kunstWelt: Genderaspekt in Bremer Museen

Frauenskulptur von Ellen Sturm, 2009, © Gerhard Marcks Haus Bremen

Nein, es geht nicht um die Frauenquote. Denn da liegt auch bei den Bremer Museen noch so einiges im Argen. Der Ansatz ist umfassender geworden, es geht definitiv um mehr als nur zu zählen, wie viele Werke von Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Künstlerkollegen im Museum hängen. Zu Gender zählen neben dem Verhältnis der Geschlechter, auch die Stereotypen in der Darstellung von Frau (und Mann) sowie die Art und Weise der Präsentation bei Ausstellungen, begleitenden Veranstaltungen oder Auszeichnungen. Fließt diese Fragestellung rechtzeitig in Konzeptionen ein? Ist es vielleicht sogar lästig sich darüber Gedanken zu machen? Und bei allem bleibt interessant: Warum fällt es so schwer, diesen Genderansatz in Museum, Kunstausstellung und Preisverleihung zu berücksichtigen?

Wie sieht es in Bremer Museen aus?

Wie es ihre Häuser mit dem Genderaspekt in der Ausstellungspraxis halten – auf eine Diskussion darüber lassen sich die VertreterInnen dreier großer Kunstinstitutionen Bremens ein: Janneke de Vries, Direktorin der GAK, Dr. Arie Hartog, Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses und Dr. Frank Laukötter, Direktor des Paula Modersohn-Becker Museums. Eingeladen haben der Bremer Frauenausschuss, Dachverband für Bremer Fraueninteressen, und das Bremer Frauenmuseum, ein Verein, der seit mehr als 20 Jahren versucht, die Wahrnehmung der Geschichte und der Leistungen der Frauen in Bremen sichtbar zu machen.

Bewusstseinssresistenz bei Überseemuseum und Focke-Museum

Schon im vergangenen Jahr hat das Bremer Frauenmuseum versucht, in der Ausstellungspraxis Bremer Museen Aspekte der Geschlechtergerechtigkeit zu verankern. Sowohl das Übersee-Museums als auch das Focke-Museum wurden mit Blick auf die genannten Punkte gecheckt, die Ergebnisse den Museen zugeleitet, mit der Bitte um einen Dialog. Eine Reaktion blieb aus. „Wir haben nun VertreterInnen von Museen eingeladen, bei denen sich im Hinblick auf diese Frage Einiges getan hat“, so Edith Laudowicz, vom  Bremer Frauenmuseum. „Damit wollen wir einen neuen Versuch starten, um die Diskussion zu beflügeln.“ Wer Interesse daran hat, wie dieser Dialog verläuft und vielleicht auch nachfragen möchte, warum gerade nur Männer in den drei besagten Häusern Sonderausstellungen haben, hat die Chance auf der Veranstaltung am Donnerstag, den 29. November 2012 um 20.00 Uhr im Gerhard-Marcks-Haus. Schon vorher gibt es Gelegenheit um 18:30 Uhr mit Arie Hartog an einer öffentlichen Führung durch das Gerhard-Marcks-Haus teilzunehmen.