dieGlucke: .. macht mit beim Palast der Produktion

Jetzt ist es offiziell, dieGlucke ist dabei beim Palast der Produktion! Die Redaktion wird für einen Monat, vom 15. Juni bis zum 15. Juli in die ehemalige Wollkämmerei in Bremen-Blumenthal ziehen, zusammen mit 80 kreativen Menschen aus Bremen, anderen Regionen Deutschlands und aus benachbarten Ländern wie Österreich, Frankreich und den Niederlanden. In dem historischen Industriegemäuer, das seit drei Jahren nahezu leer steht, soll ein Laboratorium neuer Arbeitsformen entstehen. Die Beteiligten wollen die Zeit dafür nutzen, das von Ellbogen und Burn-out dominierte Arbeitsleben zu verändern, hin zu mehr Lebensqualität, zu mehr Gemeinsamkeit. Ein spannendes Thema, über das zu berichten sich lohnt. Organisiert wird das Projekt von der ZZZ, der Bremer Zwischen-Zeit-Zentrale, die sich für leerstehende Immobilien Konzepte für eine Zwischennutzung ausdenkt und realisiert, zumeist im Kulturbereich. Jetzt also geraten neue Arbeitsformen in den Fokus und die Kreativen dürfen sie erproben. Und dieGlucke ist mittendrin und berichtet über Kunst, Gewerke, Ideen und wie das Miteinander funktioniert. Die Räume in der Wollkämmerei sind schon mal beeindruckend, besonders die 80 Meter lange, lichtdurchflutete Halle im Dachgeschoss. Aber auch die roh gemauerten ehemaligen Sortierhallen, kleine Bürokäfige oder alte Kontore, stilecht mit Holzwand und Glasscheiben, beeindrucken sehr. Hier werden sich am 15. Juni alle Kreativen treffen und den Palast der Produktion zum Leben erwecken.

Das Leben als Unternehmen?

Am 31. Mai waren noch mal die Theoretiker am Zug, um das übergeordnete Thema „Das Leben als Unternehmen“ vorzustellen. Soziologe Ulrich Bröckling und Historiker Arndt Neumann berichteten über ihre Forschungsergebnisse zu den Entwicklungen im Arbeitsleben seit den 1950er Jahren. Das Fazit: Die Alternativbewegungen, seien es Leben in der Kollektive oder als Autonome führten unterm Strich immer dazu, dass die Menschen am Ende stärker die von ihnen abgelehnten Arbeitsmodelle lebten als zuvor, so der Historiker Neumann. Der Soziologe bestätigte dieses Phänomen: Die Maximen des Marktes gelten heutzutage auch für die Menschen in der Arbeitswelt und im Privaten, das Ich wird zur Marke, der Komparativ bestimmt das Lebens- und Arbeitstempo (flexibler, schneller, kreativer) und übt einen Sog aus zum „immer Mehr“. Gleichzeitig kämpft jeder darum, sich hervorzuheben aus der Masse und entwickelt eine – so Bröckling – multiple Persönlichkeit, deren Einzelbereiche im ständigen Wettbewerb stehen. Ein dauerhafter interner Clinch um die beste Performance, das so genannte Alleinstellungsmerkmal. Die Chancen, diese Entwicklung gesamtgesellschaftlich zu durchbrechen sieht er nicht. Es gilt die Devise: „Schummeln im Alltag, um sich zu erholen oder Nischen finden“. In der anschließenden Diskussion wurde die wiedererstarkte Idee der Commons als Möglichkeit favorisiert, um doch einen Wechsel im System zu erreichen.  Wir werden sehen, ob im Palast der Produktion der soziale Gedanke, der Weg über das Wir tatsächlich eine Option aufzeigt, den Trend zum Superhelden in der Arbeits- und Lebenswelt zu umgehen. Hier die ersten Eindrücke aus der Wollkämmerei in Bremen-Blumenthal zu Beginn des Projekts.

 

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