dieGlucke: Protest im Frack beim Schaffermahl

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Jetzt ist die Überraschung dahin, die Meldung ist raus, der Aufruf zur Frauen-Protestaktion beim Schaffermahl 2013 publik geworden. Also werden die Geladenen schon wissen, dass sie durch ein Spalier von Frauen ins Rathaus ziehen müssen. Uniform gekleidet im schwarzen Frack oder Anzug mit weißem Hemd, zeigen diese der Männerwelt deutlich, dass sie hier mitmischen wollen und die Zeiten vorbei sind, in denen Frauen von einem der bedeutendsten wirtschaftlichen Events (laut Wikipedia) ausgeschlossen werden können. dieGlucke meint: Es ist gar nicht schlimm, dass die geheim gehaltene Aktion durch einen blöden Zufall publik wurde. Im Gegenteil, es ist gut, mit offenen Karten zu spielen, denn je mehr Frauen von der Aktion erfahren, um so größer ist die Meute vor dem Rathaus, um so stärker die Botschaft: Wir wollen teilhaben. Denn darum und um nichts anderes geht es wieder und wieder. Frauen tragen ihren Teil zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prosperieren Deutschlands bei, es ist Anachronismus pur, sie nicht auch an allem, auch traditionell begründeten reinen Männerveranstaltungen, teilhaben zu lassen.

In welcher Zeit leben wir eigentlich?

Bremen leistet sich drei reine Männerveranstaltungen: Die Eiswette, das Tabak-Collegium und das Schaffermahl. Dabei erlaubt das Regelwerk der Schaffermahlzeit sehr wohl, Frauen als Gäste einzuladen. Doch nur zwei Mal haben die Schaffer in der jahrhundertealten Tradition eine Frau bewirtet: Kapitänin Barbara Massing konnte 2004 als erste Frau und (einziges weibliches ) Mitglied der Stiftung am Schaffermahl teilnehmen, die zweite Frau war weiblicher Ehrengast und zwar im Jahr 2007, als nämlich Bundeskanzlerin Merkel geladen war. Ihr Appell dieses „noch mehrmals zu wagen“ blieb bis heute unerhört. Als Gegenaktion laden seit 1975 die SPD-Frauen im Herbst jeden Jahres zu ihrem Schafferinnenmahl, doch nicht mal in ihren eigenen Reihen hat das Entscheidendes bewirkt. Wie kolportiert wird, wollte Bremens Bürgermeister Böhrnsen erst 2011 (!) Kraft-Food-Chefin Irene Rosenfeld als Gast mitbringen, scheiterte aber an den Vorständen der Schaffer. Dieses Jahr hat er es anscheinend nicht noch einmal versucht, denn er kommt ohne Begleitung.

Wer durchbricht das Tabu?

Diese Frage ist spannend und wir werden im nächsten Jahr sehen, ob sich die exklusive Männerrunde den Frauen öffnet. Auf jeden Fall werden am 8. Februar ab 13:30 Uhr die Schaffer auf dem Marktplatz durch ein beeindruckendes Spalier ins Rathaus gehen müssen. Bislang haben 200 Frauen zugesagt, darunter auch Abgeordnete aus der Bremer Bürgerschaft, doch die nächsten Tage werden noch viele Bremerinnen ihre Chance nutzen, die Parole auszugeben: Fracktragen können wir auch. Wer mitmachen will, darf gerne dazustoßen, wie Organisatorin und Gleichstellungsbeauftragt Ulrike Hauffe betont. Doch bitte gekleidet in der passenden Garderobe, schwarzer Anzug oder Frack mit weißem Hemd.

Das letzte Mal ohne Frauen?

Und hier noch ein Zitat des Ehrengast Hans-Dietrich Genscher, der schon 1989 betonte: „Der Horizont der Bremer endet niemals am Stadtwall. Die Bürger dieser Stadt waren immer im besonderen Maße offen für das, was Europa und die Welt bewegt.“ Wünschen wir den Schaffern die richtige Weltoffenheit und Erkenntnis der aktuellen Lage und gehen wir mal davon aus, dass die 469. Schaffermahlzeit ein letztes Mal ohne Frauen stattfindet. Zumindest in der Oberen Rathaushalle.

 

2 Kommentare

  1. Brigitte B. sagt

    So, wie der Schneider zur Eiswette kommt, der Vegesacker Jung den Markt eröffnet, und und und soll das Schaffermahl bleiben wie es ist. Wir wollen nicht eingemeindet werden sondern Freie Hansestadt bleiben mit allen Zicken und vielleicht nicht mehr zeitgemässen Traditionen. Ist das Schaffermahl ein Zeichen der Nicht-Gleichberechtigung? IWollt ihr tatsächlich da im Frack zugelassen werden? Ätzend! ch denke nicht. Lasst doch den Männern ihren Spaß. Man kann alles übertreiben.

    • dieGlucke sagt

      500 Frauen haben heute ihre Meinung kundgetan, dass sie das Spektakel nicht mehr für zeitgemäß halten und sich als wirtschaftlich und politisch aktive Menschen benachteiligt fühlen. Der Frack muss hier als Symbol gelten, wir glauben nicht, dass eine Frau als Mann verkleidet reinkommen möchte, sondern aus Anerkennung für ihre Leistung, ob als Schafferin oder als Gast. Und Schaffermahl kann es dann ja trotzdem heißen!

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