bremerWelt: Bedeutende Frauen sichtbar machen

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Schon vor fünf Jahren hat der Senat beschlossen, dass bei Straßenbenennungen Frauennamen bevorzugt werden und setzte damit „ein Signal, um Frauen und Frauengeschichte sichtbar zu machen“, wie Landesbeauftragte Ulrike Hauffe damals erfreute. Für die Frauenquote bei den Straßennamen gibt es jetzt einen Mini-Schub: Zwei Bremer Straßen und ein Platz werden künftig nach bedeutenden Frauen benannt. Die eine ist die bekannte erste Regierungschefin eines deutschen Bundeslandes, Annemarie Mevissen, die 1947 als jüngste Abgeordnete in die Bremer Bürgerschaft gewählt wurde und 1967 Bürgermeisterin wurde. In der Überseestadt wird es künftig einen Annemarie-Mevissen-Platz geben. In der Airport-City wird eine Straße nach einer der bedeutendsten Astronominnen der frühen Neuzeit Maria Cunitz (aus Niederschlesien) benannt, die im 16. Jahrhundert ohne Studium große Kenntnisse erwarb und trotz der möglichen Verfolgung durch die Inquisition ein heliozentristisches Weltbild vertrat.

Späte Ehrung für Bremer Politikerin Gisela Müller-Wolff

Am 31. Mai 2013 um 11.00 Uhr wird die Lebensleistung der studierten Volkswirtin Gisela Müller-Wolff (foto oben Mitte) mit der Namensgebung einer Straße in Woltmershausen gewürdigt. Die Politikerin war in den 1960er und 70er Jahren in der Bremer Frauenbewegung ein Begriff. Sie  trat 1947 in die SPD ein und lebte seit 1951 fast 50 Jahre in Bremen. Müller-Wolff arbeitete als  Oberregierungsrätin und Leiterin der Preisbildungsstelle beim Senator für Wirtschaft und Außenhandel. 1955 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, der sie bis 1971 angehörte. Schon früh begann sie sich für die Interessen von Frauen einzusetzen und engagierte sich im Frauenarbeitskreis ihrer Partei, wo sie auch Kritikerin von Anna Stiegler war, deren frauenpolitischer Kurs ihrer Meinung nach nicht mehr zeitgemäß war. 1960 wurde sie Nachfolgerin Anna Stieglers als Vorsitzende im Bremer Frauenausschuss, dem Zusammenschluss der Bremer Frauenverbände. Sie setzte sich für VerbraucherInnen und für eine Beibehaltung kurzer Öffnungszeiten am Samstag ein. Sie galt als energische Frau, die sich nicht scheute, deutlich ihre Meinung zu sagen, weshalb der damalige Bürgermeister Hans Koschnick sie zur stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Fraktion machte, auch – wie überliefert ist –, um den Vorsitzenden Boljahn in Schach zu halten.

Ein Frauenname zwischen honorigen Senatoren

In ihre Amtszeit fiel die Entscheidung zur Gründung der Universität, was sie sehr begrüßte sowie auch die Einführung eines Petitionsausschusses, den sie als eine wichtige demokratische Errungenschaft bezeichnete. Ihr politische Laufbahn endete mit dem  Rücktritt am 20.1.1971, nachdem sie sich wegen „gegen sie in der Öffentlichkeit erhobener diffamierender Äußerungen vom übrigen Vorstand in Stich gelassen“ fühlte. Als sie im November 2000 78-jährig starb, würdigte sie lediglich die SPD in einer äußerst sparsam formulierten Todesanzeige, die ihr ein profundes Wissen, Respekt und Anerkennung attestierte. Vielleicht eine kleine Genugtuung, dass die „Gisela-Müller-Wolff-Straße“ im Güterverkehrszentrum zwischen etlichen Straßenschildern mit den Namen honoriger Senatoren steht. Mehr Infos über Gisela Müller-Wolff und andere bedeutende Bremerinnen sind auf der Homepage des Bremer Frauenmuseums gesammelt.