Nachhaltigkeit I: Was ist das eigentlich?

Ob in Politik, Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft, bei Interessenverbände und Werbung sowieso, alle zeigen sich nachhaltig besorgt um nachhaltige Inhalte. Kurz vor dem Weltgipfel Rio +20 berichtet dieGlucke über das Thema Nachhaltigkeit, trennt die Spreu vom Weizen und zeigt die Möglichkeiten für ein nachhaltig gutes Leben auf. Teil I:

Nachhaltigkeit – Modewort oder dringende Notwendigkeit?

Nachhaltig? Alles gibt sich heutzutage nachhaltig: Politiker, Produkte, Unternehmen, Forschung. Durch den inflationären Einsatz des Wortes kommt schnell der Verdacht auf, dass mit Nachhaltigkeit (engl. Sustainability) vieles gewollt und wenig bewirkt wird. Doch die Idee dahinter ist tatsächlich bedeutsam: Nachhaltigkeit heißt, dass die Ressourcen der Erde dauerhaft für die Menschheit zur Verfügung stehen und nicht überstrapaziert werden sollen. Salopp gesagt, sollen wir von den Zinsen leben, nicht von der Substanz. Schon die Indianer Südamerikas haben nach dieser Devise gewirtschaftet, sie benannten sogar einen See nach ihrer Überzeugung: „Wir fischen auf unserer Seite, ihr fischt auf eurer Seite und niemand fischt in der Mitte.*“ Im 18. Jahrhundert wurde der Begriff vom Oberbergmann Hans-Carl von Carlowitz (1645–1714) in Kursachsen als forstwirtschaftliche Maxime geprägt, damit Holz für den Bergbau nicht zum knappen Gut wurde. Weltweit aktuell wurde das Thema Nachhaltigkeit 1972, als der Club of Rome mit seinem Bericht über den rasant ansteigenden Ressourcenverbrauch, die drastische Umweltverschmutzung und das Wachstum der Weltbevölkerung das angestrebte wirtschaftliche Wachstum in Frage stellte. Und neben den rein wirtschaftlichen Aspekten auch soziale und ökologische berücksichtigte. In Deutschland hat es noch bis 1994 gedauert, bis der Umweltrat in einer Studie zur Nachhaltigkeit Stellung bezog.

Viel Worte, wenig Effekt: Rio+20 soll´ s richten

Das war zwei Jahre nach dem ersten Weltgipfel in Rio de Janeiro, als die Staatengemeinschaft 1992 das umweltpolitische Programm Agenda 21 verabschiedete, um auf regionaler Ebene soziale, ökologische und ökonomische Rezepte zu entwickeln, damit die Situation der Umwelt und der Menschen nicht weiter verschlechtert und eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen sichergestellt würde. Im Juni 2012, nach nunmehr 20 Jahren (und zwei weniger erfolgreichen Zwischengipfeln) treffen sich auf dem Gipfel Rio+20 erneut Staats- und Regierungschefs, um zu bilanzieren, aber auch um neue Ziele beim Schutz von Umwelt, Ressourcen und Klima abzustecken. Stichworte dazu sind „Green Economy“, also eine grüne Wirtschaft, Kampf gegen Armut und gültige Leitbilder auf internationaler Ebene zu entwickeln – Nachhaltigkeit also, wie die Vereinten Nationen sie definiert.

Ökologischer Fußabdruck: 50 % mehr verbraucht, als nachwachsen konnte

Wie dringend wirkungsvolle Maßnahmen der Weltgemeinschaft ergriffen werden müssen, um diese Probleme zu lösen, misst die Naturschutzorganisation WWF mit dem so genannten Ökologischen Fußabdruck. Er gibt an, wie groß der Flächenbedarf pro Person ist, um die Menschheit mit genügend Nahrung, Wasser, Holz, Energie und anderen Lebensgütern zu versorgen sowie Kohlendioxid abzubauen bzw. zu binden, das durch den Verbrauch fossiler Energieträger freigesetzt wird. Der Wert dieses Umweltindikators hat sich seit 1966 verdoppelt, die Menschen leben weit über ihre Verhältnisse: Laut WWF bräuchte die Erde 1,5 Jahre, um die erneuerbaren Ressourcen wiederherzustellen, die der Mensch im Jahr 2008 Jahr abgebaut hat. Würden alle Menschen so leben wie der Durchschnittsbürger in den USA, bräuchten wir vier Planeten, wir Deutsche verbrauchen etwa den doppelten Bedarf des Weltdurchschnitts. Geht diese Entwicklung ungebremst weiter und schwappt auf die Schwellenländer über, benötigen wir im Jahr 2050 rechnerisch fast drei Erden, um alle Weltbürger zu versorgen. Die Gründe dafür: steigende Bevölkerungszahlen, verstärkter Energiebedarf, eine Ernährungsweise mit immer mehr Fleisch, Milch und Milchprodukten, wachsender Futtermitteleinsatz und zunehmende CO₂- und Methangas-Emissionen. Doch nicht allein der steigende Bedarf bereitet Naturschützern und Politikern weltweit Sorge. Die Konsequenzen des Raubbaus an der Natur sind schon heute zu spüren: eine sinkende Artenvielfalt, der fortschreitende Klimawandel, ein deutliches Mehr an Naturkatastrophen und Auseinandersetzungen um Ressourcen. Es gibt viel zu tun bei Rio+20, um die politischen Entscheidungsträger zu konkreten Maßnahmen zu drängen. Die Vorzeichen stehen schlecht für die notwendigen Einschnitte oder fest vereinbarte, ambitionierte Klimaziele. Um so wichtiger sind die Effekte, die jeder Einzelne ganz privat zu einem kleineren Ökologischen Fußabdruck beitragen kann.

Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, wird auf dem Info-Portal nachhaltigkeit.info sicherlich fündig, hieraus zitiert dieGlucke *.  Mehr Info zum Ökologischen Fußabdruck im Living Planet Report bei wwf.de.

Die Mini-Serie zur Nachhaltigkeit geht demnächst weiter mit Buch-Tipps und Artikeln zu Nachhaltig essen, Nachhaltig einkaufen, Nachhaltig reisen.

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