galerien und Museen nehmen durften und damit die Trennung von Populärkultur und etablierter Kunst aufhoben. Die Weserburg in Bremen zeigt ab morgen Arbeiten von 30 internationalen Künstlerinnen und Künstlern, die eindrucksvoll den Einfluss von Comics auf die zeitgenössische Kunst seit den 1950er Jahren bis heute aufzeigen. Schade, dass wieder mal das Geschlechterverhältnis bei der Auswahl eine ungute Wichtung zugunsten der Männer aufzeigt. Da gibt es doch noch mehr herausragende Künstlerinnen als die vertretenen Joyce Pensato, Sue Williams, Rivane Neuenschwander und Dara Birnbaum!

Junge Kreative vor!

Naiv und oberflächlich, das ist die allgemeine Einschätzung zu Comics. Dabei hinterfragen – so die Einschätzung der Kuratoren – vor allem die jungen KünstlerInnen in der Ausstellung auf kritische Weise ästhetische und gesellschaftliche Phänomene mit Witz, Humor und bissiger Ironie. Sie arbeiten genreübergreifend und anspruchsvoll mit Malerei, Collage, Video, Zeichnung und schaffen Skulpturen und raumfüllenden Installationen. Die Amerikanerin Joyce Pensato bringt in ihren schroffen Schwarz-Weiß-Malereien eine andere, dunkle Seite des Comics zum Vorschein, die uns mit dem Grotesken und Hässlichen konfrontiert. Martin Arnold benutzt Sequenzen aus Walt Disney Trickfilmen und macht die Helden der Kindheit zu gespenstischen Wiedergängern. Die Zeichnungen von Raymond Pettibon atmen wiederum den Geist von Punk und Underground.

Superhelden vor!

Witzig und hintergründig: der afroamerikanische Performancekünstler William Pope.L kroch in einem Superman-Outfit die gesamte Länge des New Yorker Broadway entlang und demontierte er augenfällig den Mythos amerikanischer Allmachtsvorstellungen. Die Arbeit mit dem denkwürdigen Titel The Great White Way wurde für die Ausstellung in einer besonderen Form aktualisiert. Bereits 1967 hat Keiichi Tanaami, ein Vertreter der japanischen Pop Art, den strauchelnden, gebrochenen Helden in einer Collage zum Thema gemacht.

Die Ausstellung “Zack! Boom! Peng!” wird am Freitag, den 14.06.2013 um 19:00 Uhr in der Weserburg eröffnet und läuft bis zum 6. Oktober. Sie wurde kuratiert von Ingo Clauß, Peter Friese und Guido Boulboullé.

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung

Siemon Allen (ZA), Martin Arnold (A), Dara Birnbaum (USA), Peter Blake (GB), William Copley (USA), Reinhard Doubrawa (D), Erró (IS), Öyvind Fahlström (SE), Gerard Hemsworth (GB), Arturo Herrera (VE), Andy Hope 1930 (D), John Isaacs (GB), Bertrand Lavier (FR), Mark Leckey (GB), Roy Lichtenstein (USA), Michel Majerus (LU), Christian Marclay (USA), Kerry James Marshall (USA), Matt Mullican (USA), Juan Muñoz (ES), Rivane Neuenschwander (BR), Chris Ofili (GB), Joyce Pensato (USA), Raymond Pettibon (USA), Sigmar Polke (D), William Pope.L (USA), Mel Ramos (USA), Allen Ruppersberg (USA), Francesc Ruiz (ES), Keiichi Tanaami (J), John Wesley (USA), Sue Williams (USA), Jordan Wolfson (USA).