bremerKultur: Protest im Frack

Knapp eine Stunde, schon war das Schaulaufen der Schaffer vorbei. Etwas verlegen schritten die fein gekleideten Schaffer und ihre durchweg männlichen Gäste an etwa 500 in Frack und dunklen Mänteln gekleideten Frauen vorbei, die mit pinker Fliege Einigkeit demonstrierten in ihrer Überzeugung: Die Schaffermahlzeit als rein männliche Veranstaltung in höchsten Wirtschaftskreisen ist nicht mehr zeitgemäß. Die 300 Teilnehmer wurden auf ihrem Weg vom Schütting zum Bremer Rathaus von zwei Frackträgerinnen geleitet, „Ich bin von gestern. Bitte folgen Sie mir!“ haftete als Sprechblase auf ihrem Rücken. Die Herren nahmen die Herausforderung an und brachten die 200 Meter Schaulaufen durch das Frauenspalier hinter sich. Bei dem Gang konnten sie auf etlichen Schildern lesen, dass es immer bedeutende Frauen gab, die im elitären Männerclub hätten mitfeiern können.

Auch der Bürgermeister wird durchs Spalier geleitet

Bürgermeister Jens Böhrnsen wurde von Bremens Frauenbeauftragte Ulrike Hauffe über den Marktplatz geleitet, umschwirrt von der Pressemeute. Doch nachdem er sich den – von einer Frau dirigierten – Shanty-Chor angehört hatte, betrat er das Rathaus durch den Nebeneingang. Schade eigentlich, denn am Haupteingang hatte sich Ulrike Hauffe postiert und hieß dort alle Schaffer gut gelaunt mit Handschlag Willkommen. Sie hatte die Aktion organisiert, um deutlich zu machen, wie wenig zeitgemäß diese reine Männerveranstaltung mit Wirtschaftvertretern und Politikern auf höchster Ebene ist (Ehrengast in diesem Jahr ist der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich). Unterstützung kam auch von Männern und seitens der Linken, die im Senat beantragten, dass öffentliche Gebäude nur dann für Veranstaltungen genutzt werden dürften, bei denen Frauen gleichberechtigt Zugang haben. Dasselbe solle auch für Vertreter Bremens in offizieller Funktion gelten. Ulrike Hauffe zeigt sich beeindruckt, dass sich so viele Frauen bei der Kälte dem Protest angeschlossen hatten und war überzeugt: „Dieses Jahr war das letzte Jahr, in dem Haus Seefahrt es sich leisten konnte, Frauen zu ignorieren.“

Nur ein kleiner Teil des Frauenspaliers quer über den Bremer Marktplatz. Etwa 500 Frauen zeigen ihren Unmut über die reine Männerveranstaltung.

Klasse Frauen gab und gibt es genügend, die eine Einladung zum Schaffermahl verdient hätten.

Es ist fünf nach Zwölf!

Geld, Kapitänsmütze und Zigarre, das müsste doch reichen, um reinzukommen!

Frackträgerinnen geleiten Frachträger über den Marktplatz. Achtung, ein zweiter Blick lohnt ….

… Ich bin von gestern, bitte folgen Sie mir!

Bisher gab es nur zwei geladene Frauen bei insgesamt 469 Schaffermahlzeiten! Eine Kapitänin und eine Kanzlerin.

Versteckt hinter Ulrike Hauffe …..

… läuft auch Bürgermeister Böhrnsen mit.

Die Bremer Frauenbeauftragte Ulrike Hauffe heißt alle Gäste herzlich Willkommen!

© Text und Fotos: Heike Mühldorfer / dieGlucke

5 Kommentare

  1. dieGlucke sagt

    Ja, das finden wir auch! Klasse, dass so viele Frauen mitgemacht haben.

  2. Rita Frische sagt

    Gibt es einen Newsletter-Dienst, wenn ja möchte ich berücksichtigt werden.
    Danke!
    Super Aktion!!

    • dieGlucke sagt

      Aber klar! Einfach links neben den Artikeln in das weiße Feld die E-Mail-Adresse eintragen oder diesem Link folgen! Dann kommt regelmäßig der Newsletter mit frischem Lesefutter!

  3. Pingback: lebensWelt: Valentinstag mit Schaffermahl und Frauenpower | dieglucke

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