grüneWelt: Korallenriff, gehäkelt


© Museum Kunst der Westküste

Faszinierende Unterwasserwelt auf der Nordseeinsel Föhr, Korallenpracht in allen Farben und Varianten. Gehäkelt. Gehäkelt? Mehr als 600 Personen haben seit Mitte Januar auf Föhr daran gearbeitet, ein täuschend echtes Korallenriff in Wolle entstehen zu lassen. In ungezählten Stunden entstanden so – ausgebreitet – etwa 40 Quadratmeter Korallenriff. Zurzeit kann man beim Initiator der Aktion, beim Museum Kunst der Westküste  beobachten, wie alles zusammengebaut wird. Am 9. Juni 2012 wird das so genannte Föhr Reef zum Bestaunen bereit sein, gemeinsam mit weiteren Häkel-Korallen und anderen gehäkelten Unterwasserorganismen des amerikanischen Kooperationspartners, des Institute For Figuring / Los Angeles. Bis zum 16.September 2012 werden die gehäkelten Kunstwerke auf Föhr ausgestellt.

Die Idee, die fragilen, durch den Klimawandel stark bedrohten Korallen als Häkelarbeit nachzubilden hatten Christine und Margaret Wertheim, zwei australische Schwestern, eine Künstlerin und eine Wissenschaftlerin, die sich mit ihrem Institut der ästhetischen Seite wissenschaftlicher Theorien widmen. Sie griffen die Idee der Mathematikerin Daina Taimina auf, die ein korallenartiges Modell gehäkelt hatte, um einen so genannten hyperbolischen Raum zu veranschaulichen, einen sich an jedem Punkt weiter ausdehnenden Raum. Durch die Häkelmodelle konnte Taimina mit Hilfe der hyperbolischen Geometrie die Struktur natürlicher Organismen besser mathematisch erklären, eben auch die der Korallen. Die Schwestern riefen mit ihrem Institute For Figuring ein internationales, kollektives Kunstprojekt ins Leben – das Hyperbolic Crochet Coral Reef (Hyperbolisches Häkel-Korallenriff), das die bedrohte Schönheit eines maritimen Ökosystems mit einer mathematische Theorie und der gemeinschaftlich praktizierten Kulturtechnik des Häkelns verbindet. Bisher haben mehr als 5000 Mitwirkende 15 Korallenriffe in den USA, Australien und Europa gehäkelt, das Föhr Reef ist das erste in Deutschland.

Wer durch die Korallenaktion Lust auf gemeinschaftliches Häkeln oder Stricken verspürt, wird zurzeit in Bremen in Huchting beim CircleLine-Projekt (dieGlucke berichtet hier darüber) im QBZ, Robinsbalje 12a fündig, die schon die ersten Zeichen auf Huchtings Straßen hinterlassen haben (s. Fotocollage unten). Interessenten treffen sich jeden Dienstag ab 9 Uhr (nicht am Pfingstdienstag). In der Bremer Neustadt gibt es den Stricknachmittag im Café Radieschen, Buntentorsteinweg 65/am Friedhof, immer am Mittwoch ab 15 Uhr und schließlich im Neustädter Mütterzentrum des SOS Kinderdorf, Friedrich-Ebert-Straße 101, dienstags ab 10.30 Uhr.

Und hier ein kurzer Spot des Museums auf Föhr zur Entstehungsgeschichte des Häkel-Korallenriffs, weitere Infos auf deren Homepage.

2 Kommentare

  1. Cassi sagt

    Das ist ja unwahrscheinliche Häkelkunst – tolles Bild.

    • dieGlucke sagt

      Vielleicht hilft es ja dabei, die echten Korallen wirksam zu schützen!

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