netzWelt: Meldegesetz stoppen & Daten horten

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Das eine ist die Sache mit dem Meldegesetz. In nur wenigen Minuten hat der Bundestag am 28. Juni eine Neuregelung beschlossen, die es künftig den Meldebehörden erlaubt, Adresse, ehemalige Namen oder Titel und andere persönliche Daten an Datenhändler zu verkaufen – und keiner kann das verhindern. In der Erstvorlage war noch geplant, dass prinzipiell eine Daten-Weitergabe ausgeschlossen ist, außer jemand stimmt dem ausdrücklich zu. Im Gesetz steht jetzt das genaue Gegenteil: die Daten dürfen weitergegeben, sprich verkauft werden, außer jemand widerspricht diesem Vorgehen explizit. Und wenn ein Unternehmen z.B. durch Werbeaktionen bereits gesammelte Daten beim Meldeamt aktualisieren möchte, ist das uneingeschränkt möglich. Auch wenn Mensch das mittlerweile gar nicht mehr möchte! Das Gesetz kann noch im Bundesrat gestoppt werden, der Druck auf die Politik wird gerade durch eine online-Kampagne erhöht: innerhalb eines Tages haben fast 90.000 Menschen den Appell unterschrieben. Wer mitmachen möchte: Hier ist der Link zum Appell bei campact.de.

Das andere ist der freizügige Umgang mit den persönlichen Daten. Schon lange ist die Werbeindustrie sehr erfinderisch, wenn es darum geht, an Adressen von Kunden zu gelangen, diese an bestimmte Händler zu binden und ihr Kaufverhalten zu erforschen. Der Trick: Eine Kundenkarte fungiert als trojanisches Pferd, verleitet die Antragsteller dazu mehr persönliche Daten preiszugeben, als notwendig, vor allem auch, was auf der Einkaufsliste steht. Die versprochenen Rabatte sind zumeist gering und das Bonussystem kann nur bei  bestimmten Händlern ausgeschöpft werden. Die Verbraucherzentrale rät, schon bei der Antragstellung darauf zu achten, Häkchen an der richtigen Stelle zu setzen oder aber auch zu entfernen, um zu verhindern, dass mit den Daten Handel betrieben werden darf. Sehr wirkungsvoll gegen die Flut an Werbung im Briefkasten ist auch, einen großen Bogen um Gewinnspiele oder Testaktionen zu machen, da die Werber damit weniger die Beschenkten glücklich machen sondern vor allem an ihre Adressen gelangen wollen. Mehr Infos über Kundenkarten und Co. hier bei der Verbraucherzentrale.

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