dieBremerin: Clara Westhoff-Rilke, Bildhauerin und Malerin

© wikimedia commons, Paula Modersohn-Becker: Brustbild der Bildhauerin Clara Westhoff-Rilke

© wikimedia commons, Paula Modersohn-Becker: Brustbild der Bildhauerin Clara Westhoff-Rilke

In Bremen gab und gibt es viele Frauen, die als Politikerinnen, Literatinnen, Lehrerinnen, Frauenrechtlerinnen oder Unternehmerinnen eine bedeutsame Rolle innehatten und haben. dieGlucke stellt in Kooperation mit dem Bremer Frauenmuseum in loser Reihe bedeutende Bremerinnen vor, um den Stellenwert dieser Frauen für unsere Gesellschaft deutlich zu machen. Heute: Clara Westhoff-Rilke, Bildahauerin und Malerin

Clara Westhoff-Rilke (* 21.11.1878 in Bremen; † 9.3.1954 in Fischerhude) ist für viele nur als Ehefrau des Dichters Rainer Maria Rilke oder als Freundin von Paula Modersohn-Becker ein Begriff. Dabei gehörte die Bremerin zu den Pionierinnen der weiblichen Bildhauerei, studierte bei den großen Meistern ihrer Zeit, arbeitete unabhängig in dieser traditionell männlichen Domäne und schuf in späteren Jahren auch als Malerin ein umfassendes Werk. Eine breite öffentliche Anerkennung blieb ihr zeitlebens verwehrt, ihre erste Einzelausstellung zeigte sie im Alter von 60 Jahren. Erst seit Mitte der 1990er Jahre erhielt ihr Werk die angemessene Würdigung.

Hochbegabt und couragiert

Die ausgesprochen talentierte Bremer Künstlerin begann bereits als 17-Jährige ein Studium in der damaligen Kunstmetropole München, setzte sich dort couragiert gegen die Diskriminierung von Frauen an staatlichen Kunstakademien ein. Ihr Weg führte sie zur Worpsweder Künstlerkolonie – hier lernte sie auch Paula Becker kennen. Fritz Mackensen erkannte ihre große Begabung für die Bildhauerei und empfahl sie nach Leipzig zu Max Klinger und Carl Seffner. Ein Aufenthalt in Paris folgte. Dort begegnete sie Rodin, mit dem sie bald eine künstlerische und persönliche Beziehung verband. Als einzige deutsche Schülerin konnte sie in Rodins Atelier arbeiten und besuchte zusätzlich das „Institut Rodin“.

Porträts bedeutender Zeitgenossen

Als die Künstlerin im Sommer des Jahres 1900 nach Worpswede zurückkehrte, lernte sie dort Rainer Maria Rilke kennen, den sie im Frühjahr des Jahres 1901 heiratete. Ihre Ehe war durch finanzielle Schwierigkeiten geprägt und führte zu langen Wanderjahren mit Aufenthalten in Paris und anderen Metropolen Europas. Die Tochter blieb bei den Großeltern in Oberneuland zurück, die Jagd nach Aufträgen bestimmte das künstlerische Werk. In dieser Zeit porträtierte Clara Westhoff-Rilke bedeutende Persönlichkeiten wie Gerhart Hauptmann, Richard Dehmel oder Ricarda Huch. Doch viele ihrer Arbeiten befanden sich in privater Hand, sodass die Wahrnehmung der Bildhauerin nicht in die breite Öffentlichkeit geriet. 1919 ließ sich Clara Westhoff-Rilke in Fischerhude nieder, wo sie bis zu ihrem Tod 1954 lebte und arbeitete.

Clara Westhoff-Rilke in Bremen

In Bremen findet sich eine ihrer ausdrucksvollen Arbeiten in der Nähe der Kunsthalle in den Bremer Wallanlagen: Ein Abguss des von ihr 1899 geschaffenen Gipsporträts ihrer Freundin Paula Modersohn-Becker steht dort seit deren 100. Todestag. Im Gegenzug hatte die Malerin 1905 das „Brustbild der Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff“ (s. Foto oben) erschaffen, das heute in der Hamburger Kunsthalle zu sehen ist. Seit 1997 gibt es den  Rilke-Westhoff-Weg in Oberneuland.

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