dasThema: Frauenarmut in Bremen II

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Armut (türkisch) ist eine Birne (deutsch). Wer Armut abschaffen will, muss sie einfach aufessen. Ein schönes Wortspiel – doch real tun sich Politik und Gesellschaft beim Abbau der Armut in Deutschland schwer, vor allem das steigende Risiko für Frauenarmut wird zum immer drängenderen Problem. dieGlucke berichtet berichtet in einer Mini-Serie über Hintergründe. Heute Teil II: die Armutsfalle Lebenslauf, die Situation in Bremen und der notwendige Wandel in den gesellschaftlichen Strukturen.

Frauen bezahlen für ihren Lebensverlauf

Frauen haben Männer in Schule bzw. an Universitäten längst überholt, bringen die besseren Leistungen, schließen mit besseren Noten ab. Doch mit dem Einstieg ins Berufsleben sinken die Chancen der Frauen auf eine wirtschaftlich lohnende Arbeit. Frauen wählen oft Berufe in typischen Berufen mit geringer Bezahlung und schlechten Aufstiegschancen, Frauen unterbrechen für die Familie öfter und länger ihre berufliche Laufbahn (nicht nur für Kinder, mittlerweile auch, um ältere Verwandte zu pflegen), dadurch verpassen sie oft den Anschluss an den Karrierezug. Sie wählen, oft gezwungenermaßen, Teilzeitmodelle mit kargem Gehalt und geringen Chancen auf gut dotierte Führungspositionen oder arbeiten in unsäglichen Mini-Jobs (s. auch Teil I dieser Serie). Gerät die Familie in finanzielle Nöte oder lässt sich das Elternpaar scheiden, wird das Armutsrisiko für Frauen schnell sehr hoch, spätestens in der Rente bittere Realität.

Wie sieht das explizit in Bremen aus?

In der Gesprächsrunde, zu der belladonna vor kurzem eingeladen hatte, berichteten verschiedene Frauen von Bremer Politik, Wirtschaft und Frauen-Initiativen über die Ausmaße von Frauenarmut in Bremen. Neben den oben genannten Problematiken verschärfen Migrationshintergrund, unsicherer Aufenthaltsstatus, traditionelles Rollenverständnis und schlicht Überforderung die Situation finanziell schwach ausgestatteter Frauen in Bremen. Selbst wenn es gelingt, Frauen über Initiativen wie Quirl e.V. und in Mütterzentren in Arbeit zu bringen, ist diese meist befristet und immer im Niedriglohnsektor angesiedelt. Auch die Option der so genannten Bürgerarbeit, die über das Bremer JobCenter finanziert wird, sorgt nicht wirklich für ein ausreichendes Einkommen und auch nicht für die Möglichkeit, Altersarmut vorzubeugen – für 30 Wochenstunden erhalten Bürgerarbeiterinnen 900 Euro brutto. Den kommunalen Trägern ist zwar freigestellt den Arbeitslohn aufzustocken, sofern entsprechende Tarifverträge bestehen. Unterm Strich ist jedoch ein ergänzender Hilfebezug über das Amt vorprogrammiert, zusätzliche Alterssicherung unmöglich.

Mindestlohn in Bremen gibt den richtigen Impuls

Die Einführung eines Mindestlohns im Land Bremen, die noch vor der Sommerpause gesetzlich verankert werden soll (die erste Lesung durch die rot-grüne Landesregierung war bereits im März), sieht für alle Behörden und quasi städtischen Unternehmen sowie Privatfirmen und Wohlfahrtsverbände, die öffentliche Aufträge oder Zuwendungen erhalten, eine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro vor. Bremen ist hier Vorreiter in der Republik und unternimmt damit einen wichtigen Schritt auch gegen Frauenarmut, gleichzeitig darf die Politik aber auch nicht vergessen, die Budgets entsprechend anzuheben. Daneben müssen sich die gesellschaftlichen Strukturen den veränderten Lebensbedingungen anpassen. Die Bremer Gleichstellungsbeauftrage Ulrike Hauffe hatte schon 2008 in Bremen einige wichtige Maßnahmen gefordert, die bis heute gelten: 1. die (finanzielle!) Aufwertung der zumeist durch Frauen bewältigten Dienstleistungsberufe, z.B. im pflegerischen Bereich, 2. Förderung der sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit von Frauen und vor allem von Müttern, – auch durch bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und 3. eine generelle, gesetzliche Rentenversicherung sowie Boni für Kindererziehung, um Lücken in der Rentenanwartschaft zu schließen. Von der seit der Rentenstrukturreform 2001 geltenden Berücksichtigung von Kindererziehungszeiten sind Experten nicht überzeugt, da sie nur einem Teil der Frauen zugute kommt und die Senkung der Rentenquote die möglichen finanziellen Vorteile nahezu aufhebt.

Bewusstsein für die Zusammenhänge von Beruf und Armutsrisiko

Für Esther Schröder von der ANK Bremen steht neben den o.g. Argumenten besonders die Bildung im Fokus, wenn es um Maßnahmen gegen steigende Frauenarmut geht: „Wir müssen das Bewusstsein stärken, welchen Einfluss die Berufswahl auf den Lebenslauf von Frauen und auf ein mögliches Armutsrisiko hat.“ Vor allem junge Frauen unter 25 und Alleinerziehende tragen ein sehr hohes Risiko, durch ein geringes Einkommen nicht adäquat am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Sie sind am meisten von Arbeitslosigkeit betroffen. Über die Situation alleinerziehender Frauen in Bremen berichtet dieGlucke demnächst.

Hier geht´s zum ersten Teil der Serie: dasThema: Frauenarmut in Bremen I