buchTipp: Drüberleben von Kathrin Weßling

Wenn es so einfach wäre. Sich überleben, drüberstehen über der Depression. Die Monster im Kopf beherrschen, die inneren Monologe beenden können. Drüberleben. So nennt Kathrin Weßling ihren Debutroman über ihr Alter ego Ida, die sich zum wiederholten Mal in die psychiatrische Klinik einweist, weil sie nicht mehr in der Lage ist ihr Leben zu bewältigen. Die Geschichte hat starke autobiografische Anteile, erzählt aber auch Fiktives, zieht mit sprachlicher Finesse in den Bann und macht gleichzeitig deutlich, was sich hinter der Krankheit verbergen kann, aber nicht muss. Denn Drüberleben ist definitiv kein Sachbuch, obwohl es aufklärt steckt es voller Poesie und schierer Wortgewalt. Dafür möchte dieGlucke dieses Buch unbedingt empfehlen.

Kein Grund, traurig zu sein!

Vor allem Kathrin Weßlings Sprachrhythmus fasziniert, besonders wenn sie Wörter und Satzteile stakkatoartig, fast atemlos aneinanderreiht. Die 27-Jährige hat darin auch Übung, ist schon seit einigen Jahren bekannt für ihre starken Auftritte beim Poetry Slam. (Unten gibt es eine Hörprobe). Schreiben ist für sie Lebenselixier, schon seit Kindertagen notiert sie kleine Geschichten, textet später für Magazine und verschafft ihrer Wortkunst beim Poetry Slam sehr erfolgreich eine Bühne. Seit mehr als zwei Jahren führt sie ein elektronisches Tagebuch auf ihrem Blog. Den nannte sie auch schon Drüberleben, denn das ist ihr Thema, das sie offensiv und mit ihrer großartigen Sprache nach außen trägt.  Schließlich, so auch der Untertitel ihres Romans, sind Depressionen kein Grund traurig zu sein. Zurzeit pausiert sie auf ihrem Blog, auch um den Trubel um ihre Person und Geschichte nach der Buchveröffentlichung zu verarbeiten. Und um sich in Schreibklausur zu begeben. Verabschiedet in die Winterpause hat sich Kathrin Weßling mit einer Kostprobe auf www.drueberleben.wordpress.com:

„Und jetzt ist da die Stille, einen Pausenknopf aus Wärme und Schlaf und Arbeit und Ruhe und die Heizungen surren leise.“

 

Übrigens: Zurzeit sind Fotos zur Mood-Tour 2012in der CDU-Zentrale Bremens zu sehen (Öffnungszeiten: Mo-Do: 8.30 bis 17.00 Uhr, Fr: 8.30 bis 16.00 Uhr bis zum 15. Februar 2013). Deutschland, eine Reise – 4500 Kilometer unterwegs gegen die Depression lautet der Titel der Fotodokumentation zur Fahrradtour im Rahmen eines Aktionsprogramms, das zur Entstigmatisierung der Depression als Erkrankung beitragen sollte. In sieben Etappen radelten 32 Depressionserfahrene und -unerfahrene Menschen 4500 Kilometer durch die ganze Republik. Zahlreiche Infostand- und Mitfahr-Aktionen brachten direkten Kontakt zu unzähligen Menschen, Medien berichteten. Auch dieGlucke: slowMotion: Mit der Mood-Tour raus aus dem Stimmungstief.