interView: Vea Kaiser und das Urheberrecht

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Nicht nur Filmschaffende und MusikerInnen haben so ihre Problem mit Piraten, die ihre Werke kopieren und weiterreichen. Auch die schreibende Zunft wehrt sich gegen den Diebstahl ihrer Urheberrechte, wenn E-Book-Codes geknackt werden und die Bücher dann kostenfrei ins Netz gestellt werden. Mit einem offenen Brief an die E-Book-Piraten hat sich die junge Schriftstellerinnen Vea Kaiser vor Kurzem dagegen gewehrt, hat mit deutlichen Worten („Ihr macht uns zu Sklaven!“) klar gemacht, wie sehr sie und alle anderen AutorInnen auf die Einnahmen durch den Verkauf angewiesen sind. Vergangene Woche war Vea Kaiser in Bremen, um aus ihrem Debütroman „Blasmusikpop“ zu lesen (dieGlucke hatte berichtet). Wie angekündigt haben wir uns mit ihr getroffen, um noch einmal nachzuhaken.

Vor zwei Wochen hast du dich auf deiner Facebookseite öffentlich zum Urheberrecht geäußert. Wie waren die Reaktionen?

Es war erstaunlich, was ich für üble Beschimpfungen erhalten habe. Aber auch damit muss man umgehen. Es gab aber auch wunderschöne Rückmeldungen. Zu 90 bis 95 Prozent waren diese positiv und unterstützend. Ich habe mich darüber wirklich gefreut, weil ich gemerkt habe: die Welt ist doch noch in Ordnung.

Was wäre für dich denn eine Lösung dieser Debatte?

Für mich ist die einzig mögliche Lösung, dass Diebstahl weder im „normalen Leben“, noch im Internet toleriert wird. Wer den Kopiercode eines E-Books knackt begeht einen Diebstahl. Und die Leute, die sich dort E-Books runterladen, wissen ja, dass das eigentlich Geld kostet. Wenn im Rahmen von Self-publishing und E-Book-Business ein Autor entscheidet, dass er seine Sachen kostenlos abgibt, muss das ihm selbst überlassen bleiben. Das bedeutet aber nicht, dass es einen Zwang geben kann, kostenlos zu arbeiten. Das ist für mich Sklaverei.

Diese Problematik hängt sicherlich mit der Entwicklung des E-Books zusammen, wie stehst du dem gegenüber?

Es gibt genug gratis E-Books, es gibt genug Autoren, die gratis schreiben, aber teilweise ist das dann auch so, dass man das nicht lesen möchte. Es gibt einen Grund, warum ich damit einverstanden bin, nur 12 Prozent des Netto-Ladenverkaufspreises zu erhalten, weil ich weiß, was mein Verlag alles macht. Das sieht man auch an meinem Buch, das einfach gut lektoriert und präsentiert ist. Am 25. Juni vergangenen Jahres kannte mich niemand. Da war ich eine x-beliebige Studentin mit einer literarischen Ambition. Davon gibt es genug. Aber mein Verlag hat es geschafft aus einem No-Name jemanden zu machen, die  in Talkshows eingeladen wird. Sie haben meinem Buch den Weg geebnet. Das rechne ich ihnen hoch an. Deswegen sage ich: Jeder Cent, den der Verlag verdient, ist genauso gerechtfertigt wie das, was ich verdiene.

Und wie hältst du es selbst mit E-Books?

Ich habe einen E-Book-Reader und verwende ihn für drei Sachen: Zum einen benutze ich ihn gerne für die Uni, für Referatspapiere, Aufsätze und pdf-Dokumente. Die konsumiere ich einmal und dann schmeiße ich sie weg. Da finde ich es gut, Papier sparen zu können. Das zweite sind Manuskripte und Fahnen, die ich von Kollegen bekomme. Die muss ich dann nicht am Bildschirm lesen oder ausdrucken. Das finde ich sehr praktisch. Dann nehme ich meinen E-Reader auch gerne noch auf Reisen mit: ich bin zurzeit sieben Tage unterwegs, habe wahnsinnig viel Zeit beim Reisen und lese auch viel. Ich lese auf dem Reader aber nur Autoren, deren Urheberrecht aufgrund ihres Todes schon abgelaufen ist: Dickens, Jane Eyre, die ganzen Klassiker, die ich auch zu Hause im Bücherregal stehen habe und die ich so schonen kann. Was ich aber wirklich unsexy finde, ist das Buch eines jungen deutschsprachigen Autors, das es auch als schönes Hardcover gibt, auf dem E-Reader zu lesen. Für mich ist ein E-Reader ein Gebrauchsgegenstand, der gewisse Dinge leichter macht, aber ich finde nicht, dass man das mit einem Buch vergleichen kann.

Nachtrag: Die wohl bekannteste Seite für illegalen Download von E-Books, der Blog spiegelbest, wurde mittlerweile von Google aus den Suchlisten gestrichen und generell aus dem Netz genommen, die Nachfolge-Domain ist aber (natürlich) schon zu finden. Doch es gibt ja Tausende Bücher, die gemeinfrei als E-Book zu haben sind, weil ihre Urheberrechte abgelaufen sind. Z.B. finden sich unendlich viele Klassiker auf http://de.feedbooks.com/publicdomain. Und dann gibt es noch die Möglichkeit mit Leih-E-Books Geld zu sparen: Bei www.skoobe.de können registrierte User für zehn Euro pro Monat so viele Bücher aus einem Pool von 15.000 aktuellen Werken ausleihen, ohne Zeiteinschränkung. Und in Bremen verleiht auch die Stadtbibliothek online E-Books – hier wird nur der obligate Jahresbeitrag fällig: www.stabi24.de

Das Interview mit Vea Kaiser (Foto unten) führte Mara Giese. Und hier der Link zu ihrem Offenen Brief

© Mara Giese / dieGlucke.de