Wie war´s? Sigrid Moldestads Fiedelzauber

dieGlucke fragt immer mal wieder nach bei Menschen, die etwas ausprobieren, etwas anders machen oder etwas Überraschendes erleben. Vor kurzem hatte dieGlucke eine Veranstaltung im Bremer Sendesaal angekündigt, und tatsächlich machte sich deswegen ein Leser aus Hamburg auf, dieses Konzert zu besuchen. Heute erzählt er, warum er den weiten Weg auf sich genommen hat und wie es war. Danke, Stephan!

Norwegischer Fiedelzauber im Bremer Sendesaal

Stephan Lutter aus Hamburg-Börnsen: Ich habe in Nord-Norwegen Meeresbiologie studiert, beschäftige mich schon seit 30 Jahren mit skandinavischer Kultur, Natur und Politik und habe beide norwegischen Landessprachen gelernt. Nur selten kommen norwegische Gruppen nach Deutschland, deshalb habe ich gerne den weiten Weg von Hamburg-Börnsen nach Bremen auf mich genommen, um die norwegische Folk-Künstlerin Sigrid Moldestad aus Bergen live zu erleben. Ich wusste schon, dass Sigrid Moldestad sich mit ihrer Musik an an den im 19. Jahrhundert im westlichen Norwegen aufspielenden Fiedlerinnen orientiert. Diese als Zauberinnen geltenden, emanzipierten Frauen wie die in Norwegen sehr bekannte Samuline Seljeset, spielten neben der Arbeit am Hof und Herd bei gesellschaftlichen Anlässen virtuos die traditionelle Hardangergeige (hardingfele), eine mit Ornamenten geschmückte Violine mit bis zu fünf zusätzlichen Resonanzsaiten. Sigrid Moldestad bezeichnet sich als Samulines Schwester und tatsächlich entlockte sie dem Volksinstrument mit einer Freude Töne und Melodien, die sie, abwechselnd fiedelnd und singend mit eigenen Liedtexten unterlegt. Und zwar passend zur Tradition ausschließlich auf Neunorwegisch, der so genannten Bauernsprache. Dabei schaffte sie mit ihrer Band fließende Übergänge von Volksmusik bis Jazz und Pop, die Musiker Anders Bitustøyl, Jørgen Sandvik and Anders Hall gaben den Stücken mit Gitarre, Mandoline, Kontrabass, Violine, Bratsche, einer weiteren Hardingfele und nicht zuletzt ihren Stimmen einen vollen, runden Klang. Und gestampft wurde auch dazu. Doch das einzige Deutschlandkonzert von Sigrid Moldestad und Band am 7. September in Bremen war nicht nur deshalb ein echter Ohrenschmaus. Die einzigartige Akustik des renovierten, alten Radio Bremen-Sendesaals setzte dem Ganzen die Krone auf.

Für die Musikerin fand in Bremen das letzte Konzerte ihrer ersten Auslandstournee statt, was zum Vorteil hatte, dass ihr Auftritt ganz unroutiniert war, spontan angesagt und improvisiert wurde und ich und alle anderen mitbekamen, wie sehr es den Musikern selbst Spaß machte. Als das Bremer Publikum lautstark eine zweite Zugabe forderte, gestand die Musikerin fast schüchtern ein: „I am not used to this.“ Während des Konzerts wirkte sie gar nicht schüchtern, sie trat sehr locker und interaktiv im immerhin zur Hälfte besetzten Sendesaal auf. Zweimal wurde auch ein Refrain zum Mitsingen geübt. Sie hat auf Englisch alle Lieder umschrieben oder auch die Herkunft des Musikstils und viele Witze gemacht. Auf Norwegisch gab es natürlich ein „tusen takk“, auf Deutsch auch mal ein „Dankeschön“. Für mich war es toll zuzusehen, wie Sigrid Moldestad zusammen mit den drei Jungs spielte. Liksom en drøym! Wie ein Traum!

Mehr Infos und Hörproben auf www.sigridmoldestad.com.

Na, wie war´s? Wer auf diese Frage auch eine besondere Geschichte erzählen kann, ist herzlich eingeladen, dies zu tun! dieGlucke berichtet gerne davon. Einfach per E-Mail bei piep@glucke-magazin.de schreiben und kurz umreißen, warum gerade diese Geschichte hier stehen soll. Wir sind gespannt!