Urban Gardening Teil I – Internationales Gartenglück

Urban gardening – ein grüner Trend weht durchs Land. Immer öfter zieht dieses Stichwort die Aufmerksamkeit auf sich. Was steckt dahinter? Gärtnern in der Stadt, die Übersetzung ist einfach. Aber städtisches Grün in Bremen – gibt es davon nicht genug? Gibt es auch hier Impulse, die Stadt noch grüner zu machen? Wer macht was? Wo kann mitmachen? Wie kann jede/r selbst in Bremen aktiv werden? dieGlucke hat nachgefragt. In einer Mini-Serie lesen Sie von kulturellen und soziologischen Aspekten, wildem Gärtnern, farbenfrohen und farbenbringenden Samenpaketen und süßem Bienenglück. Los geht´s mit dem Internationalen Garten in Walle.

© Dorothea Becker

Ein Stück Garten hinter dem Bahngleis

Leere Beete lassen darauf schließen, dass im vergangenen, ersten Sommer der Initiative Internationaler Garten in Walle schon Einiges geerntet werden konnte, auch Bilder gibt es von stattlichen Gurken und hohen Sonnenblumen. Die neue Saison beginnt an Ostern und damit geht die Idee des multikulturellen Miteinanders in der Freizeit in sein zweites Jahr. Seit 2011 haben sich 12 Menschen aufgemacht, eine verwilderte Brache in Nachbarschaft des Kleingartengebiets an der Hagenstraße in ein gemeinschaftliches internationales Gartenprojekt zu verwandeln. Gerade wurde ihr Verein gegründet, Dorothea Becker und Nesrine Ouidia sind dabei und eigentlich das Paradebeispiel für die Idee hinter der Bewegung: Menschen, die Lust am Gärtnern haben, treffen sich im Garten, begegnen sich  über kulturelle Grenzen hinweg und lernen voneinander. Gartenarbeit ist grenzenlos und ideal, um die Sprache zu lernen, wie die junge Algerierin, die seit zwei Jahren in Deutschland lebt, überzeugend berichtet: „Beim gemeinsamen Gärtnern lerne ich die Alltagssprache am besten, das verbindet und ist besser als jeder Kurs.“ Die Pflege des Gartens, der Beete und der gemeinsame Ernteerfolg verbinden und schaffen Vertrauen. So bringen alle ihre Kenntnisse mit in die Gemeinschaft ein. Zurzeit ist handwerkliches Geschick gefragt, das Gartenhaus wird erneuert, man kann schon ahnen, dass es zum Mittelpunkt für die künftigen Aktivitäten wird. Die beiden Frauen sind sehr aktiv dabei, mehr Menschen von ihrer Idee zu begeistern, wollen die Quote Einheimische zu Migranten verbessern, zurzeit hat jeder dritte im Verein ausländische Wurzeln. Die beiden Frauen informieren deshalb in Sprachkursen der VHS, aber auch in Schulen und bei anderen Kooperationspartnern in Walle über ihr Gartenprojekt.

Geboren wurde die Idee der Internationalen oder auch Interkulturellen Gärten Anfang der 1990er Jahre in Millionenstädten, wie Buenos Aires, New York und Toronto. 1996 wurde in Göttingen von einer nichtdeutschen Familie der erste Internationale Garten Deutschlands angelegt. Mittlerweile umfasst das deutsche Netzwerk 125 Gärten in 16 Bundesländern, weitere 68 Projekte befinden sich in Planung. Den soziologischen Hintergrund sieht Christa Müller, die als Forscherin die Entwicklung seit Jahren untersucht, darin, dass sich Gemeinschaftsgärten immer stärker für die Selbstversorgung etablieren, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Aber auch die Tatsache, dass in Städten Bauland über Jahre oder Jahrzehnte brach liegt, eine neue Nutzung nicht klar oder gesichert ist, bringt die Menschen immer öfter auf die Idee, diese Gebiete für städtisches Gärtnern zu nutzen. Auch das 2.300 Quadratmeter große Grundstück der Waller Inititative war jahrelang ungenutzt und musste erst gerodet werden, bevor die ersten Beete angelegt werden konnten. Mit Frühlingsbeginn werden sich wieder etliche Familien mit Kindern um „ihr“ Beet kümmern können, am Wochenende sind immer Ansprechpartner auf dem Gelände neben der Waller Kleingartenanlage. Besonders willkommen sind Familien, die aus der ganzen Welt nach Bremen gekommen sind. Mit einem großen Osterfeuer am Ostersamstag wird der Winter verjagt und die Saison kann beginnen.

Internationaler Garten in Walle, Hagenweg, Ecke Fleetstraße, 28219 Bremen
E-Mail: dorotheabecker@gmx.de

Internationale Gärten: www.stiftung-interkultur.de