dieKreative: Brigitte Nebel, Buchbindekünstlerin

Bremen ist eine Stadt voller kreativer Köpfe in Kunst, Kultur  und Wirtschaft.  dieGlucke stellt in loser Reihe das kreative Bremen vor. Heute: Brigitte Nebel erschafft einzigartige Buchobjekte mit Seidenmalerei. dieGlucke hat sie in ihrem Atelier besucht.

Man nehme ein scharfes Messer, guten Kleber, ein ebenes Lineal und einen Bleistift. Papier, Karton, Nadel, Faden. Phantasie. Farbe, zum Beispiel herrlich bemalte Seide oder kunstvolles Papier. Geduldige, kraftvolle Hände. Im Zusammenspiel der Zutaten entsteht ein kleines Wunderwerk, ein Buch, eine Schatulle, ein Schachtelturm. Brigitte Nebel ist eine Kunsthandwerkerin im wahren Wortsinn. Sie hat ihre Leidenschaft für Farben und ihr Know-How fürs Buchbinden vereint und erschafft einzigartige Objekte für den täglichen Gebrauch. Das sind Notizbücher, Fotoalben, Tagebücher, Adressbücher, feste, wunderschöne Hüllen für Spiralblock oder Kladde, aber auch Schmuckschatullen oder Döschen. Jedes ein Unikat, alles einzigartige  Geschenke für liebe Menschen oder bestechend schöne Begleiter durch eine Lebensphase. „Jedes Werkstück ist ein einmaliges Produkt der Hände, ein Gedanke der Seele“, so beschreibt Brigitte Nebel ihre  Gewerke. Sie sieht sich nicht als Künstlerin – dem möchte dieGlucke allerdings deutlich widersprechen! –, sondern als Kunst-Handwerkerin: „Beim Buchbinden kommt es auf den Millimeter an“. Es sind tatsächlich die Geschicklichkeit, die Kraft und die Genauigkeit ihrer Hände, die über Form und Qualität entscheiden. Sie schneiden, reißen, ritzen, rillen, falten, falzen, knicken und kleben. Sie müssen die Werkstücke streichen, drücken, drehen, wenden, schichten. Damit entsteht der Grundkörper, ob Buch oder Schmuckschatulle. Doch es gibt immer auch einen künstlerischen Teil ihrer Arbeit: Sie malt wunderschöne Seidenbilder, die viele ihrer Objekte verzieren. Sie wählt mit Bedacht Materialien für die Umschläge, auch zartes Japan-Papier in gedeckten Farben findet sich in der Werkstatt, sucht passend zur Malerei die Grundfarbe aus. Das Regal in ihrem Atelier  ist farbenfroh gefüllt mit Büchern und Objekten in allen Farben und Formaten. Ihre Kunden lieben vor allem die leuchtenden Farben des Regenbogens oder flammend rote Kreise auf dunklem Grund.

Leidenschaft für Farbe und Papier

Seit fast dreißig Jahren investiert Brigitte Nebel Phantasie und Können, Kraft und Ausdauer, Präzision und Geduld in ihr Kunsthandwerk. Anfangs als freischaffende Künstlerin auf Märkten, dann 1990 die Eröffnung ihres Ateliers Buch & Tuch in Ankum bei Osnabrück. Mit dem Abschluss des Werkstudiengangs Gestalterin im Handwerk im Jahr 2000 zieht Brigitte Nebel nach Bremen, in der Neustadt finden Atelier und Verkaufsraum in der Lahnstraße eine neue Heimat. Noch immer verkauft sie regelmäßig auf großen Kunsthandwerkermärkten in ganz Deutschland, auch auf dem Europamarkt in Aachen oder dem berühmten Schwabinger Christkindlmarkt in München gibt es ihre Bücher und Objekte. Und immer wieder präsentiert sie frei gestaltetes Kunsthandwerk in Ausstellungen, imposante Türme aus Schachteln, spiralisierende Objekte und ganz neu, ihre kleinen Käfer-Dosen. Wunderbar gearbeitet, filigran und doch so stabil. Eine überraschende, neue Objekte-Familie.

Mit Handwerk zu sich selbst finden

Die ausgebildete Ergotherapeutin sieht immer auch die therapeutische Seite ihres Handwerks: Die intensive Beschäftigung mit Materialien, das Schneiden, Nähen, Kleben und Formen eines Buches, das hilft, bei sich selbst zu sein. Auch Kinder können Bücher binden, es ist gerade für sie eine lehrreiche Erfahrung, selbst etwas zu erschaffen, viele sind erstaunt, was sie können. „Viel mehr Menschen sollten viel öfter Dinge mit ihren eigenen Händen gestalten“, Brigitte Nebel ist überzeugt, dass davon alle profitieren würden. Deshalb gibt sie ihre Kenntnisse weiter – mit Leidenschaft. In kleinen Kursen mit höchstens sechs Personen können auch vermeintlich handwerklich Ungeübte ein Buch gestalten. Wer einmal dabei war, kommt gerne wieder. Manche reisen als Stammkunden extra zu Kursen an, manche ehemalige Kursteilnehmerin übt sich im Buchbinden zu Hause und kommt immer mal wieder zum Auffrischen, wie eine 76jährige Bremerin. Ihre Kurse werden aber auch privat gebucht, z.B. für Freundinnen-Cliquen oder Generationen übergreifend mit Oma, Mutter und Enkelkind, alles ist möglich. Brigitte Nebel bietet mit ihren Wochenendkursen auch die Chance, tiefer in die Materie der Buchbindekunst und der Gestaltung einzusteigen, dem Buchumschlag und den Seiten eine Seele einzuhauchen. Bald gibt es dazu wieder Gelegenheit. Brigitte Nebel bietet zusammen mit der Bremer Künstlerin Angelika Bruns Mitte Juli einen Wochenendkurs an, bei dem ein Tag für eigene Druckkunst reserviert ist und Monotypien erstellt werden. Dann heißt es mit Rolle und Farbe experimentieren und aus Fundstücken, Spitze oder Lego-Steinen oder Formen der Natur dekorative Drucke (s. Foto unten) zu erstellen. Am zweiten Tag wird aus den Drucken ein Buch gebunden – als Leporello oder mit Blockbindung. „Ein Wochenende Zeit für sich nehmen und etwas Egenes erschaffen“, auch das ist Kunst, die Lebensqualität schafft. Brigitte Nebel hat das Glück, dass ihr Kunst-Handwerk, ihre Leidenschaft,nicht nur sie selbst, sondern auch viele andere Menschen glücklich macht.

Der oben beschriebene Kurs findet statt am 20., 21. und 22. Juli 2012 (freitagabends, samstags und sonntags), Tageskurse gibt es am 14.Juli, 8.September und 13. Oktober 2012. Weitere Infos auch telefonisch 0421 / 596 23 61.

Hier geht´s zur Homepage des Atelier Buch&Tuch.

Copyright der Fotos © Brigitte Nebel / www.atelier-buch-und-tuch.de. © Portät: Heike Mühldorfer / www.glucke-magazin.de

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